WDR Unruhe im Funkhaus

Nach Belästigungsvorwürfen gegen einen weiteren Mitarbeiter sollen jetzt Rechtsanwälte dem Sender bei der Aufklärung helfen. Auch der Rundfunkrat wird sich bei seiner Sitzung im Mai mit dem Thema befassen.

Von Hans Hoff

Der WDR hat eine externe Anwaltskanzlei beauftragt, bei der Aufklärung von Vorwürfen der sexuellen Belästigung innerhalb der Anstalt mitzuwirken. "Wir dulden sexuelle Nötigung und Missbrauch nicht", sagte Intendant Tom Buhrow in einem dpa-Interview und verwies auf das hauseigene Interventionsteam. "Die Fälle, die dort gemeldet wurden, sind auch verfolgt worden - bis an die Grenze dessen, was arbeitsrechtlich möglich war", sagte er.

Das kann die Unruhe, die im Hause und drumherum herrscht, indes kaum dämpfen, denn gerade wurden durch den Stern und das Rechercheteam Correctiv neue Vorwürfe bekannt, die neben einem inzwischen freigestellten Korrespondenten einen weiteren Tagesschau-bekannten Mitarbeiter schwer belasten. Dieser habe mehrere Frauen bedrängt, die sich daraufhin 2010 einem anderen Mitarbeiter offenbart hätten. Dieser habe die Frauen an eine Personalrätin vermittelt, die nach der Anhörung der Frauen, die anonym bleiben wollten, klare Forderungen an die Senderspitze formulierte: Die solle in der entsprechenden Abteilung deutlich machen, dass sexuelle Belästigung keine Kleinigkeit sei.

Das ist nach Senderangaben auch passiert. Den Recherchen von Stern und Correctiv zufolge soll der Hinweisgeber aber gleichzeitig eine Anweisung erhalten haben, nicht länger zu behaupten, es gebe Vorwürfe wegen sexueller Belästigung. Andernfalls sei sein Arbeitsverhältnis bedroht. WDR-Sprecherin Ingrid Schmitz räumt ein, dass es 2010 Hinweise auf mögliches Fehlverhalten gegeben habe. Diese seien auch untersucht worden. "Abschließend ergab die damalige Prüfung, dass die Vorwürfe nicht aufgeklärt werden konnten. Zu weiteren Details äußern wir uns aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht", sagt sie.

Persönlichkeitsschutz und Arbeitsrecht heißen ganz offenbar die Linien, hinter die sich der WDR bislang immer wieder zurückzieht. Parallel wird immer deutlicher, dass offenbar sehr viele im Haus sehr lange schon von den Vorwürfen wussten, sich aber nicht trauten, dies anzusprechen.

Vielleicht bringen die Recherchen der Kanzlei bald etwas Licht ins Dunkel. Auch bei der nächsten Rundfunkratssitzung werden die Vorfälle und die Art der Aufarbeitung Thema sein. Das Aufsichtsgremium tagt am 8. Mai. Mehrere Mitglieder haben bereits gefordert, ausführlich über die Vorwürfe zu sprechen und darüber nachzudenken, ob nicht auch der Rundfunkrat eine Anlaufstelle für Missbrauchsopfer einrichten könne.