TV-Show von Youtuber LeFloid News! Nerdig! Geil?

Drei Youtuber und der SWR kooperieren bei einer neuen Sendung: Dem Gaming-Format 1080NerdScope. Die erste Folge ist unterhaltsam - aber leider nichts fürs Fernsehen.

Von Caspar von Au

Computerspiele und Fernsehen - diese Kombination hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bisher nicht so gut geklappt. Gaming-Formate wie Reload von EinsPlus und Pixelmacher von ZDFkultur wurden wieder eingestellt. Das wissen auch die drei Youtuber Florian Mundt (alias "LeFloid"), Max Krüger ("Frodoapparat") und Robin Blase ("RobBubble"). Vielleicht beginnen sie deshalb die erste Folge ihres neuen Formats 1080NerdScope (gesprochen: ten-eighty-nerd-scope) damit, die im Vorfeld geäußerte Kritik in sarkastisch-schnoddriger Manier abzutun. Ihr seid doch alle doof. Mittelfinger in Gedanken hoch und ab dafür.

1080NerdScope ist ein Gaming-Format, das die drei Youtuber in Zusammenarbeit mit dem SWR erstellen. Die erste Folge ist seit Samstag auf dem Youtube-Kanal "DoktorFroid" zu sehen und läuft am Dienstagabend um 22.45 Uhr auf EinsPlus. Vorerst sind 15 Folgen angesetzt.

Auf den Spuren von Justus Jonas

Das Format behandelt Nerd-Themen, das macht schon der Titel der ersten Ausgabe deutlich: "News! Nerdig! Geil!" Nerdig - was soll das eigentlich sein? "Wikipedia, bitch", sagt Max Krüger und rattert die Definition von einer Papptafel runter. Zusammenfassung: Es wird vorrangig Neuigkeiten und Rezensionen zu Videospielen und Filmen geben. Außerdem wimmelt es von Sarkasmus, kleinen Wortspielen ("Wir wollen einfach die Woche mit euch review passieren lassen") und flachen Witzen ("Es ist etwas Schreckliches passiert. Youtuber sind im Kino").

Die selbst ernannten Nerds #1 bis #3 sitzen in Anzug und Krawatte in einem dunklen Studio am Tisch. Als Requisiten dienen übergroße Karteikarten, ein goldenes Sparschwein und ein goldenes Telefon. Als es in der Sendung klingelt, geht Mundt ans Telefon. "Schalt den Verstärker ein, Florian", sagt Krüger wie einst Peter Shaw zu Justus Jonas bei den Drei Fragezeichen.

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Mundt, Krüger und Blase funktionieren als Trio. Sie wissen, wie man mit der Kamera spielt, und die Zwei, die gerade nicht moderieren, starren nicht nur uninteressiert in die Luft. Youtube-Profis eben. Es wirkt, als zögen Sie ihre Späße ab und präsentierten die Neuigkeiten nur nebenher: Das Computerspiel Half-Life 3 wird es vielleicht nie geben, beim Spiel Deus Ex kann man in Zukunft mit Endgegnern verhandeln, Michael Jackson wollte die Rolle von Jar Jar Binks in Star Wars spielen.

Kritik an der eigenen Branche

Ab und zu landen die drei Jungs einen Seitenhieb in Richtung des Holz-Fernsehens ("Wir sollten eigentlich SWR 3sechzich heißen" und "Schickt uns euer Feedback per Teletext"). Im Gegensatz zu Florian Mundts Hauptformat "LeNews" gibt es bei 1080NerdScope weniger hektische Schnitte. Trotzdem, oder gerade deshalb ist das erste 15-minütige Video unterhaltsam und kurzweilig.

Nicht neu ist ihre Idee, fiktive Szenen aus Computerspielen selbst nachzustellen und sie zu parodieren. Das haben zum Beispiel die Moderatoren der MTV-Sendung "Game One" schon vor Jahren gemacht. Clever dagegen verpackt ist die Kritik am neuen Youtuber-Film "Kartoffelsalat". Mundt, Krüger und Blase zeigen einen eigenen Trailer, der den Film parodiert: "Oh mein Gott! Es ist etwas Schreckliches passiert. Youtuber sind im Kino." Der Trailer basiere auf einem wahren Kinofilm, man habe diesen aber aus Respekt vor "richtigen Filmen" leicht verändert.

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Was will der SWR mit dem Format?

Im Anzug und mit Krawatte prsäentieren sich die Youtuber Frodoapparat, RobBubble und LeFloid (v.l.) für ganz seriös für ihre neue Sendung "1080NerdScope" bei EinsPlus.

(Foto: Screenshot EinsPlus)

Die Zielgruppe des Formats sind online-affine junge Menschen, die sich für Videospiele interessieren. Und die vermutlich eh schon Mundts und Krügers Kanal "DoktorFroid" abonniert haben. Aber selbst wenn man mit den Themen den durchschnittlichen ARD-Zuschauer ködern könnte, spätestens nach zwei Minuten würde der umschalten, weil die drei Nerds mit Neo-Anglizismen um sich werfen. "Da geht nix mehr zu lowern", sagt Krüger an einer Stelle über die Erwartungen des Publikums an ein Videospiel. Und später "reviewen" sie den neuen "Adam-Sandler-Movie".

Es stellt sich die Frage: Was will der SWR, was will EinsPlus mit dem Format? Die Zielgruppe über Youtube zu erreichen, ist leichter. Dazu kommt: Sowohl auf Youtube als auch auf der Website von EinsPlus ist die Folge schon zu sehen, bevor sie im Fernsehen läuft. Es gibt keinen Grund für die hippen Youtube-Kids, auf die Ausstrahlung zu warten. Und dass über die Fernsehsendung neue Fans gewonnen werden können - unwahrscheinlich. Der Sendeplatz scheint nur ein Alibi dafür zu sein, dass für Youtube-Videos Rundfunkgebühren ausgegeben werden.

Am Ende der Folge verkündet die "Quoten-Frau" die - erraten - Quote: 42. Die Zahl - in Douglas Adams Roman Per Anhalter durch die Galaxis die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens - darf in einem Nerd-Format natürlich nicht fehlen.

So witzig das für Mundt, Krüger und Blase ist, so bitter könnte das für den SWR sein. Besonders hoch wird die Quote am Dienstag auf EinsPlus tatsächlich nicht sein. Und auf Youtube laufen die Folgen weder auf dem Kanal des SWR, noch ist das Logo des Senders im Video zu sehen.

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