Der Markt für Kinderzeitschriften boomt - viele Verlage entdecken die Leselust der jungen Zielgruppe als profitträchtige Größe. Nun startet auch die "Zeit" ihr eigenes Heft für Kinder. Chefredakteur Giovanni di Lorenzo schreibt sogar eine eigene Kolumne für die Kleinen - und die? Fahren mit dem Fahrrad drüber.
Wer im Moment den Zeitgeist der Zielgruppe von 9- bis 13-Jährigen auf einem Berliner Schulhof studiert, muss den Machern des neuen Kindermagazins Zeit Leo Recht geben: Facebook, Klimaschutz und Harry Potter ziehen immer. Aber - und das lassen die Magazinmacher weg - auch Themen wie Pokémon-Karten, Germanys Next Topmodel und Atzenrap liegen hoch im Kurs.
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Das sind Meret und Paul - sie sind übrigens beste Kumpels. (© Zeit)
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Am Dienstag wurde das neue Kindermagazin der Zeit gelauncht. Leo - denn das Maskottchen ist einer der Löwen aus dem altehrwürdigen Zeit-Logo - erscheint nun alle zwei Monate und richtet sich an Kinder im Grundschulalter, "Jungen und Mädchen ab acht Jahren" - eine Zielgruppe, die für Zeitschriftenverlage immer interessanter wird. Seit 2009 sind reihenweise Nachwuchstitel großer Verlage erschienen: Dein Spiegel, Geolino oder Mare Ahoi sind die bekanntesten Titel.
Warum also zieht nun auch noch die Zeit mit einem vielbeworbenen eigenen Heft nach? "Wer heute junge Leser erreichen will, muss mit guten Angeboten früh anfangen", erklärt Chefredakteur Giovanni di Lorenzo das Interesse seines Verlags. Er selbst schreibt auch gleich eine eigene Kolumne im Heft ("Frag Giovanni!"). Die Hoffnung, neben finanziellem Profit auch eine langfristige Leser-Blatt-Bindung zu erreichen, zeigt sich in der ambitionierten Aufmachung der ersten Ausgabe.
Das Heft ist übersichtlich gegliedert und in einer kindernahen Sprache gehalten. Es geht um Freundschaft ("die wichtigste Sache der Welt"), um Mädchen in Afghanisten ("dann kamen Soldaten, um die Taliban zu vertreiben") oder Energiequellen der Zukunft ("Spezialpulver Deluxe"), gemischt mit Features wie einem Kinder-Museumstest ("Spielen und Toben: 2 von 5 Sternen"). Aktive Beteiligung der Zielgruppe am Heft war den Konzept-Verantwortlichen, übrigens ausnahmslos Frauen, wichtig, wie sie gleich auf der ersten Seite betonen.
Die Texte der Debütausgabe werden optisch aufgelockert durch eine Deutschlandkarte mit allen Namen für Brötchen, einem Zeitstrahl für die eigene Staatsgründung oder mimischen Buchrezensionen von Kindern.
Aber - und der Verdacht liegt nahe bei einem Kinderheft der Zeit, die für ihren Bildungsanspruch bekannt ist - die Themenmischung folgt den bürgerlichen Idealen frühkindlicher Kultivierung: Bücher, Museen, Straßenkunst, Tiere oder Internet kommen vor; Fernsehen, Videospiele, Popmusik oder Sammelkarten jedoch nicht. Sollen hier künftige Zeit-Leser herangezüchtet werden? Die manchmal "frechen" Formulierungen ("Erzieh deine Eltern!") wirken bei dieser hochseriösen Themenwahl dann doch ziemlich aufgesetzt.
Der Markt für Kinderzeitschriften ist hart umkämpft. Neben Zeit-Leo existieren rund 60 weitere Kinderzeitschriften, mit einer verkauften Auflage von etwa drei Millionen Exemplaren, laut der Erfassung der Werbewirtschaft durch die IVW. In einem Geschäftsausblick des Ehapa-Verlags hieß es 2010, der Markt bleibe auch 2011 für neue Wettbewerber attraktiv und die Fragmentierung werde sich weiter fortsetzen.
Insofern findet sich die schönste Idee des neuen Kindermagazins auf der letzten Seite von "Leo". Da werden die Kinder aufgefordert, mit ihrem Fahrrad zuerst durch eine matschige Pfütze und danach über ihr neues Heft zu fahren - die besten dieser Gib-Gummi-Kunstwerke werden dann in der nächsten Ausgabe abgedruckt.
(sueddeutsche.de/dpa/cag/pak)
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Ich habe mir das Heft gekauft, weil ich neugierig war und ein großer Fan des Spiegels für Kinder bin. Nichts gegen ernste Themen - aber für Achtjährige ist dieses Heft nichts. Es ist für eine Kinderzeitschrift zu kühl, zu äufgeräumt und bietet zu wenig Spaß. Das bekommt der Spiegel deutlich besser hin. Außerdem sind 90 Seiten einfach zu viel. Das Heft sollte lieber jeden Monat statt alle zwei heraus kommen, dafür dann aber deutlich dünner sein.
Die Kritik bringt es ganz gut auf den Punkt: http://meedia.de/details/article/heftkritik--warum-zeit-leo-nachhilfe-braucht--_100036851.html
"Es geht um Freundschaft ("die wichtigste Sache der Welt"), um Mädchen in Afghanisten ("dann kamen Soldaten, um die Taliban zu vertreiben") oder Energiequellen der Zukunft ("Spezialpulver Deluxe"),..."
Stimmt, vor solchen Themen muss man Kinder schützen. Besser wären "Fernsehen, Videospiele, Popmusik oder Sammelkarten"...
Da jammern immer alle, dass wir verdummen und dann nimmt eine Zeitung mal ihren Bildungsauftrag ernst und schon wieder werden die "Teletubbies"-Plattitüden ausgepackt.
Kann sein, dass das Heft an den Interessen der Kinder vorbeigeht. Dann wird es schnell wieder vom Markt verschwinden. Trotzdem finde ich es gut, Kindern auch mal Anspruchsvolleres anzubieten. Wer weiß, vielleicht sind Kinder ja wissbegieriger als manche glauben...
produziert man Teletubbies und Pisa-Tubbies.
Man muss Kinder vor diesen Ergüssen von "Journalismus" schützen.