"Zeit"-Verlag trotzt Krise der Zeitungsbranche "Sehr kommod"

Krise hin oder her: Dem "Zeit"-Verlag geht es trotz Branchenkrise prächtig: Seine Wochenzeitung "Die Zeit" steigert gegen den Trend die Auflage und die Online-Beteiligungen haben 2012 erstmals die Gewinnzone erreicht. Mit einem neuen Online-Chef soll das Internet-Portal "Zeit online" bei den deutschen Nachrichenangeboten im Netz vorne mitspielen.

Von Caspar Busse

Rainer Esser, 56, ist lange im Geschäft. Seit März 1999 ist der Jurist und gelernte Journalist Geschäftsführer beim Zeit-Verlag in Hamburg und hat seitdem Höhen und Tiefen durchgemacht. Für leichtfertigen Optimismus ist er nicht bekannt, aber er gibt sich, Krise hin oder her, zuversichtlich. "Wir erwarten, dass wir auch in diesem Jahr profitabel wachsen", sagt Esser der Süddeutschen Zeitung. Der Verlag mit derzeit 500 Mitarbeitern, dessen Herzstück die Wochenzeitung Die Zeit ist, soll also weiter Umsatz und Gewinn steigern.

Gute Nachrichten am traditionsreichen Verlagsstandort Speersort im Herzen von Hamburg - die gibt es schon seit ein paar Jahren. Die Auflage der Zeit steigt, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Printtiteln in Deutschland, die teilweise deutlich verlieren. Im vergangenen Quartal wurden durchschnittlich 514.000 Exemplare pro Woche verkauft, davon 343.000 Abonnenten, die Kioskverkäufe sanken um 12,9 Prozent, im Abo gewann man 3,4 Prozent. Offenbar profitiert Die Zeit auch von der Unzufriedenheit vieler mit ihren Regionalzeitungen.

Esser ist zufrieden: "2012 war ein neues Rekordjahr bei Umsatz und Gewinn. Die Umsatzrendite ist gut zweistellig und hat sich 2012 sogar leicht verbessert." Mit hanseatischer Kühle fügt er an: "Das ist sehr kommod."

Aber auch am Zeit-Verlag gehen die Schwierigkeiten in der Branche nicht spurlos vorbei. Der Umsatz legte 2012 zwar um etwa zwei Prozent auf 154 Millionen Euro zu. Ein Jahr zuvor lag das Plus aber noch bei stattlichen 13 Prozent. Das Stammgeschäft mit der gedruckten Ausgabe der Zeit stagniert bei 118 Millionen Euro. "Wir hatten noch nie so viele Studentenabonnements wie heute", berichtet Esser. Das sind zwar unterdurchschnittlich junge Leser, die zahlen aber oft auch nicht den vollen Abonnementspreis, sondern erhalten Rabatt. Zudem wirbt die Zeit derzeit mit günstigen Lockangeboten.

Wachstum kommt vor allem aus anderen Geschäften wie dem Online-Auftritt, Magazinen wie Zeit Campus oder Zeit Wissen und Beteiligungen wie E-Fellows, einem Karrierenetzwerk, das auch Stipendien vermittelt und an dem der Verlag seinen Anteil gerade auf 66 Prozent aufgestockt hat. Immerhin macht der Bereich inzwischen keine Verluste mehr. "Unsere Online-Beteiligungen haben konsolidiert 2012 erstmals die Gewinnzone erreicht", sagt Esser.

Stolz ist er insbesondere auf das Online-Portal. Der Verlag hat nun einen neuen Chefredakteur berufen: Jochen Wegner, 43, der zuvor lange für das Burda-Blatt Focus gearbeitet hatte und derzeit selbständig ist. Er wird Nachfolger von Wolfgang Blau, der zum britischen Guardian wechselt, und soll bei den Nachrichtenangeboten im Internet vorne mitspielen.

Der Zeit-Verlag gehört zu jeweils 50 Prozent den Brüdern Stefan, 49, und Dieter von Holtzbrinck, 71. Stefan von Holtzbrinck hat zuletzt Beteiligungen an Regionalzeitungen verkauft und zuvor in Internetbeteiligungen investiert. Dieter von Holtzbrinck gilt als großer Anhänger des Printgeschäfts, ihm gehören auch Handelsblatt und Wirtschaftswoche. Es wird immer wieder spekuliert, dass der Ältere von seinem jüngeren Bruder möglicherweise Die Zeit ganz übernehmen könnte. Dazu sagt Esser nur: "Es gibt keine Anzeichen, dass sich an unserer Gesellschafterstruktur etwas ändern könnte."