US-Serien im deutschen Fernsehen Bitte einmal deutlich röcheln

Überlebende der Apokalypse: Schon über fünf Staffeln erwehrt sich Carol Peletier (Melissa McBride) in The Walking Dead der Zombie-Plage.

(Foto: Frank Ockenfels 3/AMC)

Bei Serien liegt zwischen der Ausstrahlung in den USA und der in Deutschland oft nur noch ein Tag. Die Synchronstudios müssen sich also beeilen. Zu Besuch bei den Sprachaufnahmen für "The Walking Dead".

Von Niklas Hofmann

Viktor Neumann wankt vor und zurück, er hat die gekrümmten Hände in die Luft gehoben, als ringe er mit einem unsichtbaren Gegner. Schwer schnauft er ins Mikrofon. "Rick ist heute ziemlich schweigsam", sagt Hans-Jürgen Wolf, der Regisseur, hinter der Glasscheibe. "Ja, er atmet sich so durch", antwortet Neumann.

Der Schauspieler steht in einem Synchronstudio in einem Gewerbegebiet im Süden Berlins. Neumann ist die deutsche Stimme des Rick Grimes, Hauptfigur der Zombieserie The Walking Dead, gespielt von Andrew Lincoln. Und auch wenn der, wie jetzt gerade, nur durch einen Knebel atmet, muss er das im deutschen Fernsehen mit seiner deutschen Stimme tun.

Bösewichte haben Rick und einige andere Überlebende der Zombieapokalypse gefesselt, nebeneinander müssen sie vor einem Metalltrog knien. Einer der Schurken tritt hinter den ersten Gefesselten, schlägt ihn nieder, ein anderer schneidet ihm die Kehle durch. Blut spritzt auf die Kameralinse, der Körper sackt nach vorne und blutet in die Wanne aus. Dann ist das zweite Opfer dran. Immer näher rückt der Messermann den Helden.

Zum Tode verurteilt, zum Leben verdonnert

Wie fühlt sich einer, der als Teenie unschuldig zum Tode verurteilt wurde und erst viele Jahre später wieder die Freiheit zu sehen bekommt? Die grandiose US-Serie "Rectify" vermittelt ein realistisches Bild von einer solchen Auferstehung. Von Karoline Meta Beisel mehr ... TV-Kritik

"Isis haben sie auch schon gleich eingebaut," sagt Viktor Neumann zwischen zwei Schnaufern. Ja, genau diese Assoziation stellt sich unweigerlich ein. "Das ist ja eklig", schüttelt es die Cutterin. Als die Episode am Montag bei Fox Deutschland läuft, fehlt die Szene. Die Freiwillige Selbstkontrolle hat sie als "schwer jugendgefährdend" bewertet. Ihre Ausstrahlung sei unzulässig.

Den bisherigen Quotenrekord hat die erfolgreichste Serie im deutschen Pay-TV mit 300 000 Zuschauern trotzdem noch einmal übertroffen - nur einen Tag, nachdem die Auftaktfolge der fünften Staffel im US-Fernsehen lief. Und gerade mal zwei Wochen, nachdem Viktor Neumann sie vertont hat.

Ein Rad, das immer schneller läuft

Zwei Etagen über den Aufnahmeräumen sitzt Bernd Kupke in seinem Büro. Eine ganze Staffel einer Fernsehserie zu synchronisieren, dafür habe man früher bis zu einem Dreivierteljahr Zeit gehabt, erzählt der Chef des Studios EuroSync. "In den letzten zwei, drei Jahren hat sich das verändert", sagt Kupke. "Das ist ein Rotationsrad, das immer schneller läuft."

Inzwischen ist es Just-in-Time-Produktion: Das Hollywood-Studio lädt die Episode in niedriger Auflösung auf einen Server, mitsamt dem Continuity-Skript, also der letzten verwendeten Drehbuchfassung. Eine Übersetzerin hat dann maximal einen Tag Zeit, um eine Rohübersetzung anzufertigen, aus der dann der Dialogautor eine lippensynchrone Fassung schmieden muss.

Drei Tage bleiben ihm, um Audiodateien aufzunehmen, die dann von einem Schreibbüro transkribiert werden. "Eine Schweinearbeit", nennt Hans-Jürgen Wolf das, der nicht nur Regisseur, sondern auch Dialogautor von The Walking Dead ist. Wobei ihm das viele Röcheln der Zombies die Arbeit noch erleichtert. Schlimmer seien Gerichtsserien mit ihren langen Plädoyers.