US-Medien Breitbart ist das Portal der Frustrierten

Stephen Bannon zieht mit Breitbart an die Front.

(Foto: dpa)

Stephen Bannon ist zurück bei "Breitbart" und will für Präsident Trump "in den Krieg ziehen". Dabei hat die rechtspopulistische Website längst an Einfluss verloren.

Von Jürgen Schmieder

Das Verhältnis von US-Präsident Donald Trump zu seinem nun gefeuerten Chefstrategen Stephen Bannon war schon immer ein Fest für Star Wars-Metaphoriker. Bannon wird gerne als Gestalt von der dunklen Seite der Macht beschrieben, als der strippenziehende Imperator, der seinem Handlanger Darth Vader (Trump) die öffentlichen Auftritte überlässt und im Hintergrund an der Eroberung der Galaxie bastelt. Am Ende von Rückkehr der Jedi-Ritter wirft der geläuterte Darth Vader den bösen Imperator in eine tiefe Schlucht. Trump derweil ist von ideologischer Abkehr weit entfernt - und der Chefstratege ist wohlbehalten auf den Todesstern zurückgekehrt, mit dem er Trump zur Kandidatur verholfen hatte.

Bereits am Freitagabend, wenige Stunden nachdem die Nachricht von Bannons Abschied aus dem Weißen Haus die Runde gemacht hatte, leitete dieser schon wieder die Redaktionskonferenz der rechtspopulistischen Nachrichtenseite Breitbart News, was Chefredakteur Alex Marlow zu diesem Zitat veranlasste: "Die populistisch-nationale Bewegung ist heute um einiges stärker geworden." Bannon selbst beschrieb seine Rückkehr so: "Ich habe meine Hände zurück an den Waffen. Ich verlasse das Weiße Haus und ziehe für Trump gegen seine Widersacher in den Krieg."

Der Todesstern hat sich in eine harmlose Station verwandelt

Das klang martialisch, und genau so sollte es klingen. Kriegsrhetorik gefällt Bannon, er spricht gerne davon, Konflikte "nuklear eskalieren" zu lassen oder Gegner "in die Luft zu jagen" - und natürlich gefiel es ihm, dass der hochrangige Breitbart-Mitarbeiter Joel Pollak noch am Freitag die Nachricht "#WAR" beim Kurznachrichtendienst Twitter abgesetzt hatte. "Jetzt bin ich frei", sagt Bannon: "Ich habe mit Breitbart eine verdammte Maschine gebaut. Und mit dem, was ich jetzt weiß, werde ich die Maschine auf Hochtouren bringen."

Das ist, aus Bannons Sicht zumindest, dringend notwendig. Denn in den vergangenen Monaten hat sich sein Todesstern in eine recht harmlose Station verwandelt.

Bannon, der Barbar

Ruhe wird es im Weißen Haus nicht geben: Trumps gekündigter Chefberater will "Krieg" gegen seine Gegner in Washington führen -sogar gegen die Familie des amerikanischen Präsidenten. Von Hubert Wetzel mehr ...

Am Tag nach der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 sah das noch anders aus: Chefredakteur Marlow feierte seine Website als Königsmacher und sprach recht offen über eine Expansion nach Europa und über Wahlkampf-Unterstützung für populistische Parteien wie den Front National in Frankreich und die AfD in Deutschland. Eine Dependance in London gibt es bereits seit 2014, Bannon nannte sie damals "eine neue Front in einem kulturellen und politischen Krieg". Büroleiter Raheem Kassam, einst Berater des rechtspopulistischen Ukip-Politikers Nigel Farage, ließ sich im Juni vergangenen Jahres dafür feiern, dass das mit dem Brexit-Votum so wunderbar geklappt hatte. Man war auf Welteroberungskurs.

Tatsächlich aber ist der Einfluss von Breitbart seither rapide gesunken. Im vergangenen Monat verzeichnete Breitbart dem Institut Comscore zufolge noch 12,4 Millionen Nutzer, 32 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum und ein bisschen mehr als die Hälfte vom Höchstwert aus dem November 2016 (knapp 23 Millionen). Auch andere Nachrichtenseiten haben seit der Wahl Leser verloren (die Washington Post etwa 24 Prozent), aber nicht so massiv wie Breitbart. Eine Studie der Analysefirma MediaRadar zeigt, dass die Zahl der Firmen, die Werbung auf der Seite schalten, zwischen März und Mai von 242 auf 26 gefallen ist. Bereits nach Trumps Wahl hatte die Initiative Sleeping Giants zu einem Werbeboykott von Breitbart aufgerufen, zahlreiche Firmen schlossen sich an.