ZDF-Miniserie "Hard Sun" Fünf Jahre bis zur Apokalypse

Mehr Rivalen als Kollegen sind Elaine Renko (Agyness Deyn) und Charlie Hicks (Jim Sturgess) - bis die nahende Apokalypse sie zur Zusammenarbeit zwingt.

(Foto: Robert Viglasky/ZDF)
  • Der Drehbuchautor Neil Cross mischt in der ZDF-Serie "Hard Sun" Krimi mit Science-Fiction.
  • Inspiriert von David Bowies Song "Five Years" soll die Welt in fünf Jahren untergehen - zwei MI5-Agenten versuchen, die Apokalypse zu verhindern
  • Am stärksten ist die meist rasante und effektgetriebene Serie, wenn sie Raum für die Familiendramen und zum Durchschnaufen lässt.
Von Kathrin Hollmer

In den ersten vier Minuten flieht die Londoner Polizistin Elaine Renko mit einer Stichwunde aus einem brennenden Haus, nachdem ihr Sohn sie halb totgeprügelt hat. Ihr Kollege Charlie Hicks raubt vor der Razzia bei einem Verbrechersyndikat dessen Buchhalter aus und mixt, wieder zu Hause, seiner schwangeren Frau einen Smoothie.

Es ist ein beachtliches Tempo, das die Miniserie Hard Sun vorlegt, eine Koproduktion von BBC One, Hulu und ZDF, die in Deutschland in drei Teilen und auch im englischen Originalton ausgestrahlt wird. Elaine Renko (stark: Agyness Deyn) soll als neue Partnerin von Charlie Hicks (Jim Sturgess) Beweise dafür finden, dass er seinen früheren Partner getötet hat - dann darf ihr Sohn, Produkt einer Vergewaltigung, in der Psychiatrie bleiben und muss nicht ins Gefängnis. So viel Ballast ist selbst für Fernsehkommissare beeindruckend. Bei ihrem ersten gemeinsamen Einsatz finden sie einen USB-Stick mit geheimen Informationen über den nahen Weltuntergang, der irgendwie mit der Sonne zu tun hat.

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Der Drehbuchautor Neil Cross hat für die britische Serie Doctor Who geschrieben, die ebenfalls Krimi mit Science-Fiction mischt, und entwickelte die viel gelobte Serie Luther mit Idris Elba in der Titelrolle als genialer, moralisch flexibler Polizist. Die Regisseure Brian Kirk (Game of Thrones), Nick Rowland (Ripper Street) und Richard Senior (Doctor Who) haben je eine der drei Doppelfolgen inszeniert. Die Erwartungen sind also hoch. Als Rahmen für eine Science Fiction- und Apokalypse-Geschichte funktioniert der Krimi allerdings nicht ganz. Die Auswirkungen des Wissens um den drohenden Weltuntergang werden kaum ausgeleuchtet. Nur der Journalist Will Benedetti, der die Hard-Sun-Dateien veröffentlicht, kämpft wirklich mit dem Wissen um die Wahrheit und ihre kleinen und großen Folgen. "Niemand wird je wieder Ihren Lieblingssong singen, nie wieder!", sagt er zu Renko.

Stattdessen stehen Verfolgungsjagden zwischen MI5-Agenten, die die Informationen über Hard Sun um jeden Preis geheimhalten wollen, und Mordermittlungen im Vordergrund: Ein Serienkiller tötet hilfsbereite Passanten; Verschwörungstheoretiker, die zur Abwechslung recht haben, laufen Amok - nur wozu man für Gerechtigkeit kämpft, wenn die Welt bald untergeht, wird nicht groß thematisiert.

Hard Sun ist atemlos, effektgetrieben und stellenweise wie für Begriffsstutzige erzählt - bei Tageslicht vergeht kaum eine Szene, in der die Sonne nicht bedrohlich auf London herabbrennt. Die Kampfszenen, besonders die zwischen Renko und Hicks (sodass man nicht rätseln muss, ob die Hauptfiguren ein Paar werden), sind Graphic Novel-artig überinszeniert mit Dialogen wie aus Sprechblasen: "Sie sind die Renko, die abgestochen wurde?"

Auf die Idee zu Hard Sun brachte Cross David Bowies Song "Five Years" von 1972, in dem die Welt auch in fünf Jahren untergehen soll. Wenn das Lied am Ende der ersten Doppelfolge erklingt, ist die Serie am stärksten: wenn sie Raum für die Familiendramen, durchschnaufen lässt. Eine zweite Staffel soll folgen.

Hard Sun, ZDF, 22.15 Uhr.

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