7. Februar 2013 13:33 Szene München Einsamkeit der Einzigartigen

Der Minirock hat sich zum dominierenden Kleidungsstück im Nachtleben gemausert. Wer auffallen will, muss da schon kreativ sein. Und das geht nicht immer gut.

Eine Kolumne von Melanie Staudinger

Katzen mögen nachts grau sein. Auf Hasen trifft das in Münchens Bars garantiert nicht zu. Die wollen auffallen, was gerade ziemlich schwierig ist. Schuld an der Misere ist der Minirock, der sich auch im Winter zum dominierenden Kleidungsstück im Nachtleben gemausert hat. Gemeint sind nicht diese gürtelähnlichen Teile, die eher an die Damen aus der Hansastraße erinnern, sondern die mädchenhaft-verspielten Modelle mit Blümchen, Punkten oder Falten.

Modisch verträgt sich der Minirock ideal mit Ballerinas. Wer sich aber von diesem engelsgleichen Einheitsbrei abheben will, muss kreativ sein. Das gerät schnell zur Gratwanderung: Es muss etwas sein, das konzeptionell zum Outfit der anderen passt, schließlich ist man ja als Gruppe unterwegs. Andererseits: Einzigartig will frau ja dann doch irgendwie sein.

Einem dieser Mädchen Mitte 20 gelang der Spagat neulich in einer Bar in der Baaderstraße ganz vorbildlich, anfangs zumindest. Sie trug zu den mit Pailletten besetzten Ballerinas eine goldene Handtasche. Das ließ die umstehenden Männer neugierig werden. Wer solchen Mut bei der Farbwahl zeigt, ist entweder völlig durchgeknallt oder muss einfach interessant sein. So stand die Dame nie lange alleine da, allerdings auch nie lange in Gesellschaft des gleichen Herren. Warum?

Hatte die noble Tasche den Herren etwa zu viel Glamour versprochen? Nein. Des Rätsels Lösung offenbarte sich vor der Tür. Kaum hatte sie jemandem eine ihrer Zigaretten angeboten und zum zweisamen Rauchen nach draußen animiert, war das Tête-à-tête auch schnell wieder vorbei. Mit überlangen, extra dünnen Mentholkippen, noch dazu ganz in Weiß, ködert man nun einmal keine Typen - da hat das Anderssein-Wollen seine Grenzen.