23. November 2012, 16:55 Kolumne NullAchtNeun Lothar Löwenherz

Okay, die Löwen spielen zweite Liga, das ist eigentlich sehr weit unter dem Heldenniveau eines Lothar Matthäus. Aber wenn sie ihn lieb bitten würden, weil aufdrängen will er sich nicht für diese Aufgabe, stünde er als neuer Trainer schon in den Startlöchern.

Eine Kolumne von Christian Mayer

Matthäus zeigt Interesse an Trainerjob beim TSV 1860 München.

(Foto: dapd)

Bei den alten Römern war es üblich, siegreiche Feldherren, die gerade wieder irgendwelche Barbaren niedergeworfen hatten, erst mit Ehrungen zu überhäufen und sie dann nach Möglichkeit einzulullen.

Diese gewesenen Oberbefehlshaber lagen dann ermattet in ihren prachtvollen Villen, berauscht vom roten Wein und von den schönen Frauen - aber wie das so ist, wenn das Adrenalin weg ist und das Schwert nur noch in der Scheide steckt: Man wird halt ein wenig bräsig, ein bisschen breiter um die Hüften; man wartet auf die nächste große nationale Aufgabe und wird immer wieder vertröstet. Eigentlich will kein Mensch, dass sich der alte Haudegen wieder von seiner Liege erhebt. Und so gibt man sich eben der spätrömischen Dekadenz hin.

Lothar Matthäus trinkt meist Wasser, seine Figur ist bemerkenswert straff von vielen Spa-Besuchen. Dieser Mann ist allzeit bereit - wenn er könnte, würde er sofort wieder in die Schlacht ziehen und zwar nicht nur gegen die Anwälte seiner verflossenen Frauen. Insofern kommt es alles andere als überraschend, dass der Rekordnationalspieler gerade angedeutet hat, auch für den Trainerposten des TSV 1860 bereit zu stehen.

Okay, die Löwen spielen zweite Liga, das ist eigentlich sehr weit unter dem Heldenniveau eines Lothar Matthäus, aber die Aufgabe klingt doch irgendwie irre. Der Lothar hat allerdings erklärt, dass die Löwen ihn schon lieb bitten müssen, aufdrängen will er sich nicht für diese Aufgabe.

Das weise Präsidium und die märchenhaften Geldgeber des TSV 1860 müssen jetzt handeln, Lothar Matthäus wartet schon auf den Marschbefehl. Aber dalli, dalli! Sonst verkauft er sich womöglich noch an barbarische Fußballländer wie Schottland oder Nordkorea, heiratet dort ein fünftes Mal und führt das Team zum WM-Sieg, während die Löwen in die dritte Liga absteigen.