Zum Tod von Dirk Bach Dicki durfte das, Dicki konnte das

Er trug seine Korpulenz und sein Schwulsein vor sich her wie ein kleines Glaubensbekenntnis. Das Signal: Schaut her, ich bin's, der Dicki. In seinen großen Momenten beherrschte Dirk Bach die Kunst, auf dem schmalen Grat zwischen gutem Gag und gruseliger Geschmacklosigkeit ein Tänzchen zu wagen - und dabei seinen rundlichen Körper als Stilmittel einzusetzen.

Ein Nachruf von Hans Hoff

"Dicki" nannte ihn Sonja Zietlow, wenn sie mal wieder so tat, als wolle sie ihren Moderationspartner Dirk Bach im Dschungelcamp zurechtweisen. Dicki schaute dann mit großen treuen Augen in die Kamera und tat so, als könne er kein Wässerchen trüben. Dabei hatte er sich gerade eben eine richtige Frechheit geleistet, einen Kollegen geschmäht oder einen Gag auf Kosten der Lagerinsassen abgesondert. Dicki durfte das, Dicki konnte das.

In seinen großen Momenten beherrschte Dirk Bach die Kunst, auf dem schmalen Grat zwischen gutem Gag und gruseliger Geschmacklosigkeit ein Tänzchen zu wagen und dabei seinen rundlichen Körper als Stilmittel einzusetzen. Seine Korpulenz verheimlichte er ebenso wenig wie sein Schwulsein. Er trug beides vor sich her wie ein kleines Glaubensbekenntnis: Schaut her, ich bin's, der Dicki, lautete das Signal auch, wenn er als Jesus ein Nagelstudio betrieb oder sich als überkandidelter Neon-Nazi präsentierte.

Fragte man ihn, ob er das geschmackvoll finde, erinnerte Bach gerne an Mel Brooks, der mal gesagt hatte: Das einzige, was er an Deutschland nicht möge, sei der Umstand, dass die Deutschen es nicht schaffen, über Hitler und den Nationalsozialismus Witze zu machen. "Ich habe das auch immer sehr bedauert", sagte Bach. Daraus sei bei ihm der Wunsch gewachsen, auch mal solch' einen Witz zu machen. "Ich glaube, das muss einfach gehen", sagte er.

Im heimischen Rheinland machte er seine ersten Schritte auf Theaterbühnen und landete recht bald auch beim Fernsehen, wo man seinen meist komisch gefärbten Auftritten selten ansah, dass er auch in ernsten Rollen zu Hause war. Bach tummelte sich in der Kölner Fernsehkomödiantenszene und fand bald schon seine ideale Rolle. Gut war er immer, wenn er irgendwo den schrillen Farbklecks liefern konnte, wenn er von der Seite spötteln durfte oder wenn er die passende Partnerin zur Seite hatte. Lange war das die rheinische Betriebsnudel Hella von Sinnen, irgendwann landete Bach an der Seite von Sonja Zietlow - das perfekte Paar. Stand er selbst im Zentrum, liefen die Dinge nicht immer so gut. Zuletzt scheiterte 2008 sein Versuch, bei Vox eine Spielshow zu moderieren.

Danach verlegte seinen künstlerischen Schwerpunkt auf die Bühnen mit den leichten Stücken. Ab 4. Oktober sollte Bach in Berlin in "Der kleine König Dezember" auf der Bühne stehen. "Dirk Bach ist gleich zurück", stand am Montag noch auf seiner Internetseite. Hinter dem letzten Wort standen drei Punkte. Das klang noch nach Fortsetzung als längst die Meldung der Nachrichtenagentur dapd die Runde machte, in der Harald Lachnit, Sprecher des Schlosspark-Theaters Berlin, bestätigte, dass der 51-Jährige am Nachmittag tot in seiner Wohnung aufgefunden worden sei.

Im Januar soll das nächste Dschungelcamp bei RTL laufen. Es wird ohne Dicki auskommen müssen. Erst dann werden die Menschen wirklich merken, was sie an Dirk Bach hatten.