Von Claudia Wessel und Bernd Kastner

Die "allerentspannteste Wiesn-Halbzeitbilanz, an die ich mich erinnern kann", hat Oberbürgermeister Ude am Sonntag gezogen. 3,3 Millionen Besucher haben 3,2 Millionen Maß Bier getrunken und 51 Ochsen verzehrt.

Prächtige Kulisse: Zum Standkonzert versammelten sich am Sonntagmittag die Wiesn-Kapellen zu Füßen der Bavaria. (Foto: ddp)

Der Bierkonsum ist damit um fünf Prozent angestiegen, auch die Zahl der Besucher hat sich leicht erhöht. Im Vorjahr waren es nach der ersten Woche etwa 3,2 Millionen gewesen. Doch solche Feinheiten spielten ohnehin keine Rolle, merkte Christian Ude an. "Es kommt nicht darauf an, neue Rekorde aufzustellen, sondern wir wollen, dass der Charakter der Wiesn erhalten bleibt."

Damit war der OB auch schon beim Thema: Werbung und PR auf der Wiesn. Er betonte erneut, dass sich der Stadtrat, die Stadtspitze und das Tourismusamt einig darin seien, alle Versuche, die Wiesn für fremde Zwecke zu vermarkten, zu unterbinden. Darauf werde Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl in der kommenden Woche beim Wirte-Rundgang ebenfalls noch einmal hinweisen.

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"Wollen wir zulassen, dass statt Altmünchner Motiven plötzlich Firmenlogos zu sehen sind? Wollen wir, dass sich das Erscheinungsbild komplett verändert, dass neue Autos im Wiesnzelt vorgestellt werden und das Publikum unfreiwillig zur Kulisse dafür wird?", fragte Ude rhetorisch, um sogleich sein Nein kundzutun. "Die Wiesn ist keine Plattform für eine Promotion-Tour."

Wiesn soll "auch optisch" bayerisch sein

Dass dies im Sinne aller Besucher sei, schloss Ude unter anderem daraus, dass immer mehr Menschen in Tracht aufs Oktoberfest kommen. "Man will die Wiesn auch optisch als bayerisches Fest haben!"

Außer diesen Unstimmigkeiten sei die Wiesn heuer "so heiter, wie man sie sich in den kühnsten Träumen wünschen mag". Nach dem herrlichen WM-Wetter, das pünktlich zum Papstbesuch zurückkehrte, sei es ja fast zu viel verlangt gewesen, auch noch schönes Wiesn-Wetter zu wünschen. Es sei trotzdem wahr geworden. Glücklich und zufrieden zeigte sich auch Gabriele Weishäupl zur "Halbzeit", die diesmal ja noch gar keine ist, da die Wiesn zwei Tage länger dauert (bis einschließlich 3. Oktober).

 
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Alle Angebote würden eifrig angenommen, von der "Spatzl"-Handtasche in Herzform über die Öko-Schmankerl bis zum Familien-Platzl, welches in Sachen Babywickeln der Kinderbetreuung im Servicezentrum bereits Konkurrenz mache. Das Wiesn-Fundbüro ist schon gut angefüllt: mit 1400 Fundstücken, darunter ein komplettes Dirndl, gefunden auf einer Toilette.

Der positiven Zwischenbilanz schloss sich die Polizei an, die 350 Beamte im Einsatz hat. 820 mal mussten diese ausrücken, allein 211 mal am vergangenen Samstag, als 500 000 Besucher kamen und die Zelte schon mittags wegen Überfüllung geschlossen wurden. 333 Personen wurden bislang festgenommen, rund 50 weniger als im Vorjahr.

Eine Vergewaltigung, mehrere "Busengrapscher"

Wie 2005 wurden eine Vergewaltigung angezeigt sowie sechs sonstige Sexualstraftaten, meist handelte es sich um "Busengrapschen". Gestiegen ist die Zahl der Körperverletzungen (auf 137, plus zehn Prozent), die der schweren Körperverletzungen sogar um gut 22 Prozent auf 65 Fälle. 25 mal waren Maßkrüge im Spiel. 23 Taschendieben wurde das Handwerk gelegt.

Unverzichtbar, so Polizeisprecher Peter Reichl, sei mittlerweile der Einsatz von Videokameras. 33 Personen wurden aufgrund dieser Überwachung festgenommen, darunter 13 Rauschgiftdealer und -konsumenten. Bislang wurden bei den Einsätzen 13 Beamte leicht verletzt.

Gleich am ersten Wochenende etwa biss eine renitente Frau einer Polizistin in den Oberschenkel. Mehr als 4100 Patienten, darunter 239 Bierleichen, versorgten die Sanitäter auf der Wiesn - 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch sprachen die Helfer des Roten Kreuzes von einer "normalen Wiesn".

(SZ vom 25.9.2006)

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