Weidel verlässt TalkshowWenn sie einfach aufstehen und gehen

Alice Weidel ist nicht die einzige, die wutentbrannt ein TV-Studio verlässt. Sechs denkwürdige Talkshow-Eklats.

Aus der SZ-Medienredaktion

Wolfgang Bosbach bei "Maischberger", 12. Juli 2017

Wer sich fragte, was dem Talkshowgast-Rekordhalter Wolfgang Bosbach die Lust am telegenen Streiten verleiden könnte, der hat nun die Antwort: eine Stunde Diskussion mit der linken Politikerin Jutta Ditfurth. Aus den zahlreichen Optionen der inszenierten Abgänge wählt Bosbach - Medienprofi, der er ist - den selbstlos-heroischen. Alles beginnt mit einer Geste: Bedeutsam schweigend entfernt Bosbach das Mikrofon von seinem Revers. Es folgt ein flehendes "Herr Bosbach, bleiben Sie bitte bei uns" von Moderatorin Maischberger. Nun ist die Atmosphäre dramatisch ausreichend aufgeheizt für den Abtrittsmonolog: Ditfurth habe den Hamburger Hauptkommissar Joachim Lenders "in geradezu unverschämter Weise angegangen", empört sich Bosbach. Hier erregt sich also jemand nicht aufgrund von persönlichen Animositäten, sondern um einen braven Vertreter des Staates vor den fiesen Altachtundsechzigern zu retten. Wäre Bosbach doch nur am Wochenende im Schanzenviertel zugegen gewesen, womöglich hätte sich das Schlimmste verhindern lassen. Von Luise Checchin

Bild: Melanie Grande/WDR 6. September 2017, 08:362017-09-06 08:36:04 © SZ.de/cag/dd