Überwachungsskandal Schweizer Zeitung übt "Gegenspionage"

"Wir kehren den Spieß um". Die Schweizer Wochenzeitung WOZ observiert für eine Sonderausgabe zu Überwachung und Spionage den Chef des heimischen Geheimdienst. Ihre Enthüllungen sind sensationell - lustig.

Es ist eine PR-Aktion, die auf ein ernstes Thema aufmerksam machen will. Das linke Schweizer Wochenblatt WOZ - Die Wochenzeitung wirbt für seine an diesem Donnerstag erscheinende Sonderausgabe zum Thema Überwachung und Privatsphäre mit humoristischer "Gegenspionage": Man habe zur Abwechslung den Chef des Geheimdiensts ausgespäht.

"Wir wollen wissen, was man über einen Menschen herausfinden kann, ohne dass man ihn wissen lässt, dass man etwas über ihn herausfinden will", heißt es in dem WOZ-Artikel, der die Aktion der Reporter in einer satirischen Reportage dokumentiert: "Dies ist die Methode der Geheimdienste mit ihrer flächendeckenden, präventiven Überwachung, und wir wollen sie auf ihre Nummer eins in der Schweiz selbst anwenden. Wir kehren den Spiess um."

Drohung mit Hintertürchen

Das Ergebnis ist nun nicht nur im besagten Text "Gegenspionage - Der überwachte Überwacher" nachzulesen, sondern wird von der WOZ auch mit einer extra im Namen des Geheimdienstchefs Markus Seiler angelegten Website und einem Youtube-Video beworben (zu sehen hier).

Darin "droht" ein Schauspieler als vermeintlicher WOZ-Journalist dem Geheimdienstchef diverse Enthüllungen an, bietet im gemütlichsten Schweizerdeutsch aber auch einen Ausweg. Seiler könne mit seinem nun bekannten Einkommen doch einfach die gesamte Auflage kaufen und damit dann tun, was er wolle.

"Wir haben Herrn Seiler überwacht soweit es legal war", erklärte Redakteur Jan Jirat der Zeitung taz, "wir haben dabei auf Trojaner verzichten müssen und unsere Drohne nicht so benutzen können, wie wir es gerne getan hätten."

Wie der Schweizer Tages-Anzeiger berichtet, hat man im VBS, dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, zu dem die Geheimdienste gehören, die Aktion des Blattes "mit einem Schmunzeln" zur Kenntnis genommen. Der Sprecher der Schweizer Nachrichtendienste teilte mit, man werde sich überhaupt nicht zu der Sache äußern.