Zweite Staffel von "Rachs Restaurantschule" Neuer Einsatz für den pädagogischen Kochlöffel

Am Montagabend startet die zweite Staffel von "Rachs Restaurantschule". Erneut will Sternekoch Christian Rach elf Arbeitssuchenden mit Knast- oder Hartz-IV-Erfahrung beibringen, was "Fleiß, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit" bedeuten. Ist das "gute Unterhaltung mit sozialem Anstrich"? Oder doch nur eine ganz gewöhnliche RTL-Castingshow?

Von Mirjam Hauck

Als im Sommer 2010 "Rachs Restaurantschule" auf Sendung ging, waren sich viele Medien schnell einig. Das Dokutainment-Format, in dem der Sternekoch und RTL-Restauranttester Christian Rach zwölf Sozialhilfeempfängern und straffällig gewordenen Jugendlichen und Erwachsenen eine Chance auf eine Lehrstelle in der Küche oder im Service in seinem Hamburger Restaurant "Slowman" gab, sei "Schulfernsehen ohne Häme" (SZ). Die FAZ schrieb gar schulmeisterlich, hier zeige RTL soziale Reintegration, die nicht im pädagogischen Kokon stattfinde.

Christian Rach startet den zweiten Anlauf: In seiner Restaurantschule sollen Menschen eine neue Chance bekommen.

(Foto: dpa)

In diversen Folgen sahen die Zuschauer, wie Rach seinen Schülern die geschmacklichen Unterschiede zwischen Cola und Apfelsaft erklärte oder ihnen bei einem Besuch auf dem Schlachthof zeigte, woher das Steak auf dem Teller kommt . Ein andermal ging er mit einer übergewichtigen Kandidatin orthopädische Schuhe einkaufen, damit sie die Treppen im Restaurant ohne Schnaufpausen bewältigen konnte.

Medialer Michelin-Stern

So viel Einsatz führte schließlich auch zu einer offiziellen Ehrung. Rach bekam für seine Sendung 2010 den Deutschen Fernsehpreis, sozusagen den medialen Michelin-Stern, verliehen.

Rach selbst beschrieb in einem Interview mit der Berliner Zeitung seine mediale Kochschule als "gute spannende Unterhaltung, die ehrbar gemacht und in der niemand bloßgestellt und vorgeführt wird". Auch sei sein Format nicht mit Castingshows wie "Germany's Next Topmodel" zu vergleichen. Dort werde suggeriert, man könne - ohne sich anstrengen zu müssen - ein Superstar werden.

Bei ihm bekämen die Teilnehmer dagegen wichtige Werte wie Pünktlichkeit, Fleiß und Zuverlässigkeit vermittelt. Es lohne sich durchaus, sich anzustrengen, schließlich winke eine Ausbildung in seinem Restaurant. Ein weiteres Plus seiner Sendung: Er verschwende keinerlei Steuergelder, um sozial auffällige Jugendliche zu unterstützen.

Ist Rachs Restaurantschule also das beste Jugendhilfeprojekt, das Deutschland in den vergangenen Jahren vorzuweisen hat? Schaut man sich die Bilanz der letzten Staffel genauer an, stellt man fest, dass von den zwölf Teilnehmern nur noch eine einzige Frau in Rachs Hamburger Restaurant "Slowman" arbeitet, die im Übrigen mit 44 Jahren die älteste Jobsuchende der Sendung war. Ist also doch etwas schiefgelaufen bei der Resozialisierung der Nachwuchsköche? Hat die Sendung ihre hohen pädagogischen Ansprüche doch nicht erfüllen können?

"Warum fließen hier schon Tränen?"

Die erste Staffel sei trotz allem kein Misserfolg, sagt Rach, und für das Ausscheiden der übrigen elf Kandidaten gebe es viele Gründe. "Zwei der Damen sind schwanger geworden", erklärte der Starkoch. Ein anderer Kandidat habe in die Kasse gegriffen. Seine Entlassung war die Konsequenz. Über den weiteren Berufs- und Lebensweg der anderen acht Kandidaten ist weder von Rach noch von RTL etwas zu hören.

In der zweiten Staffel will der Promi-Koch trotzdem einiges anders machen. So soll seinen neuen Kandidaten ein Berufsschullehrer zur Seite gestellt werden, um sie so besser fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Neben dem schon fast garantierten Quotenerfolg - die erste Staffel sahen durchschnittlich mehr als fünf Millionen Zuschauer - könnte es damit vielleicht mehr als eine Kandidatin auf dem ersten Arbeitsmarkt schaffen. Dafür haben Rach und RTL in Berlin Mitte nun die ehemalige Sat1-Kantine umgebaut und das Restaurant namens "Roter Jäger" eröffnet. Seit Januar wird gedreht, heute Abend die erste Folge der Staffel gezeigt.

Auf der Website von RTL ist inzwischen der erste Trailer mit dem Titel "Warum fließen hier schon Tränen?" zu sehen. Darin ist viel von Castingshow á la RTL, aber wenig von "Schulfernsehen ohne Häme" zu sehen. Rach sagt zu einer Kandidatin: "Bist du sicher, dass du hier richtig bist? Ich bin es nicht".

Übrigens, gibt es schon seit Jahren ein ähnliches soziales Projekt in München: das Ausbildungsrestaurant Roecklplatz. Allerdings hat die Initiative immer wieder mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen. So schlimm, dass neulich sogar "Die Kochprofis" von RTL II anrücken mussten .