Von sis, cw, loe

Vier Beispiele dafür, wie Spenden von SZ-Lesern notleidenden Menschen geholfen haben.

Tausenden von Menschen haben die SZ-Leser mit ihren Spenden für den "Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung" geholfen. Eine Woche vor dem Start der 57. Hilfsaktion fragt die SZ nach: Was hat die Unterstützung für traumatisierte Kinder, Obdachlose, alte und verwirrte Menschen sowie Familien in Not bewirkt? Wie geht es den Menschen, über deren Schicksal der SZ-Adventskalender 2004 berichtet hat? Vier von ihnen mögen als Beispiel stehen.

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Chance einer glücklicheren Kindheit

Alex will kein Nest aus Kissen und Decken mehr und Diana watschelt nicht mehr wie eine kleine Ente. Der Sechsjährige schläft jetzt in einem großen Bett, beinahe ohne Albträume. Und seine Schwester hat sicher gehen gelernt, fast wie andere Vierjährige. "Die beiden haben sich sehr gut gemacht", sagt Barbara Pfeilstetter vom Salberghaus. Auch wenn es noch dauern wird, bis die verletzten Kinderseelen halbwegs geheilt sind.

Verwahrlost, ausgehungert und mit Erfrierungen wurden die Halbgeschwister aufgenommen. Diana hatte ihr erstes Lebensjahr festgezurrt im Babysitz verbracht, Alex musste sich zum Schlafen in eine Ecke rollen. Nun haben sie Zuwendung, Fürsorge - und die Chance einer glücklicheren Kindheit.

Mit zwei Sparbüchern legten die SZ-Leser das finanzielle Fundament für die bessere Zukunft. Auch ein Sponsor für eine Reittherapie wurde gefunden. "Wir danken allen herzlich", sagt die Betreuerin. An Weihnachten hat sie ihren Schützlingen die Herzenswünsche erüllt: Ein Parkhaus für Alex und eine Puppe für Diana. Für ihr "Baby" sorgt die Puppenmutter nun so liebevoll, wie sie selber es nie erlebt hat.

Ruhe und Kraft für eine neue Zukunft

"Ich habe mich unbandig gefreut!" sagt Dagmar L., 56. Vor einem Jahr lebte sie noch im Frauenobdachlosenheim Karla 51. Inzwischen ist sie in eine therapeutische Wohngemeinschaft des Frauengesundheitszentrums gezogen. Dank der Spenden der SZ-Leser ist sie dort von finanziellen Sorgen befreit und lernt mit ihrer schlimmen Vergangenheit zu leben: "Ich mache jetzt eine Psychotherapie."

So hat sie nach all den Jahren des ruhelosen Umherirrens auf der Straße endlich die Chance, über den sexuellen Missbrauch, den sie in der Kindheit erlitten hat, zu sprechen. Von der Geldzuwendung konnte Dagmar L. Zahnarztkosten begleichen und kleine Anschaffungen tätigen.

Genauso habe sie sich jedoch über die Briefe und Päckchen gefreut, sagt sie, die in Karla 51 für sie eintrudelten. "Die vielen Zeilen, die Menschen an mich geschrieben haben! Allen möchte ich hiermit nochmals danken. Das hat mich sehr aufgebaut und mir Mut gemacht." Glücklich ist sie auch über die Bücher und Buchgutscheine, die Dagmar L. für lange Zeit den Lesestoff sichern.

Ein Herzenswunsch: zuhause sterben

Ihr Lieblingsplatz ist der bequeme Fernsehsessel, dessen Kauf die Spenden der Leser ermöglicht haben. Elfriede B., 81, sitzt gern dort, auch wenn sie dem TV-Programm kaum mehr folgen kann. "Da kuschle ich mich richtig hinein", sagt sie. Seit 2003 kann sie die Wohnung nicht mehr verlassen - nach zwei Schlaganfällen sitzt sie im Rollstuhl.

Der Pflegedienst "Dahoam" kommt dreimal täglich. Auf die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Besuchsdienstes freut sich Elfriede B. besonders, mit ihr zusammen hat sie viele frohe Stunden verbracht, gescherzt und gelacht. Der Kontakt ist noch wichtiger, seitdem sich ihr Gesundheitszustand so verschlechtert hat, dass Frau B. nicht mehr fernsehen kann.

Auch der Christophorus Hospiz Verein kümmert sich um die schwerkranke Frau. Dank der Spenden ist sich Elisabeth Solchenberger von Dahoam sicher, dass der immer wieder geäußerte Wunsch der Kranken in Erfüllung geht: "Ich möchte zu Hause bleiben und zu Hause sterben."

Hauptsache, den Kindern geht es gut

In wenigen Tagen muss Hermann S., 45, ins Krankenhaus. Das künstliche Hüftgelenk, das ihm so viel Schmerzen bereitet, wird durch ein neues ersetzt. Die älteste Tochter wird ihn im Haushalt vertreten und sich um ihre drei Geschwister kümmern: Hermann S. ist allein erziehend.

Den Alltag hat er gut im Griff. Ohne Frühstück und Pausenbrot lässt er die Kinder nicht gehen, mittags kocht er eine warme Mahlzeit. Der arbeitslose Familienvater hofft, nach der Operation auch wieder einen Job zu finden. "Die Spenden haben mir sehr geholfen", sagt S., "es war super, sich mal etwas Besonderes zu leisten" - ein Fahrrad für den Jüngsten. "Er hat sich riesig gefreut."

Das Geld hat S., von einer Stromnachzahlung abgesehen, nur für die Kinder ausgegeben, ihnen Kleidung und Schuhe gekauft. Dass es den Kindern gut geht, ist ihm das Wichtigste. Da lässt ihn auch die Operation nicht verzagen: "Das Leben geht immer weiter, wir kommen schon durch."

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(SZ vom 19.11.2005)