7. Februar 2013 10:45 Ausbau des Nahverkehrs München will neue U-Bahn-Strecke

Von Dominik Hutter und Silke Lode

Bekommt München erstmals seit den achtziger Jahren eine neue U-Bahnlinie? Die U9 soll alle schon bestehenden Linien kreuzen und so das überlastete Schienennetz entlasten. Allerdings sind etliche Probleme ungeklärt - vor allem die Frage der Finanzierung.

Die rot-grüne Stadtregierung will noch vor der nächsten Kommunalwahl im März 2014 eine neue U-Bahn-Linie durch die Innenstadt vorantreiben. Das sagte Claudia Tausend, die Vizefraktionschefin der Rathaus-SPD, der Süddeutschen Zeitung. Über die U 9, die von der Implerstraße über die Theresienwiese zum Hauptbahnhof, weiter in Richtung der Pinakotheken und dann zur Münchner Freiheit führen könnte, wird schon länger diskutiert.

Allerdings hat das Projekt schlechte Chancen, die Kriterien für eine Förderung mit Bundesmitteln zu erhalten. Da dieses wichtige Finanzierungsinstrument aber ohnehin in sechs Jahren abgeschafft werden soll, schlägt Tausend eine andere Lösung vor: "Ich kann mir auch vorstellen, dass die Stadt die U 9 aus der eigenen Kasse bezahlt."

Mit den Grünen ist der Vorstoß bislang nicht abgesprochen, doch bei Verkehrsexpertin Sabine Nallinger rennt die SPD offene Türen ein: "In der Innenstadt haben wir im Nahverkehr das größte Problem, und ich versuche seit Wochen an den Koalitionspartner heranzutragen, dass wir schnell handeln müssen", sagt die OB-Kandidatin der Grünen. Vor allem die Wachstumsprognosen machen ihr Sorgen: "Wenn bis 2030 - und manche Prognosen sagen sogar noch früher - 300 000 Menschen nach München ziehen, dann ist das ein Horizont, bei dem man mit der Verkehrsplanung sofort loslegen muss."

Die U 9 alleine sei allerdings zu kurz gesprungen: "Wir müssen vor allem die Leute aus der Innenstadt rausbringen, die gar nicht ins Zentrum wollen." Deshalb setzt die Grünen-Politikerin weiter auf den Südring und andere Verbindungen, die - wie zum Beispiel eine neue Tram-Tangente im Westen - am Zentrum vorbei Stadtteile miteinander verbinden.

Unternehmen könnten sich an den Kosten beteiligen

Wie Claudia Tausend fordert auch Nallinger, dass die Stadt über Alternativen zur Bundesförderung nachdenkt. "Wir brauchen kreative Ansätze zur Finanzierung", sagt Nallinger, und hat auch einen konkreten Vorschlag parat: So könnten Unternehmen, die Neubaugebiete entwickeln, an den Kosten für U-Bahn-Anschlüsse beteiligt werden. "Immerhin wissen wir, dass die Leute auch mehr für Eigentumswohnungen zahlen, wenn der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr gut ist", sagt Nallinger. Interessant wäre ein solches Modell zum Beispiel in Freimann oder auf dem ehemaligen Paulaner-Gelände in der Au.

Die MVG, die 2008 vom Stadtrat mit ersten Planungen für die neue U-Bahn beauftragt wurde, bereitet derzeit die Ausschreibung einer Machbarkeitsstudie vor. Denn noch gilt es diverse Probleme zu lösen: So müssten bei laufendem Betrieb Abzweige auf Höhe Implerstraße und Münchner Freiheit nachgerüstet werden.

An der Münchner Freiheit wird über den Neubau einer U 9-Station unter dem Bahnhof der Linien U 3 und U 6 nachgedacht. Das kann teuer werden, warnt MVG-Chef Herbert König - mit den üblichen 50 bis 60 Millionen Euro je Kilometer U-Bahn werde man wohl nicht auskommen. Kompliziert wird wohl auch der Bau der dann wohl fünften unterirdischen Station am Hauptbahnhof (inklusive zweite S-Bahn). Außerdem muss geklärt werden, ob ein Stopp an der Theresienwiese sinnvoll ist.

Die etwa fünf bis sechs Kilometer lange U 9 wäre die vierte Innenstadtquerung der U-Bahn - sie könnte die überlasteten Linien U 3/U 6 sowie U 2 und speziell die Umsteigebahnhöfe Sendlinger Tor und Odeonsplatz entlasten. Außerdem entstünde eine Direktverbindung vom Hauptbahnhof zur Allianz-Arena.