15. Februar 2013, 11:16 Münchner Pferdemetzger "Als würde ich hier Ratten verkaufen"

Pferdefleisch auf dem Teller? Das ist nicht jedermanns Sache. Auch schon vor dem Lebensmittelskandal um falsch deklarierte Fertiggerichte war das so. Hat sich daran etwas geändert? Ein Besuch beim einzigen Pferdemetzger Münchens.

Von Elisa Britzelmeier

Die einzige Pferdemetzgerei Münchens: zu Besuch am Viktualienmarkt.

(Foto: dpa)

Pferdefleisch, das als Rindfleisch deklariert wurde: In Europa wird dieser Lebensmittelskandal heftig diskutiert. Auf dem Münchner Viktualienmarkt, in der Metzgerei von Kaspar Wörle, ist davon wenig angekommen. Nur das Telefon, das klingelt beinahe ununterbrochen. "Jeder will unsere Meinung dazu wissen", seufzt Emilia Ramirez. Seit zwei Jahren arbeitet sie in der einzigen Pferdemetzgerei Münchens. "In der Empörung um den aktuellen Lebensmittelbetrug wird so getan, als würde ich hier Ratten verkaufen. Dabei ist das bestes Fleisch." Sie ist sich sicher: Die Stammkunden lassen sich von den Diskussionen nicht verunsichern.

Tatsächlich ist das Problem ja nicht das Fleisch, sondern dessen falsche Auszeichnung. Und vor allem die Täuschung des Verbrauchers. Trotzdem gilt für viele das Pferd dennoch als ein Tier, das bei ihnen nicht auf den Teller kommt. "Ich würde es nicht essen. Das Pferd ist einfach so ein schönes, edles Tier", sagt einer vor der Tür des Pferdemetzgers. Eine andere Passantin erklärt: "In unserer Kultur gilt das Pferd nun mal als Arbeits- oder Haustier."

In anderen Ländern gilt Pferdefleisch als normal

Ganz anders denken da die Kunden in der Pferdemetzgerei. "Ich weiß gar nicht, was die Leute hier für einen Wirbel machen. Die sollen mal nach Italien oder Frankreich gehen. Da ist Pferdefleisch ganz normal", sagt eine Frau und packt ihren Einkauf in die Tasche. "Ich komme hier seit zwanzig Jahren her", erzählt ein anderer Stammkunde. Metzger Wörle jedenfalls verkauft in diesen Tagen nicht weniger Fleisch als vorher. Deutschlands Pro-Kopf-Verbrauch von Pferdefleisch wird in Eurostat-Erhebungen auf durchschnittlich 40 Gramm im Jahr geschätzt.

Emilia Ramirez steht zu der Ware, die sie anbietet. Fleisch und Wurst stammten schließlich aus der eigenen Schlachtung in Wiedenzhausen außerhalb Münchens. Grundsätzlich gilt Pferd als magerer, cholesterinärmer und eisenhaltiger als Schwein oder Rind. Eine Massenproduktion für Pferdefleisch gibt es nicht. Die Tiere werden nicht eigens gezüchtet, sondern sind meist erlahmte Reitpferde. Wird gerade weniger geschlachtet, findet man schlichtweg weniger Produkte in der Ladentheke.

Mit 29,99 Euro für ein Kilogramm Filet und 21,99 Euro für ein Kilo Lende kostet Pferde- ähnlich viel wie Rindfleisch. Angeboten werden am Viktualienmarkt Klassiker vom Pferd wie der Rheinische Sauerbraten und neuere Produkte wie der würzige "Ingwerring". Am beliebtesten ist in der Metzgerei Wörle der "Knacker". Die Wurst gibt es auch warm mit Semmel oder Kartoffelsalat. Für viele Münchner hat sie Tradition.

Metzgermeister kann sich den Skandal nicht erklären

Die Kundschaft ist ganz verschieden. Vom Ur-Münchner bis zum Teenager kaufen die Menschen in der Pferdemetzgerei ein. Auch asiatische Touristen schauen herein. Oft sind es Neugierige, die über den Viktualienmarkt schlendern und einfach einmal Pferd probieren möchten.

Wie im europaweiten Skandal Pferdefleisch in der angeblichen Rinderlasagne enden konnte, kann sich Metzger Kaspar Wörle nicht erklären. Er bekomme die Pferde zur Schlachtung direkt von ihrem Besitzer, nach einer Kontrolle durch den Tierarzt. Alle Medikamente, die ein Tier einnimmt, müssten verzeichnet werden. "Die Überprüfung im Ausland ist bestimmt schwerer", vermutet ein Kunde im Laden.

Bayern hat nach Aussage des Präsidenten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, seine Lebensmittelkontrollen verschärft.

"Das ist einfach ein Problem der Massenproduktion", ist sich Metzgermeister Wörle sicher. "Es ist ein reiner Etikettenschwindel." Er verstehe aber ohnehin nicht, wieso Fertiggerichte einen so großen Erfolg haben. Mit seinem Fleisch stehe er für Regionales.