Wahl beim WDR Intendant aus der Losbude

Beim WDR, der größten und reichsten ARD-Anstalt, wird ein neuer Senderchef gewählt. "Wir haben eine offene Wahl ohne Empfehlung", heißt es. Aber es drängt sich der Verdacht auf: Dem Rundfunkrat könnte an einem schwachen Kandidaten gelegen sein.

Von Hans Hoff

Wenn an diesem Mittwoch gegen elf Uhr der Rundfunkrat des WDR zur Wahl des neuen Intendanten zusammentritt, dann werden sich die Türen hinter den 48 Mitgliedern für eine ziemlich lange Weile schließen. Sieben Stunden hat die Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi für die Gesamtprozedur angesetzt. In der Zeit will sie zuerst einen Bericht aus der Findungskommission geben. Danach sollen sich die drei Kandidaten vorstellen. Erst wenn ausreichend diskutiert wurde, geht es zur Abstimmung. Und ist die einmal gestartet, steht am Ende zwangsläufig ein neuer Intendant.

So sieht es zumindest das WDR-Gesetz vor, andere ARD-Anstalten haben andere Wahlverfahren - beim MDR etwa ist es möglich, dass der einzige zur Wahl vorgeschlagene Kandidat abgelehnt wird, und noch einmal ganz neu gewählt werden muss. Beim WDR wird Intendant, wer im ersten Wahlgang die Mehrheit der Stimmen erhält. Kommt solch eine Mehrheit nicht zustande, erfolgt sogleich ein zweiter Wahlgang, bei dem gewählt ist, wer die meisten Stimmen erhält. Notfalls gibt es sogar einen dritten Wahlgang. Geht auch der mit Stimmengleichheit zu Ende, entscheidet das Los. Jawoll, so sieht es das Gesetz vor. Notfalls kommt der neue Intendant des WDR, des größten und reichsten Senders in der Sendergemeinschaft, halt aus der Losbude.

"Wir haben eine offene Wahl ohne Empfehlung", betont Hieronymi immer wieder. Sie ist sehr stolz auf das, was die von ihr geleitete Findungskommission dem Rundfunkrat da an Kandidaten vorgeschlagen hat. Das sei einzigartig in der Geschichte des Rundfunkrats, solch ein transparentes Verfahren, bei dem eben nicht von vorneherein feststehe, wer der Wunschkandidat der Parteien sei.

"Der Rundfunkrat hat eine Wahl"

Fragt man Hieronymi nach der Aufteilung der Macht im Rundfunkrat, mag sie erst gar nicht antworten. Das sei die falsche Frage, belehrt sie. Der Rundfunkrat sei nicht mehr festgelegt nach Parteienproporz. "Der Rundfunkrat hat eine Wahl", bekräftigt sie noch einmal. Fragt man dann noch mal, will sie wieder nicht antworten. Erst nach einer Weile erfährt man, dass 13 der 48 Mitglieder vom NRW-Landtag nach dem dort herrschenden Proporz entsandt wurden. Die restlichen 35 Mitglieder sind Vertreter von gesellschaftlich wichtigen Gruppen und Verbänden, die sogenannten Grauen. "Die lassen sich nicht mehr so einfach festlegen", sagt Hieronymi.

Dass die Grauen von Kritikern auch mal als Vereinsmeier bezeichnet werden und der Rundfunkrat in Fragen der Kompetenz für die Aufsicht über eine Anstalt mit mehr als 4000 Mitarbeitern und 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz als Laienspielschar verspottet wird, empört naturgemäß die Vorsitzende. Sie ist förmlich berauscht vom Ergebnis der Vorauswahl. So gut sei es noch nie gewesen.