Von Peter Frey

Zum Abschied eine Rede: ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender geht - sein Nachfolger Peter Frey dankt ihm auf seine Weise.

Wenig hat das ZDF so sehr geschüttelt wie die Personalie Nikolaus Brender. Der gegenwärtig konservativ besetzte Verwaltungsrat des Senders verweigerte sich Intendant Markus Schächter, 60, der Brenders Vertrag als Chefredakteur bis 2015 verlängern wollte. Man muss allen Beteiligten vermutlich danken für ihr jeweiliges Verhalten, weil nun wieder über den Einfluss der Politik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk diskutiert wird. Am Dienstag dieser Woche wurde Brender, 61, in Mainz verabschiedet. Eine persönliche Rede auf ihn hielt sein Nachfolger, der 52-jährige Peter Frey.

Nikolaus Brender, Foto: dpa

Eher von vielen respektiert als von allen geliebt - Nikolaus Brender. (© Foto: dpa)

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Es ist nicht leicht, über einen Mann zu sprechen, über den in den vergangenen Monaten in der Presse schon so viel geschrieben und über den im Haus schon soviel gesagt worden ist. Nikolaus Brender - öffentlich geadelt, zur Ikone der Unabhängigkeit geworden, vielfach preisgekrönt im Blick auf seine journalistische Leistung, Haltung und Widerständigkeit, aber auch genutzt als Kronzeuge gegen das öffentlich-rechtliche System.

Der Sender ist in den letzten zwölf Monaten mit Brender durch eine Art Fegefeuer gegangen. Auch jetzt, da sich die Dinge geklärt haben, spüren wir noch, wie erschöpft, ja wund das ZDF ist.

Nach der Niederlage des Intendanten gegenüber dem Verwaltungsrat hat es Tränen gegeben in den Augen von gestandenen Redakteuren. Und nicht nur dort. Nur zwei Monate später kam es noch einmal zu heftigen Emotionen, nach dem Interview im Spiegel. Der noch amtierende Chefredakteur malte ein Bild des Senders, in dem viele Mitarbeiter sich und ihre Arbeit abgewertet fühlten. Manche, die schon vorher nicht mit ihm zurechtgekommen waren, machten nun aus ihrer Ablehnung keinen Hehl mehr.

Übers Ziel hinaus

Es war eine typische Brender-Situation: der Mann, an den man sich eben noch anlehnen wollte, entzog sich. Im Moment der größten Identifikation suchte er Abstand, ja er stieß sogar zurück. Er schoß übers Ziel hinaus, weil er sich nicht vereinnahmen lassen wollte.

Nikolaus Brender mochte und mag es nicht gemütlich, was man übrigens auch an seinem kargen Büro spürte. Statt Gemälden aus dem ZDF-Fundus, deren Entleihe ja auch intern verrechnet worden wäre, hing ein riesiger Jahresplan mit den wichtigsten Sendungen an seiner Wand. Es war kein Chef-Büro, mehr Werkstatt, wo die Späne fliegen.

Brender blieb als Chefredakteur, in seinen journalistischen Einschätzungen und auch im administrativen Handling, selbst für Vertraute, oft unberechenbar. "Jetzt fangt schon mal an" - das bedeute im Grunde: "In der nächsten Stunde braucht Ihr nicht mit mir zu rechnen". Er störte lieber Ruhe und Ordnung, als sich, und sei es als Opfer, gemein zu machen. Bis zuletzt war er der Mann, der lieber einmal zu viel provoziert als einmal zu viel den Mund zu halten.

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