31. Filmfest München Oscar-Preisträgerin zur Eröffnung

"Exit Marrakech" von Caroline Link (l.) eröffnet das Filmfest München. Hier mit Festspielleiterin Diana Iljine.

(Foto: Stephan Rumpf)

Glamour? Flair! Das 31. Münchner Filmfest startet mit der Premiere von "Exit Marrakech" der Münchner Oscar-Preisträgerin Caroline Link. 174 Filme gibt es in den nächsten Tagen zu sehen. Und dabei hat es die nationale Schauspielzunft noch nie interessiert, dass in Cannes oder Berlin mehr Hollywood-Volk zugegen ist.

Von Philipp Crone

Caroline Link gesteht, dass sie "etwas Angst" vor diesem Abend hat. Obwohl die Münchner Regisseurin und Oscar-Preisträgerin dabei nach eigener Ansicht eigentlich wenig zu befürchten hat. Ihr Film "Exit Marrakech" sei ja "eine Art Heimspiel" für sie als Absolventin der Münchner Filmhochschule. "Es schwappt gerade eine Welle freudiger Erwartung auf mich nieder", sagt die 49-Jährige. Bammel hat Link, weil sie bei ihrer letzten Premiere, auch im Mathäser-Kino wie an diesem Freitagabend, bei der Danksagung eine wichtige Person vergessen hatte. Und das soll bitte nicht noch einmal passieren.

Der Premierenabend beginnt dann genau so, wie man es aus München kennt: ohne Pannen, mit dem üblichen chaotischen Treiben auf dem roten Teppich. Es ist eine Mischung aus hektisch herumhechtenden Fotografen, betont entspannt über den Teppich spazierenden Schauspielern und unbedarft über das Spektakel staunenden Zaungästen. Mittendrin steht Link, die sichtlich Freude hat an ihrem ersten Auftritt als Regisseurin eines Eröffnungsfilms.

Während Darsteller wie Edgar Selge oder Links Mann Dominik Graf das Gewusel auf dem Teppich zügigen Schrittes durchqueren, albert Link mit ihrem Hauptdarsteller Ulrich Tukur und Filmfestchefin Diana Iljine. Jeder Fotograf bekommt sein Bild, was eine Zeit dauert, aber auch den reiferen Gästen wie Kameramann Michael Ballhaus und Filmemacher Michael Verhoeven Zeit gibt, relativ unbemerkt in den Kinosaal zu gelangen.

Kommen ausreichend berühmte Schauspieler?

Christian Ude genießt erwartungsgemäß die Aufmerksamkeit und erklärt, kaum überraschend, dass es zwar sein letztes Filmfest als Oberbürgermeister sei, er aber vorhabe, als Ministerpräsident auch wieder in offizieller Mission in Zukunft zu erscheinen.

Eine Frage lautet vor jedem Filmfest: Kommen ausreichend berühmte Schauspieler? Am Freitagabend sind es Vertreter der Deutschen und vor allem der Münchner Filmszene. Aber auch das gehört zum Filmfest wie das Teppichchaos. Man hätte gerne mehr Stars, doch die familiäre Atmosphäre genießen dann doch auch alle.

Das Jahr 2013 ist beim Thema bekannte Gästeeher eines der Regisseure. Ariane Mnouchkine feiert eine Weltpremiere, dazu sind weitere Oscar-Preisträger wie Fernando Trueba, Costa-Gavras oder Alex Gibney da und stellen ihre Filme vor. Als einziger Darsteller, der mit dem gängigen Attribut "Weltstar" versehen werden kann, kommt der britische Schauspieler Michael Caine nach München. Der 80-Jährige stellt am Samstag einen Film vor und wird am Montag ausgezeichnet.

Unbeschwerte Stimmmung im sommerlichen München

Doch ob nun in Cannes oder Berlin mehr Hollywood-Volk zugegen ist, hat die nationale Schauspielzunft noch nie besonders interessiert. Die Branche trifft sich im sommerlichen München, um die unbeschwerte Stimmung in der Stadt und auf den Empfängen zu genießen, von denen es so viele gibt wie Fotografen am Freitag neben dem roten Teppich: Dutzende.

Während sich also die Cineasten bis zum nächsten Samstag insgesamt 174 Filme ansehen können, haben Tukur und Co die Qual der Häppchenwahl. Empfänge des ZDF oder der Bavaria Film, dazwischen Premierenfeiern wie die von "Dampfnudelblues", mit einer Art bayerischer Best-of-Besetzung, und dann noch ein paar Preisverleihungen - das Schauspielerleben muss anstrengend sein diese Woche, dauernd Champagner.

Link freut sich weniger auf Schampus und Schalentiere, mehr auf den Hotspot Gasteig. "Ich wünsche es mir wie früher auf dem Filmfest, als man dort immer in den Bars Freunde zum Bier trinken getroffen hat." Glamour? Flair!