TV-Serie "House of Lies" "Feuern Sie doch ein paar Leute"

Denn sie wissen, was zu tun ist: Die TV-Serie "House of Lies" rechnet mit Unternehmensberatungen ab und gilt in den USA als bester Serienstart des Jahres. Das Thema könnte in Zeiten der permanenten Krise nicht aktueller und dankbarer sein.

Von Michael Moorstedt

Gut aussehen und wissen, wann man welche Phrase dreschen muss: Ben Schwartz, Kristen Bell, Don Cheadle, Josh Lawson (v.l.).

(Foto: Showtime Networks Inc.)

Was muss man leisten, um ein siebenstelliges Jahresgehalt einzufahren? Glaubt man Marty Kaan, reicht es schon, einigermaßen gut auszusehen und eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein sowie ein gutes Gefühl für Timing zu haben: um am richtigen Zeitpunkt die richtigen Phrasen zu dreschen. Als skrupelloser Unternehmensberater führt Kaan (Don Cheadle) eine Gruppe von Ivy-League-Absolventen ins Schlachtfeld der Arbeits- und Verteilungskämpfe, auf dem um die großen Boni gerungen wird. Sie sind teuer gekleidet und trainiert, auf jede Antwort mit denselben Fragen zu reagieren: Rentiert sich das? Lohnt sich das? Jeder betrügt und übervorteilt hier seinen Nächsten und hat auf die Frage der Kunden immer den gleichen Rat: "Feuern Sie doch ein paar Leute!"

In den USA gilt House of Lies als bester Serienstart des Jahres. Eine zweite Staffel wird gerade produziert. Das Setting könnte in Zeiten der permanenten Krise und des allgemeinen Wirtschaftsverdrusses nicht aktueller und dankbarer sein. Das Feindbild des gefühlskalten Technokraten hat sich in der Volkswahrnehmung zwar mittlerweile vom Consulting-Fuzzi auf die Bankster und Hedge-Fonds-Manager (vulgo: Heuschrecken) übertragen, alte Ressentiments bestehen freilich noch immer und sorgen für reichlich Erregungspotenzial auf Seiten des Publikums.

Trotzdem kann man schnell zu dem Eindruck kommen, House of Lies sei der Versuch, das Erfolgsrezept von Mad Men - Promiskuität, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und zwischenmenschliche Inkompetenz - in die Nullerjahre zu übertragen. "Work hard, party hard", mit dieser dumpfen Dichotomie lässt sich genau wie bei den Werbeleuten aus den 60er Jahren das Leben House of Lies-Belegschaft zusammenfassen. Mal sind sie Halsabschneider, mal Hedonisten - und wo besteht überhaupt der Unterschied zwischen den beiden Lebensmodellen? Schließlich geht es um den Exzess, ob am Verhandlungstisch, der Bar oder dem Schlafzimmer. Man bleibt auf Seiten der Gewinner.

Immer wieder friert die Handlung ein und Marty Kaan wendet sich an den Zuschauer, erklärt Business-Vokabeln, macht sich über seine Klienten oder Bettpartner lustig. Dieses Durchbrechen der vierten Wand geschieht in der eh schon atemlosen Serie aber doch zu häufig und bleibt deshalb eine nette Spielerei anstatt Kritikvehikel. Angst, Wut und Unverständnis der normalsterblichen Arbeiterschaft vor der Parallelgesellschaft der Unternehmensberatungen hat Rolf Hochhuth bereits 2004 in seinem Theaterstück "McKinsey kommt" thematisiert. Wo der alte Dramatiker aber vor allem auf Empörung setzte, versucht sich House of Lies an einem Psychogramm dieser Menschen, die mit einer Power-Point-Präsentation ganze Biografien umschreiben können.

Die Diagnose ist simpel und fällt nicht gerade schmeichelhaft aus. Die Serie basiert lose auf dem Buch House of Lies: How Management Consultants Steal Your Watch and Then Tell You the Time - einer Abrechnung mit seiner Branche, die der Autor Martin Kihn im Jahr 2005 verfasst hat. Kihn arbeitete drei Jahre als Unternehmensberater für Booz Allen Hamilton, einem der Branchenriesen, und beschreibt, wie er und seine Kollegen die Firmen, zu deren Rettung sie eigentlich gerufen wurden, gegen die Wand fahren. House of Lies hält sich an diese Prämisse. Der Berater wird zum Blender und ist auch noch stolz darauf.

House of Lies, AXN, von 29.11. an, 21.10 Uhr.

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