Klar, es gibt Sorgen und die sind manches Mal mehr als berechtigt. Es fördert journalistisches Engagement nicht gerade, wenn ein großer Tageszeitungsverlag, wie DuMont Schauberg wegbrechende Anzeigenerlöse durch Zusammenlegung von Ressorts zwischen Köln (Stadt-Anzeiger), Berlin (Berliner Zeitung) und Frankfurt (Frankfurter Rundschau) zu kompensieren sucht.

Manfred Bissinger

Manfred Bissinger: "Schneisen durch den Informationsdschungel" (© Foto: dpa)

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Aber mit dem gebetsmühlenartigen Ruf nach Erhalt der Autonomie werden die Kassen auch nicht voller - und die Verleger nicht williger. Ganz abgesehen davon, dass es für einen an Aufklärung und Öffentlichkeit interessierten (wofür arbeiten wir?) Reporter nur gut sein kann, wenn seine Geschichte parallel in drei Ballungsgebieten gedruckt wird und Wirkung entfalten kann.

Manipulationsskandale im Kopf

Warum also, frage ich mich, reagieren die betroffenen Kolleginnen und Kollegen nicht offensiver auf die vertrackte Situation: Wenn die Verlagsmanager Personalkosten einzusparen gedenken, dann könnten sie doch einen Teil der frei werdenden Gelder in die Qualität des Auftritts investieren. Oder anders gefordert, mindestens die Hälfte der gesparten Euros sollten für investigative Geschichten bereitgestellt werden. Das nützte Ansehen und Erfolg aller drei Blätter, denn sie würden besser und unverzichtbarer; das hilft dem Verlag sogar bei der gebührenpflichtigen Vermarktung im Internet.

Ein ausgereifter Artikel voll Individualität, Kreativität und somit Qualität ist für das Überleben des Journalismus und seiner Abspielbasen wichtiger, als dreimal mittelmäßiger Standard. Er schafft zudem Glaubwürdigkeit, Professionalität, Exklusivität und Unabhängigkeit. Das sind schließlich entscheidende Vorteile des Journalismus. Selbst im Internet, das mit jedem Tag stärker von PR und Unternehmensprosa durchwirkt und beherrscht wird. Wir haben die Manipulationsskandale im Kopf. Stichwort Wikipedia. Die Suchmaschinen unterscheiden nicht nach Qualität und Faktentreue - da hat das manipulierte Falsche ebenso seine Chance, wie das recherchierte Wahre.

Informationsflut bändigen

Es ist wenig überraschend, wenn im Netz vor allem die Blogs erfolgreich sind, die von großen journalistischen Marken entwickelt und verbreitet werden. Denkbar sind sie meist sowieso nur, weil viele der journalistischen Texte noch für Print, TV oder Radio erarbeitet und durch sie finanziert werden. Das Internet dient gerade mal als zusätzlicher Vertriebskanal, der allerdings über die Jahre die Chance hat, die verloren geglaubten Werbegelder wieder in die Verlage zurückzuholen. Warum sollte es sich nicht eines Tages umkehren und erfolgreiche Internetauftritte Printmedien subventionieren?

Wozu also Journalismus? Die Antwort kennt jeder. Weil ohne Aufklärung, und für die sorgen zuallererst die Journalisten, das demokratische Miteinander und übrigens auch die soziale Marktwirtschaft gefährdet sein würden. Ein großer Satz, ich weiß es wohl, aber er kann nicht oft genug gesagt und geschrieben werden. Die Bürgerinnen und Bürger sind in der komplexer werdenden Welt darauf angewiesen, dass es gut ausgebildete Redakteure und Schreiber gibt, die ihnen eine Schneise durch den Informationsdschungel schlagen. Es gehört zum Berufsfeld des Journalisten, die Flut der Informationen zu bändigen und sie fürs Publikum sachgerecht zu sortieren und aufzuarbeiten.

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  1. Journalisten müssen Täter sein
  2. Sie lesen jetzt Qualität schafft Glaubwürdigkeit
  3. Für und wider Brandts Ostpolitik
  4. Kunst der Zuspitzung
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