Verdruss vor Song Contest in Baku Regimenahe Zeitung wütet gegen deutschen Politiker

"Wohl einen über den Durst" getrunken haben soll der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP) - meint zumindest die aserbaidschanische Zeitung "Ses" (Stimme). Löning hatte gefordert, dass vor dem Eurovision Song Contest alle politischen Gefangenen in dem Land freigelassen werden - und das regimetreue Blatt damit zu abstrusen Mutmaßungen veranlasst.

Von Daniel Brössler

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), hat den Zorn der aserbaidschanischen Propaganda auf sich gezogen. Löning habe "wohl einen über den Durst" getrunken, mutmaßte die Zeitung Ses (Stimme).

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung hatte Löning gefordert, dass vor dem Eurovision Song Contest, der im Mai im aserbaidschanischen Baku ausgetragen wird, alle politischen Gefangenen in dem Land freigelassen werden. An die Teilnehmer der deutschen Vorauswahl appellierte er, sich mit der Lage in dem Land zu befassen.

Für Ses, von deutschen Diplomaten als regimenah eingestuft, war das wohl Grund genug, Löning zusammen mit der aserbaidschanischen Menschenrechtlerin Leyla Yunusova zu verunglimpfen: "Frau Yunusova freut sich, dass ein Besoffener aus Deutschland in den großartigen Musikwettbewerb eine verdrehte Idee einbringt." Mehr noch: Beide hätten "nicht nur politische, sondern auch andere Abenteuer gemeinsam erlebt".

Präsident Ilcham Alijew hatte dem Blatt zum 20. Jubiläum gratuliert und es als "Beispiel für wirklich demokratische und unabhängige Presse" gewürdigt. Ende Dezember gab er per Dekret ein "nationales Aktionsprogramm für einen effektiveren Schutz der Menschenrechte" in Auftrag.

Das große Mysterium

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