Wiener Opernball Aufmarsch der Quoten-Pinguine

Einschaltrekorde in Schwarzweiß: Der Ball aus der Wiener Staatsoper wird alljährlich von drei Fernsehkanälen übertragen. Trotz einer Dauer von mehr als vier Stunden beschert das Event mit Richard "Mörtel" Lugner und seinen Tischdamen den Sendern Traumquoten. Das schaffen sonst nur royale Hochzeiten.

Von Hans Hoff

Man muss, das zu allererst, der Kleiderordnung genügen. Die Damen tragen ein "großes, langes Abendkleid", die Herren: "Frack", so verfügt es der Ausrichter des Wiener Opernballs. Den Bildern, die an diesem Donnerstag wieder aus der Wiener Staatsoper über drei Fernsehkanäle in deutsche, österreichische und schweizerische Wohnzimmer übertragen werden, verleiht das ein wenig die Optik von polaren Königspinguin-Kolonien.

Debütanten und Debütantinnen beim alljährlichen Wiener Opernball.

(Foto: AFP)

Es ist Fasching in Österreich. Man sollte das wissen, denn es hilft ein bisschen, den Wiener Opernball zu verstehen und die Tatsache der an die vier Stunden dauernde Übertragung auf ORF 2, 3sat und dem Bayerischen Fernsehen. Auch der Opernball ist für manche Leute - so wie Karneval aus Köln und Mainz - ein volkstümliches Ritual der sehr eigenen Art, ausgeführt von eigentümlich gewandeten Eingeborenen.

Parallelübertragungen von gesellschaftlichen Großereignissen leisten sich die öffentlich-rechtlichen Sender sonst ja eigentlich nur zu königlichen Hochzeiten, und es ist natürlich nicht nur die Kleider-Disziplin, die den Opernball zu einem Fernsehereignis von beinahe royalem Rang macht. Einen Marktanteil von 59 Prozent erreichte der ORF 2011 mit der Übertragung, deutlich mehr als der Senderschnitt.

Laut ORF war der Ball die meistgesehene Unterhaltungssendung des Jahres. Der BR erreichte im benachbarten Sendegebiet Bayern 2011 einen Marktanteil für die Gala von 11,3 Prozent, auch das deutlich mehr als der durchschnittliche Wert von 7,2 Prozent.

Beim BR erklärt man die Ausstrahlung trotzdem nicht mit den Quoten. Man übertrage aus "Tradition", es sei "gut gemachte Unterhaltung". Tatsächlich taugt der Opernball, und darin besteht der Unterschied zu den Vermählungen von Adeligen, zur echten Unterhaltungsshow. Tanzende Prominente sind schließlich schon seit langem auch Teil der privaten TV-Unterhaltung, und der Bauunternehmer Richard "Mörtel" Lugner lädt sich bekanntermaßen in jedem Jahr eine bei Massenpublikum bekannte weibliche Begleitung an den Tisch.

Der Ball rechnet sich - viele verdienen daran

Zuletzt war es eines von Berlusconis Bunga-Bunga-Mädchen, was man ihm irgendwie übel nahm. In diesem Jahr nun orientiert er sich an einer quasi fernsehdemokratischen Entscheidung und hat die amtierende Dschungelkönigin Brigitte Nielsen erwählt. Der TV-Opernball ist eine Boulevardsendung in Schwarz und Weiß.

Seit 1997 zeigt der BR den Ball, man übernimmt das Signal des ORF. Die Kosten seien niedrig, erklärt man auf Anfrage. Der Ball rechnet sich also für die Sender, an ihm verdienen ohnhin viele. "Einnahmen in Höhe von 3,4 Millionen Euro stehen Gesamtausgaben von 2,3 Millionen für die Wiener Staatsoper gegenüber", vermeldet der BR, und die Staatsoper lässt gleich noch wissen, welcher Hersteller die Debütantinnen-Krönchen gesponsert hat. Wer 250 Euro zahlt, darf rein, will er in eine Loge, sind zwischen 9000 und 18500 Euro fällig.

Zuhause gibt es das Zusehen natürlich umsonst, sieht man ab von den entrichteten Rundfunkgebühren. Und wie soll man sich verweigern, wenn Fasching ist und wenn man über den Sender erfährt, dass als Desert Bellini-Sabayone an Passionsfruchttörtchen mit Baumkuchenraute gereicht werden?

Wiener Opernball, BR, 21.15 Uhr; 3sat, 20.15 Uhr; ORF 2 20.15 Uhr; jeweils bis nach Mitternacht.