"Unsere Mütter, unsere Väter" ZDF weist Vorwürfe aus Polen zurück

Lucas Gregorowicz als polnischer Partisanen-Anführer Jerzy im ZDF-Film Unsere Mütter, unsere Väter.

(Foto: David Slama)

Wie viele seiner Landsleute sei er "bestürzt" über die Darstellung der Polen im Weltkriegsdrama "Unsere Mütter, unsere Väter", sagt der polnische Botschafter in Berlin. Das ZDF äußert sich bedauernd, verteidigt aber die Produktion.

Das ZDF hat Vorwürfe wegen der Darstellung der Polen und polnischen Widerstandskämpfer im Weltkriegsdrama Unsere Mütter, unsere Väter zurückgewiesen. Das ZDF bedauere es sehr, wenn die Darstellung der polnischen Figuren in dem Mehrteiler "als ungerecht und verletzend empfunden wird", erklärte der Sender in Mainz. "In keiner Weise sollten historische Tatsachen oder gar die Verantwortung der Deutschen relativiert werden."

Der polnische Botschafter in Berlin, Jerzy Marganski, hatte zuvor scharfe Kritik an dem Mehrteiler geübt und erklärt, er sei ebenso wie viele seiner Landsleute "bestürzt" über das darin vermittelte Bild der Polen und des polnischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung.

Polen und Partisanen der "Heimatarmee" (AK) würden als Antisemiten dargestellt, die sich kaum von den deutschen Nazis unterschieden, erklärte Marganski in einem auf der Internetseite der Botschaft veröffentlichen Schreiben an den Sender. Der Zuschauer erfahre nichts von der Hilfe polnischer Widerstandskämpfer für die Juden.

Hinweis auf beteiligte Fachhistoriker

Das ZDF wies den Vorwurf eines zu einseitigen Bildes zurück und verwies auf die Beteiligung namhafter Fachhistoriker. Es sei großer Wert "auf eine differenzierte Darstellung aller Figuren" gelegt worden. Dies betreffe im Film auch die Menschen, denen der flüchtige deutsche Jude Viktor in Polen begegne, etwa eine Polin, die ihn schützt, oder den Sohn eines polnischen Bauern, der die beiden vor der Entdeckung durch die Deutschen rettet.

Auch der Anführer der Partisanen verhelfe Viktor letztlich zur Flucht. Zudem habe es im Anschluss an den dritten Teil einen Bericht über ein polnisches Dorf gegeben, in dem während des Krieges Juden versteckt wurden, was zu einem Massaker der Deutschen an der Dorfbevölkerung führte, erklärte das ZDF.

Der Dreiteiler über die Lebensgeschichte von fünf Freunden im Zweiten Weltkrieg war für das ZDF einer der Aufsehen erregendsten Programmerfolge der vergangenen Jahre. In Deutschland wurde der Film überwiegend positiv aufgenommen, ebenso die von ihm neu belebte Debatte um Vergangenheitsbewältigung. Auch in deutschen Talkrunden nahm man sich wieder des Themas an. In den vergangenen Tagen mehrten sich jedoch kritische Stimmen in polnischen Medien, etwa von Seiten des Leiters des Fernsehsenders TVP, Juliusz Braun.