ZDF-Film "Operation Naked" In Nebenrollen: Claus Kleber, Jan Böhmermann und Dunja Hayali

Auch Markus Lanz ist an der Erfindung von Michelle Spark (Sarah Rebecca Gerstner) interessiert.

(Foto: ZDF und Patrick Jasim)

"Operation Naked" besteht ausschließlich aus extra dafür gedrehten Ausschnitten anderer TV-Formate. Mutig, dass das ZDF so viel Nabelschau zulässt.

TV-Kritik von Karoline Meta Beisel

Als die ARD vor ein paar Wochen ihre Tagesschau hergab, um Til Schweigers Tatort eine Bühne zu bereiten, da hielten das, vorsichtig gesagt, nicht alle für eine gute Idee. Der Netzjournalist und Fernsehmacher Mario Sixtus dürfte die Diskussion, die sich nach der Ausstrahlung entspann, aufmerksam verfolgt haben: Auch sein Film Operation Naked beginnt in einer Nachrichtensendung, dem heute journal des ZDF.

Claus Kleber steht da im Studio und erzählt von "Menschen im Internet, die silberne Masken tragen und Datenbrillen zerstören", was ziemlich genau die Ausgangssituation von Operation Naked zusammenfasst. Ein Berliner Start-up hat eine Brille erfunden, die ihrem Träger allerlei Daten über das Gesehene direkt vors Auge liefert - den Preis eines Pullovers, den Namen eines Passanten. Eine Gruppe maskierter Hacker protestiert gegen die Brille. "Das klingt nach einem schlechten Science-Fiction-Film", sagt Kleber weiter - womit Sixtus' Projekt wiederum nur unzureichend beschrieben ist.

Denn ja, Operation Naked ist ein Science-Fiction-Film. Aber zum einen kein ganz schlechter. Zum anderen tritt die Geschichte vollkommen zurück hinter die Form, in der sie erzählt wird: Operation Naked besteht ausschließlich aus extra für den Film gedrehten Szenen aus verschiedenen ZDF-Formaten.

In Nebenrollen: Claus Kleber, Jan Böhmermann und Dunja Hayali

Die Erfinderin der Brille, Michelle Spark (Sarah-Rebecca Gerstner) sitzt bei Markus Lanz, Dunja Hayali berichtet im morgenmagazin: "Wir werden uns jetzt live in die Brille von Michelle Spark einschalten, um zu sehen, was sie erlebt." Was sie sieht: einen Lehrer, der im Schwulenklub verschwindet. Er verliert seinen Job deswegen. Bei hallo deutschland verteidigt der stellvertretende Chefredakteur Elmar Theveßen seine Kollegen, bei aspekte wird debattiert, ob an der Kündigung die Datenbrille oder doch die Spießer-Gesellschaft schuld ist.

Mal am Rande: Warum werden beim ZDF eigentlich so viele Sendungstitel klein geschrieben?

So geht das in einem fort, zwischendurch platziert Sixtus liebevolle Seitenhiebe auf die Kollegen: Ein Politiker muss in einem Wiso-Beitrag für das sogenannte "Antextbild" so lange fernschauen, wie der Off-Text dauert, dann dreht er sich um und spricht in die Kamera: Ein eingespieltes Video der Silberköpfe ist mit dem hübschen Hinweis "Quelle: Internet" versehen.

Operation Naked ist ein spannendes Experiment, dass die gängigen Mechanismen des Medienbetriebs - und damit auch die des ZDF - hinterfragt. Der schwule Lehrer wird zum Youtube-Star und im Neo Magazin Royale auf ZDF Neo von Jan Böhmermann dafür verspottet, was letztlich genauso vorhersehbar ist wie der Zuschnitt der Beiträge aus dem Hauptprogramm. Mutig, dass das ZDF soviel Nabelschau zugelassen hat.

Operation Naked, ZDF, 23.55 Uhr.

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