Von Else Buschheuer

Arbeitsdienst im Altersheim und zu Hause ein schrulliger Prof: Zimmer frei mit Tante ist ein verschrobener ARD-Film. Aber leider endet er harmonisch.

Die 17-jährige Malu (Abkürzung für Marie-Louise) hat geklaut. Ihr Vater ist überfordert. Und das Gericht, dem sie kaugummikauend gegenübertritt, stellt sie vor die Entscheidung: Jugendarrest oder 250 Stunden Altersheim. Doch das eigentliche Thema ist nicht, dass wir die trotzige Malu im Altersheim lieb werden sehen, das eigentliche Thema ist, dass sie, solange sie die Strafdienste ableistet, bei ihrer Tante wohnen soll. Der Vater, ein Pilot, hat keinen Nerv für solche Aktionen. Die Mutter ist tot, bleibt nur die Tante. "Tapferes, tapferes Tantchen", schnoddert Malu, das Bockbein. Hier lauert Konfliktpotential.

Zimmer mit Tante, ARD, Foto: ARD Degeto

Liebst du meine Tante, lieb ich deine Tante - Nadia Hilker als Malu. (© Foto: ARD Degeto)

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Tante Johanna (Jutta Speidel), lebt im Haus ihrer Eltern, einer stillgelegten Pension in einem bayerischen Dorf. Sie hat einen idyllischen Seeblick, schweißt Skulpturen, und ihr einziger Hausbewohner ist Professor Franz Gmeiner, ein Geschichtsprofessor im Vorruhestand. Das ist alles. Aber doch nicht ganz.

Die Tante kennt den schrulligen Franz aus der Klapsmühle. Die Geschichte dreht sich also in kürzester Zeit um. Nicht Malu, sondern die Tante und ihr Mitbewohner sind es, die hier resozialisiert werden müssen. Und der bockbeinige Teenager erweist sich schnell als Engel mit Herz, der Tante zu- und dem Stehlen plötzlich abgeneigt: Liebst du meine Tante, lieb ich deine Tante.

Das Gesicht der 22-jährigen Hauptdarstellerin Nadia Hilker taugt für den Bildschirm. Man schaut sie einfach gerne an. Sie könnte vermutlich auch biestiger sein, aber sie durfte wohl nicht. Ingo Naujoks als "Herr Franz" hat seine skurrilen Möglichkeiten (u.a. im Furtwängler-Tatort als deren krimischreibender Dauerfreund) mittlerweile so geschult, dass er eine Bereicherung für jeden Film ist.

Seiner Eigensinnigkeit und Verschrobenheit ist zu danken, dass man sich sekundenweise wie in einer Verfilmung von Elias Canettis Blendung fühlt, nicht wie in einem Degeto-Film. Jutta Speidel gibt das spröde Tantchen überzeugend. Sie bringt einen schräg-modernen Schuss Heimatfilm ein. Wenn nicht zu früh Harmoniesucht das Konfliktpotential dieses Filmes aufweichen würde, wäre er direkt gut.

Zimmer frei mit Tante, ARD, Samstag, 20.15 Uhr.

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(SZ vom 06.02.2010/berr)