Und dennoch: In jeder deutschen Redaktion wird täglich das Verb "vorprogrammieren" redigiert, wenn, ja wenn redigiert wird.

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"Der ideale Satz strebt vorwärts wie ein Pfeil", noch so ein Schneider-Satz. Der Consultant für kraftvolles Deutsch sieht überall Krampf und Blähung. Internet und Zeitung, Amateurschreiber und Profis würden enger zusammenrücken, analysiert Schneider, der sich in anderen Buchwerken mit Großphänomenen wie Glück, Soldaten, Metropolen, der Erde oder dem Menschen allgemein beschäftigt hat.

"Unsere Erde treibt durchs All in unvorstellbarer Einsamkeit", formuliert Schneider in Der Mensch - eine Karriere, das kürzlich in einer Taschenbuchausgabe erschienen ist, aber wenigstens ist es auf diesem Planeten dank seiner Deutsch-kann-schön-sein-Mission nicht ganz so langweilig.

"Ja, wir sind ein Schiff voller Narren", ruft er den Mitreisenden im All zu. Die Botschaft: Da ist nicht mehr viel zu retten, aber lasst uns wenigstens schön darüber schreiben und reden.

Der in Erfurt geborene Wolf Schneider ist, auch wenn man's nicht päpstlicher als der Papst nehmen sollte, eine Art Institution des deutschen Journalismus geworden. Ein Durchbeißer der ersten Nachkriegsjahre, der als Dolmetscher für die Amerikaner gearbeitet hat und sich einmal so erinnerte: "Ich war ein Arbeitsloser mit Abitur, für den an ein Studium nicht zu denken war."

Im Wirtschaftswunderland wurde er Allwissender. Ein Universal-Gelehrter, für den das Wörtchen "irgendwie" in Texten ein Grauen ist. Mit Filzstiften in drei Farben pflegt er auf Manuskripten seine Anmerkungen zu machen, und gelegentlich schreibt er ein "Bäh" auf oder malt gleich einen Galgen neben missglückte Metaphorik.

Die Eleven der Hamburger Journalistenschule (Henri-Nannen-Schule), denen er für Gruner + Jahr den journalistischen Schliff in 16 Jahren beibrachte, wissen viele Geschichten von den Marotten des Meisters zu erzählen. "Qualität kommt von Qual", dieser Spruch ist Teil ihrer DNS geworden.

Gesegnet mit einem gewissen polemischen Talent repräsentiert Schneider in der Öffentlichkeit den grauhaarigen Wertkonservativen alter Schule, der im Talkfernsehen die Lernfähigkeit der Jugend kritisiert und die Schuld der allgegenwärtigen "Spaßpädagogik" gibt. Er ist unbeugsam, bis ins Dogma hinein.

An diesem Freitag wird Wolf Schneider, der Konservator, 85 Jahre alt.

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  1. Ein Leben für den starken Satz
  2. Sie lesen jetzt Allwissender im Wirtschaftswunderland
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(sueddeutsche.de/cat)