Website Buzzfeed Von Kriegen und Katzen

Auf der Webseite Buzzfeed stehen harte Nachrichten neben billigen Witzen. Nach vier Jahren schreibt Gründer Jonah Peretti nun schwarze Zahlen. Sein Ziel ist ehrgeiziger: Er will den Journalismus verändern.

Von Dirk von Gehlen

Vielleicht ist gerade ein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken, welcher Schauspieler die Rolle des Jonah Peretti übernehmen wird, wenn seiner Website Buzzfeed passiert, was mit Facebook in dem Film The Social Network geschah: die Hollywood-Verfilmung einer Erfolgsgeschichte aus dem Internet. Zach Braff würde sich optisch anbieten, um die Rolle des jungen Manns auszufüllen, der keinen Zweifel daran hat, dass Buzzfeed den Facebook-Effekt auf Nachrichtenmedien übertragen wird: Peretti sieht dem in Deutschland aus Scrubs bekannten Braff erstaunlich ähnlich - auch wenn er eher das Gegenteil des jungen Assistenzarztes ist, den Braff in der Comedy-Serie spielt.

Der 39-jährige Peretti hat seinen beruflichen Erfolg darauf aufgebaut, Folgendes zu erforschen: Wie müssen Viren beschaffen sein, damit Menschen sie möglichst leicht weitergeben? Die Rede ist von Trends und Nachrichten, die sich wie Viren im Internet verbreiten sollen; verbreitet nicht mehr nur von Sendern und Zeitungen, sondern von den vielen Millionen Menschen, die ihre Tage körperlich im Büro und virtuell auf Facebook verbringen. Peretti nennt diese Leserschaft das "bored at work network": junge, in der Arbeit gelangweilte Menschen, die viel Zeit im so genannten sozialen Web verbringen und auf klassische Nachrichtenseiten meist nur dann gehen, wenn Freunde sie durch Hinweise auf Texte dorthin schicken.

Wenn das bei einer Nachricht sehr oft passiert, spricht man in schlechter Übersetzung davon, dass dieser Inhalt "viral geht", dass er sich wie ein Schnupfen im Büro durch die virtuelle Welt verbreitet. Diese Verweiskultur von Facebook und Twitter ist der Gegenentwurf zur Suchkultur von Google: Das, was dich interessiert, wird dich auch finden.

Für die Branche ungewöhnlicher Optimismus

Peretti, der zu den Gründern der Huffington Post zählte, hat Buzzfeed konsequent auf diese neue digitale Kultur ausgerichtet - und er scheint damit Erfolg zu haben. Das zumindest schrieb er dieser Tage in einer Art Pressemitteilung, die er, ganz zum Stil von Buzzfeed passend, als interne Mitarbeitermail auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn öffentlich machte: "damit auch künftige Mitarbeiter sie lesen können". Darin berichtet er in einem für die Medienbranche ungewöhnlichen Optimismus von rasant steigender Reichweite für Buzzfeed und von schnell wachsenden Werbeerlösen.

Vier Jahre nach ihrem Start sei die Seite erstmals profitabel. Deshalb wolle er Buzzfeed nun innerhalb eines Jahres zu einer der größten Seiten im Internet ausbauen, das heißt, das Angebot muss in jedem Fall größer werden als New York Times oder Guardian. Dafür werde Buzzfeed seine Strategie fortsetzen, die talentiertesten Reporter und Autoren aus der ganzen Welt einzustellen.

In Zeiten von Stellenabbau und Sparmaßnahmen klingt das für Journalisten spannend und beunruhigend zugleich. Denn für Peretti bedeutet digitaler Journalismus mehr, als eine Facebookfanseite einzurichten. Er erwartet eine andere Art des Denkens: Bisher haben Journalisten ihre Zeit in die Herstellung von Inhalten investiert, im Zeitalter von Social Media sei das nur die eine Hälfte journalistischen Arbeitens. "Mindestens fünfzig Prozent der Arbeitszeit muss man heute darauf verwenden, diesen Inhalt auch über den richtigen Kanal an die Leser zu bringen." Wenn er davon auf Kongressen wie dem Mediengipfel des britischen Guardian im Frühjahr in London erzählt, lacht das Publikum. Peretti zeigt dann Meldungen, die auch in klassischen Medien stehen könnten, neben Bildern von süßen Tierbabys.