ZDF-Film Wie das ZDF sich eine Kriegsreporterin vorstellt

Kriegsberichterstatterin Anne (Katja Flint) versucht sich an einem neuen Hobby und scheitert als Malerin.

(Foto: ZDF)

Katja Flint spielt sich als Abziehbildjournalistin durch die Romanze "Anna und der König von Dresden" - und erklärt beim Striptease ihre Narben.

TV-Kritik von Karoline Meta Beisel

Kriegsreporterin Anne hat Wunden ("Nur ein Streifschuss") und einen Hang zu harten Alkoholika. Sie lebt aus dem Koffer, manchmal träumt sie, dass sie nicht mehr weiß, auf welchem Kontinent sie gerade ist; und wenn in ihrer Nähe etwas explodiert, zuckt sie noch nicht einmal zusammen - selbst dann nicht, wenn es die eigene Reisetasche ist.

Deutsche Fernsehfilme sind nicht besonders einfallsreich, wenn es darum geht, Journalisten bei der Arbeit zu zeigen. Investigativreporter tragen immer Umhängetaschen, Boulevardjournalisten treten grundsätzlich mit Kameras und als Meute auf und Blogger sind im Prinzip Hacker, nur hipper angezogen. Besonders eindrucksvoll zeigte das zuletzt der ARD-Film Die vierte Gewalt, in dem Benno Fürmann unter Einsatz seiner Umhängetasche einer gemauschelten Organtransplantation hinterherrecherchierte.

Auch Reporterherzen können brechen

Bislang tauchten solche Abziehbildjournalisten jedoch vor allem in Thrillern, Krimis und Politdramen auf. Nun hat das ZDF auch in seinem wöchentlich seichten Sonntagsfilm eine Verwendung gefunden. In Anne und der König von Dresden begibt sich die preisgekrönte Kriegsreporterin Anne Greinauer (Katja Flint) - natürlich mit Lederstiefeln - auf das gefährlichste Terrain von allen: das der Liebe.

Bei der Rückkehr aus Syrien wird sie wegen zunehmender Falten noch am Flughafen fristlos entlassen. Als Anne empört abdampft, dann aber ohne Mitfahrgelegenheit dasteht, wird sie von Gregor König (Richy Müller) angesprochen. Dass König der Oberbürgermeister von Dresden ist, weiß Anne natürlich nicht: wäre ja schade um die Volte im Drehbuch.

Es entwickelt sich dann jedenfalls eine schnarchlangweilige Romanze, die bedroht ist, weil Annes Tochter Gregor nicht mag. Aber: "Ich bin Journalistin, ich bild' mir meine eigene Meinung", sagt Anne. Erst sieht es also gut aus für die beiden, beim Striptease erklärt sie ihre Narben: "Ruanda, Mai '94, Querschläger. Priština, März '99, Trümmerteile nach einem Luftangriff." Dann droht die Sache zu kippen, weil Gregor sich keine Beziehung zu einer Kriegsreporterin vorstellen kann, die nie daheim und immer in Gefahr ist. Es wird viel geweint: Auch Reporterherzen können brechen, wer hätte das gedacht?

Im Nachhinein entpuppt sich die Kündigung aber doch als Fingerzeig, Achtung, Spoiler: Anne hängt den Job an den Nagel und zieht bei Gregor ein. "Ich brauche aber eigene Bücherregale", sagt sie. In Zeiten von Terror und Gewalt haben wir romantische, komödiantische Filme nötig, schreibt Regisseurin Karola Meeder ganz ernsthaft in der Pressemappe zum Film. Klingt wie eine Entschuldigung für diesen Blödsinn. Entschuldigung abgelehnt.

Anne und der König von Dresden, ZDF, Sonntag, 20.15 Uhr.

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