WDR-Intendant Tom Buhrow Sparsam lächeln

WDR-Indendant Tom Buhrow

(Foto: dpa)

Seit einem Jahr ist Tom Buhrow WDR-Intendant. Jetzt muss er einen strikten Sparkurs moderieren, Hunderte Stellen abbauen, umbauen - und will künftig natürlich vor allem das junge Publikum ansprechen.

Von Bernd Dörries

Tom Buhrow sagt, es sei nicht mehr alles "Eiteitei". Dazu lächelt Buhrow so, wie man es aus den Tagesthemen kennt, die er in einer Art und Weise moderierte, als ginge es auch darum, sich beim Zuschauer für das viele Böse in der Welt zu entschuldigen, das man ihm wieder zumutet. Nun ist Buhrow ein Jahr Intendant beim WDR und legt Wert auf die Feststellung, dass seine dortige Tätigkeit nicht mit einer lustigen Kissenschlacht zu vergleichen sei. Die Vermutung war unter anderem deshalb entstanden, weil Buhrow bei seinem Amtsantritt versprochen hatte, er bringe viel "Liebe" mit in den Riesensender, den zweitgrößten in Europa hinter der BBC.

Am Dienstag ist Buhrows Liebe noch nicht abgekühlt, aber die Beziehung zum WDR doch in eine rationalere Phase getreten. "Verantwortungsliebe", so beschreibt er nun seine Empfindungen für die alte Tante WDR, die er spannender und jünger machen möchte. Bei gleichzeitigem Sparkurs - einhundert Millionen Euro stehen weniger zur Verfügung, 500 Stellen werden in den kommenden Jahren nicht wieder besetzt, bei insgesamt 4300 Mitarbeitern. Vor allem in der Technik und in der Verwaltung soll gespart werden. In den Redaktionen wird künftig weniger Geld für Honorare da sein, einige Sendungen werden gestrichen. Die Öffentlichkeit verlange seit Jahren: "Werdet kleiner." Das gehe aber nicht, ohne dass es jemand merke, sagt Buhrow.

Chance zur Erneuerung

Der neue Intendant hat den Sparkurs zumindest besser moderiert als so manche Ausgabe der Tagesthemen. Die eigenen Leute haben die Kürzungen eher zuerst erfahren und nicht aus den Zeitungen. Buhrow fährt nicht mit dem Rasenmäher über die Flure. Für ihn ist der Sparkurs auch eine Chance zur Erneuerung, die Möglichkeit, alte Strukturen aufzubrechen, an denen es beim WDR nicht gerade mangelt. Für Ergebnisse sei es noch etwas früh, sagt Buhrow. Er setzt natürlich auf das Netz, auf neue Formate, und hat eine Zusammenarbeit mit Jan Böhmermann vereinbart, der nie weit ist, wenn irgendwo das öffentlich-rechtliche Fernsehen neu erfunden wird.

Jung und hip will der WDR also werden. Davor musste sich der Sender aber erst einmal gegen den alten Vorwurf wehren, in dem rot-grün regierten Bundesland ein ziemlicher Rotfunk zu sein. Die Sprecherin des Landesarbeitsministeriums in Düsseldorf trat im WDR auch als Moderatorin auf, ohne dass es jemand störte. Alles geklärt, kommt nicht wieder vor, ein Einzelfall, sagt Tom Buhrow. Es sind in der Tat wenige WDR-Mitarbeiter, bei denen nicht ganz klar ist, auf welcher Seite sie stehen. Im Bundestagswahlkampf moderierte ein WDR-Mitarbeiter Veranstaltungen für "den Peer", also Steinbrück, und auch bei Gewerkschaftskongressen ist ein duzender WDR-Genosse meist nicht weit. Andere waren in Sender und Partei durchaus aktiv, leiteten erst die landespolitische Redaktion des WDR, dann die SPD-Pressestelle der Landtagsfraktion.

Buhrow sagt, alles nicht so wild. Und lächelt.