Historienserie "Versailles" auf Sky Ein Brite gibt den französischen Sonnenkönig

Hach, diese Hingabe, die gab es nur bei Hofe!

(Foto: Tibo & Anouchka / Capa Drama / Zodiak Fiction / Incendo / Canal+)

"Versailles" macht sich nicht klein als Kostüm- oder Erotikserie - obwohl es weder an opulenter Garderobe noch entblößten Brüsten mangelt.

TV-Kritik von Stefan Fischer

"Ich bin der Staat", belfert Ludwig XIV. einen Minister an. Der hat sich gerade für eine Eigenmächtigkeit gerechtfertigt: Man wolle den König nicht mit "banalen Staatsangelegenheiten" behelligen. Banal aber ist für Ludwig nichts. "Du bist von Gott auserwählt und von der Sonne gesegnet", hatte ihm seine Mutter auf ihrem Totenbett eingeschärft. Aber eines hat er noch nicht: die Macht. Der 28-Jährige greift entschieden danach.

Wer repräsentiert den französischen Staat - der alte Adel oder der neue König? Das ist der Grundkonflikt der zehnteiligen Serie Versailles: Aufs Ärgste demütigt Ludwig vor versammeltem Hof den Schützling eines mächtigen Herzogs, indem er dessen edle Abstammung anzweifelt. Wer künftig dem Hof angehört, muss sich ganz neu legitimieren. Ludwig XIV. liegt alles daran, die alten Netzwerke zu zerstören.

An Versailles ist vieles gewagt, und mit der Serie, die in Deutschland nun bei Sky läuft, wurde vieles gewonnen. Der französische Pay-TV-Sender Canal+ hat sie in Auftrag gegeben, für angeblich 27 Millionen Euro, was Versailles zu einer der teuersten und aufwendigsten europäischen Serien machen würde. Unter anderem hat die französische Set-Designerin Katia Wyszkop nahe Paris einen Nachbau des Schlosses errichten lassen.

Versailles macht sich nicht klein als Kostüm- oder Erotikserie

Ansonsten ist an der Serie vieles nicht französisch: Die Autoren sind Engländer, Simon Mirren war Showrunner bei Criminal Minds und Without a Trace, David Wolstencroft hat die BBC-Agenten-Serie Spooks geschrieben. Gespielt wird Frankreichs König ebenfalls von einem Briten: George Blagden.

Der aristokratische Blick sitzt: George Blagden als Ludwig XIV. in Versailles.

(Foto: Tibo & Anouchka / Capa Drama / Zodiak Fiction / Incendo / Canal+)

Es geht in Versailles nicht um nationale Selbstvergewisserung, sondern um gute Unterhaltung. Ludwigs schwieriges, politisch immens wichtiges Verhältnis zu seinem schwulen Bruder Philippe (Alexander Vlahos, ein Waliser), seine Frauengeschichten, sein in jeder Minute öffentliches Leben - in Versailles wird nicht angeklopft, ehe jemand ein Zimmer betritt -, das alles ist auf der Basis guter Drehbücher süffig inszeniert.

Versailles macht sich dabei nicht klein als Kostüm- oder Erotikserie, obwohl es weder an sehenswerter Garderobe noch entblößten Brüsten mangelt. Im Zentrum stehen telegen aufbereitet die historischen Ereignisse. Die Serie zeigt einen spannenden Machtkampf von europäischer Tragweite, der auf vielen miteinander verwobenen Ebenen raffiniert ausgefochten wird. Weniger martialisch finden sich etliche Strategien in der gegenwärtigen europäischen Politik wieder.

Eine zweite Staffel wird bereits entwickelt, Ludwig XIV. hat weitere 45 Jahre regiert. Im Prinzip, sagt David Wolstencroft, "könnten wir das volle Programm bis zur Revolution durchziehen". Die ist 120 Jahre nach den Ereignissen der ersten Versailles-Staffel losgebrochen.

Versailles, Sky Atlantic, dienstags, 21 Uhr.

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