Verwechslungskomödie im ZDF Schön kitschig

Der doppelte Axel Prahl spielt die Zwillinge Jochen (li.) und Christian.

(Foto: Krehl/ZDF)

"Tatort"-Darsteller Axel Prahl ist der Rühmann unserer Zeit: ein echter Volksschauspieler. Sogar aus dem harmlos-heiteren ZDF-Spielfilm "Die Lichtenbergs" holt er mehr heraus als drin ist.

Von David Denk

Wenn es draußen kalt wird, hat der Mensch es drinnen gern wohlig warm. Mindestens so wichtig wie die Temperatur in der Wohnung ist die im Herzen. Und wärmen kann nicht nur die Heizung, wärmen können auch Geschichten. Es ist kein Zufall, dass das ZDF ausgerechnet in der Adventszeit Die Lichtenbergs zeigt. Auch wenn darin niemand Plätzchen bäckt oder Geschenke einkauft, ist die Verwechslungskomödie ein klassischer Weihnachtsfilm. Im Sommer fände man die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die das Leben des jeweils anderen durcheinander und dadurch wieder in Ordnung bringen, wahrscheinlich reichlich kitschig. Weihnachtlich gestimmt ist es ein schöner Spaß.

Der Film endet wie der Advent: im Wohnzimmer, im Kreis der Familie. Auf diese frohe Botschaft läuft alles zu, Blut ist dicker als Wasser. Die Lichtenberg-Zwillinge, Politiker Christian und Taxiunternehmer Jochen, sind nach Jahrzehnten der Entfremdung wieder ein Herz und eine Seele. Neben ihnen sitzen Frauen, die sie mit all ihren Fehlern lieben. Hach. Abspann.

Ohne Axel Prahl wäre die Story Banane

Axel Prahl ist die Lichtenbergs - beide, Christian und Jochen. Für letzteren konnte er einfach das Kostüm des Münsteraner Tatort-Kommissars Frank Thiel auftragen. Wobei: So ganz stimmt das nicht. Sobald Jochen sich im Laufe der Handlung notgedrungen in Christian verwandelt, ist es ja eben dieser Christian, der den Dreiteiler gegen das Thiel-Gedächtnis-Jeans-Outfit eintauscht. Als Service für den verwirrten Zuschauer haut der militante Vegetarier Herr Fleischer (Armin Rohde) Christian, den er für Jochen hält, ein stattliches Veilchen, weil der, also Jochen, Wettschulden bei ihm hat. Christian ist nicht besser dran: Ein One-Night-Stand mit einer durchtriebenen Lobbyistin bedroht seine Ehe und seine Karriere.

Je abstruser, desto Münster

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Ohne Axel Prahl wäre die Story (Buch: Oliver Martext, Gernot Gricksch) so Banane, wie sie sich jetzt wahrscheinlich liest. Er hält den Film zusammen. Wie weiland Heinz Rühmann gibt er dem kleinen Mann eine große Bühne. Der Vergleich hängt die Latte hoch, aber er drängt sich auf: Axel Prahl ist der Volksschauspieler unserer Zeit, einer, dem man gern zuschaut und gar nicht recht weiß warum. Seine Gabe ist nicht die der Wandelbarkeit - im Gegenteil: Es ist gerade die maximale Wiedererkennbarkeit, die ihn zur Marke gemacht hat, zur ehrlichen Haut vom Dienst.

Weil bald Weihnachten ist, beschenkt Regisseur Matthias Tiefenbacher mit Die Lichtenbergs nicht nur Axel Prahl, sondern eigentlich alle Darsteller - bis zur kleinste Nebenrolle (Casting: Nina Haun) dürfen sie ihre Klasse ausspielen. Als Beispiele seien Jan Georg Schütte als klebriger Lobbyist und Hans Martin Stier als Taxi-Cowboy genannt. Die Lichtenbergs gelingt das Kunststück, Prahl-Gala und Ensemblefilm zu vereinen. Auch in dieser Hinsicht passt er wunderbar zu Weihnachten, dieser One-Man-Show für alle.

Die Lichtenbergs, ZDF, 20.15 Uhr.