US-Magazin Neuer Playboy-Stil: Mehr Stoff, mehr Selfies

Sarah McDaniel auf dem Cover der amerikanischen März-Ausgabe des Playboy.

(Foto: dpa)
  • Der Playboy zeigt erste Bilder der neuen, züchtigeren US-Ausgabe.
  • Das Magazin setzt auf Selfie-Ästhetik und weniger Künstlichkeit.
  • Wachstum kann die Marke jenseits des gedruckten Wortes erwarten - und außerhalb der USA.
Von Johannes Kuhn, New Orleans

Erstmals seit Erscheinen der ersten Ausgabe von 62 Jahren kommt der amerikanische Playboy ohne vollständig nackte Frauen in den Handel - und die Redaktion gibt sich pflichtgemäß stolz: "Wir glauben, dass man sich noch in einigen Jahren an das Titelbild der nächsten Ausgabe erinnern wird", heißt es in der Ankündigung des März-Heftes, das am 12. Februar erscheint.

Die Fotos hat der Playboy online mitgeliefert: Titelmodel und Instagram-Persönlichkeit Sarah McDaniel ist im Snapchat-/Selfie-Stil abgelichtet (Hallo, junge Internet-Männer!), mit der Schauspielerin und Schriftsteller-Urgroßenkelin Dree Hemingway posiert erstmals eine angezogene Frau auf der ausfaltbaren Mittelseite (Hemingway plus Playboy minus Nacktheit = mehr Playboy-Texte lesen?).

Und das Model Myla Dalbesio (auch sie fotografiert einige Bilder selbst) definiert, was unter "keine Nackten" zu verstehen ist: Gerne ausgezogen, aber ohne sichtbare Brustwarzen und Schambereiche (und damit innerhalb der US-Altersfreigabe ab 13 Jahren!). All das wirkt etwas natürlicher als jene Playboy-Ästhetik, die in den vergangenen Jahren den voyeuristischen Männerblick auf die neuesten Designtrends der Schönheitschirurgie lenkte.

PR und Geschäftssinn - auch dieses Mal

Als der Playboy im vergangenen Oktober die neue Züchtigkeit ankündigte, grübelten vor allem jene Männer über die Bedeutung der Zeitschrift, die in den Siebzigern aufgewachsen waren. Damals hatte das Magazin mit fast sechs Millionen Lesern seine größte Reichweite in den USA und kulturell die vielleicht größte Relevanz.

Inzwischen lesen nur noch 800 000 Menschen in den USA das Magazin und man ahnt - das sieche Röcheln der Print-Branche in den Ohren - dass eines der nächsten Denkstücke über den Playboy ein Nachruf werden dürfte: Auf den bald 90-jährigen Gründer und Viagra-Aficionado Hugh Hefner oder die US-Ausgabe des Heftes, das er 1953 auf den Markt brachte.

Schon damals mischte sich geschickte PR mit ausgeprägtem Geschäftssinn. So setzte Hefner in der ersten Ausgabe den Ton, ein Magazin für intellektuelle Lebemänner zu sein, und hob sich damit von den Schmuddelheften der damaligen Zeit ab: "Uns gefällt es, uns Cocktails und ein oder zwei Hors d'oeuvre zu machen, ein bisschen Stimmungsmusik auf dem Phonographen aufzulegen und eine weibliche Bekannte einzuladen, um in Ruhe über Picasso, Nietzsche, Jazz und Sex zu diskutieren."

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Doch der Diskussion über Nietzsche ging ein kluger Schachzug voraus: Die Nacktbilder von Marilyn Monroe, die das Heft zum Verkaufsschlager machten, waren Jahre zuvor aufgenommen worden, als die Monroe noch unbekannt war und Geld brauchte. Hefner war am Ende der einzige Verleger, der nicht vor der drohenden Zensur im prüden Amerika zurückschreckte und die Bilder dem Fotografen abkaufte.