ZDF-Krimi "Die Kronzeugin" Das zweite Gesicht

Im ZDF-Krimi "Die Kronzeugin" spielt Melika Foroutan die Polizistin Ines Meder, die eine ehemalige Luxusprostituierte beschützen muss.

(Foto: Hannes Hubach)

Die Rolle der Effi Briest oder Gretchen hat ihr noch niemand angeboten - trotzdem fühlt sich die aus Iran stammende Schauspielerin Melika Foroutan nicht auf die Rolle der Frau mit Migrationshintergrund festgelegt. Im ZDF-Krimi "Die Kronzeugin" übernimmt sie den Part der Kommissarin Ines Meder.

Von Judith Liere

Dass eine Schauspielerin, die Melika Foroutan heißt und in Teheran geboren wurde, Rollenangebote für Figuren bekommt, die Namen wie Sylvia Henke oder Ines Meder tragen, ist im deutschen Film eher eine Ausnahme. "Sobald man nicht deutsch aussieht, wird man oft auf ein totales Klischee reduziert", sagt Foroutan. Sie hat das Glück, nicht auf die Frau mit Migrationshintergrund festgelegt zu werden. "Mir passiert das nicht so oft, ich sehe vielleicht wegen meiner deutschen Mutter auch nicht so fremdländisch aus. Aber es kommt halt auch niemand und sagt: So, du spielst jetzt Effi Briest. Ich hab schon in der Schauspielschule nicht das Gretchen gespielt. Diese urdeutschen Geschichten werden nicht mit mir besetzt."

Seit sie sieben Jahre alt ist, lebt die 1976 geborene Schauspielerin in Deutschland. Ihr Vater studierte Filmregie in Frankreich, dort lernte er ihre Mutter kennen, die dort gerade als Au-Pair arbeitete. Das Paar zog nach Teheran, doch nach der iranischen Revolution floh die Familie aus dem Land, nach Boppard am Rhein - den Heimatort der Mutter. Von dort aus ging Melika Foroutan nach dem Abitur zunächst nach Köln, wo sie Philosophie, Geschichte und Englisch studierte und viel kellnerte, bis sie sich endlich traute, sich an Schauspielschulen zu bewerben. An der Universität der Künste in Berlin wurde sie angenommen, danach war sie zweieinhalb Jahre in Leipzig am Theater. Dann zog sie wieder in die Hauptstadt, lebt heute mit Mann und zwei Kindern in Prenzlauer Berg.

Dort sitzt sie in einem Café am Zionskirchplatz und erzählt von ihrem Leben als Schauspielerin - mit gedämpfter Stimme, weil die zwei anderen Gäste, die an den Nebentischen jeweils allein vor ihren Kaffeetassen sitzen, schon lange Ohren bekommen haben. Foroutan ist das etwas unangenehm, sie gehört nicht zu der Sorte Schauspielern, die auch ohne Kamera immer dankbar für Publikum sind.

"Ich kann nicht nur auf Arthouse-Filme warten"

"Ich habe mir angewöhnt, immer weniger über Rollenangebote, die mir nicht gefallen, zu jammern", sagt sie. "Es gibt so viele Leute um mich rum, die total dankbar wären, wenn sie überhaupt Arbeit hätten. Ich finde das doof, immer mehr zu fordern." Berührungsängste mit Sonntagabend-Filmen hat sie auch nicht. "Wenn die Kollegen und der Regisseur gut sind, kann man etwas machen, das Spaß macht - und am Ende wird das ein schöner Unterhaltungsfilm. Ich kann nicht nur auf Arthouse-Filme warten, auch wenn ich die gerne mehr machen würde."

Über mangelnde Rollenvielfalt kann sich Melika Foroutan nicht beklagen. Auch wenn eine Zeitlang die toughe, schwierige, harte Frau ihr Spezialgebiet zu sein schien: wenig lachen und streng gucken. Ein Charakter wie Sylvia Henke in der ZDF-Serie KDD - Kriminaldauerdienst etwa, den sie von 2007 bis 2010 spielte. Die Serie wurde von der Kritik hoch gelobt, wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Grimme-Preis ausgezeichnet, aber nach drei Staffeln wegen geringer Zuschauerzahlen abgesetzt. "Es haben wohl mehr Leute über die Serie im Feuilleton gelesen, als sie angeschaut", sagt Foroutan.

Nun spielt sie wieder eine Kommissarin, auch so einen ehrgeizigen, verschlossenen Charakter. Die Kronzeugin - Mord in den Bergen, erzählt die Geschichte der jungen Polizistin Ines Meder, die eine ehemalige Luxusprostituierte in ihr neues Leben im Zeugenschutzprogramm begleiten soll. Die Handlung wird durch Ines' Stimme aus dem Off kommentiert. So erfährt man direkt zu Beginn, als sich Polizistin und Kronzeugin zum ersten Mal die Hand schütteln: "Wenige Tage später war ich tot." Es beginnt ein Verwirrspiel, in dem der Zuschauer lange nicht weiß, wer gut und wer böse ist. Benutzt die Kronzeugin, phantastisch diabolisch gespielt von Iris Berben, die Polizisten nur als Fluchthelfer oder kann man ihr trauen? Wie konnte sie in dem abgelegenen Bergdorf, in dem sie ein neues Leben anfangen soll, so schnell von ihren ehemaligen Komplizen aufgespürt werden?

Der Film hat ein etwas überkonstruiertes, sehr versöhnliches Ende, überzeugt aber durch seine Schauspieler. Melika Foroutan und ihrem Kollegen Florian Panzner gelingt es, gegen die großartige Berben anzuspielen. "Florian und ich sind ja relativ unbekannt - und wenn man ein Gesicht noch nicht so zusammenbringt mit ganz vielen anderen Rollen, dann kann das auch ein Vorteil sein", erklärt Foroutan. Für diesen ZDF-Krimi ist Melika Foroutan so oder so ein Vorteil.

Die Kronzeugin, ZDF, 20.15 Uhr.