Zahlmodelle im Netz Readly folgt dem Spotify-Modell

Der schwedische Service Readly geht einen ganz anderen Weg als Blendle. Wenn sich die Niederländer mit ihrem Zahlmodell pro Text als "iTunes für Journalismus" verstehen, so folgt Readly dem Modell Spotify. Für ein Abonnement von 9,99 schwedischen Kronen, in Großbritannien 9,99 Pfund und 9,99 Dollar in den USA, bekommt der Readly-Nutzer einen Flatrate-Zugang zu derzeit mehr als 500 Zeitschriftentiteln. Die kann er dann als E-Paper im PDF-Format auf Tablets, Smartphones oder Computer herunterladen. Sieben bis acht Magazine soll der Readly-Nutzer angeblich im Monat lesen, mehr als er es sonst offline täte. Gründer Henrik Barck hält die Investitionen der Verlagshäuser in eigene Apps und Bezahlsysteme vor allem für verschwendetes Geld: "Das ist, als ob jeder Verlag für jeden Titel einen eigenen Laden Unter den Linden aufmacht und Sie da jedes Mal um Ihre Kreditkarte bittet."

Nutzerzahlen gibt Readly nicht heraus, man selbst sei aber mit dem Wachstum sehr zufrieden, und Schwedens Verlagen gehe das ähnlich, erklärt Vorstandschef Per Hellberg, vor allem auch wegen der fast doppelt so hohen Verweildauer der Nutzer wie bei den Printausgaben. Gerade damit lockt Readly die Medienhäuser: Setzt das werbefreie Blendle allein auf den neuen Einnahmekanal der Artikelverkäufe, kann Readly dem kriselnden Anzeigengeschäft neue Aufmerksamkeit versprechen - neben der prozentualen Beteiligung an den Abo-Gebühren. Für die Verlage spannende, aggregierte Zahlen zum Nutzungsverhalten erheben beide Dienste.

Im letzten Quartal nach Deutschland

Aus Sicht der Blendle-Macher ist es zeitgemäßer, das Bündel der Zeitung aufschnüren und individuelle Artikel teilen zu können. Das Readly-Modell mit den fixen PDFs halten sie für zu starr. Nette Jungs seien die Holländer, meint hingegen Readly-Gründer Henrik Barck, "aber da sind wir verschiedener Ansicht." Journalismus, Magazinjournalismus zumal, liefere Unterhaltung, mit der man sich doch entspannt zurücklehnen wolle: "Ich glaube nicht, dass Otto Normalverbraucher seine Zeitschriften selbst zusammenstellen will."

Ob das auch hierzulande gilt, will Readly noch in diesem Jahr herausfinden. Für einen Deutschlandstart soll es einen Termin im letzten Quartal geben. Deutsche Verlagspartner seien an Bord. Welche, will man noch nicht verraten, Schwergewichte seien dabei. Denn, betont Vorstandschef Per Hellberg, "wir gehen nicht an den Start, wenn wir nicht eine gewisse Reichweite haben." Erstmal werden die deutschen Kunden für die wohl wieder magische Zahl von diesmal 9,99 Euro nur Zeitschriften bekommen, langfristig schielt Readly aber auch auf den Zeitungsmarkt.

Den haben auch die Blendle-Macher im Blick. Um profitabel zu werden, müssen sie zwangsläufig in andere Märkte expandieren, erklärt Marten Blankesteijn. Deutschland liege da besonders nahe. "Aber nur, wenn uns die Verleger dort wollen." Freundliche Gespräche mit Verlagen hat es schon gegeben, aber noch ist keine Kooperation greifbar. Vielleicht müsse man für einen Deutschland-Start aber auch gar nicht alle Verlage an Bord haben, meint Blankesteijn: "iTunes hatte am Anfang schließlich auch die Beatles nicht."