TV-Programm zum Erdbeben in Japan Großes Interesse an Sondersendungen

"Brennpunkt" statt Volksmusik: Die Öffentlich-Rechtlichen ändern ihr Programm, informieren über das Erdbeben - und haben damit Erfolg.

Von Christina Maria Berr

Für viele Fernsehzuschauer - und das ist vermutlich Fernsehwahrheit - war das ARD-Programm gestern eine große Enttäuschung: Denn der Musikantenstadl wurde nicht gesendet. "Musikantenstadl entfällt" - mit dieser Einblendung während einer Sondersendung zu den Folgen des verheerendes Erdbebens in Japan, informierte die ARD ihr Publikum. Damit reagierte die ARD auf die aktuellen Ereignisse und informierte seine Zuschauer über das Geschehen in der Erdbebenregion und mögliche Folgen des Atomunfalls.

Stattdessen zeichnete man den Musikantenstadl auf - und will ihn zu einem späteren Zeitpunkt senden. Für eine Liveproduktion ein durchaus beachtlicher Einschnitt. Und auch für den öffentlich-rechtlichen Kanal eine Herausforderung.

Schließlich waren auf einmal fast drei Stunden Sendezeit zur Primetime am Samstagabend frei - und diese mussten mit aktuellen Nachrichten gefüllt werden. Nach dem Brennpunkt folgte eine Dokumentation über Tschernobyl und danach wiederum zeigte man im Ersten eine längere Version der Tagesthemen.

Man wolle, verkündete die ARD gestern in einer Pressemittteilung, mit einem Brennpunkt und einem Beitrag zum Europamagazin über die Ereignisse in der Krisenregion informieren. Das haben der Intendant des innerhalb der ARD sendungsverantwortlichen Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, und der Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, Volker Herres, einvernehmlich mit den Programmverantwortlichen von ORF und SRG entschieden".

Spiegel verschiebt Andruck

Das Ergebnis in Zuschauerzahlen gemessen: 5,6 Millionen Menschen sahen den Brennpunkt, über die Tagesschau um 20.15 Uhr informierten sich sogar zwölf Millionen Zuschauer - ein Marktanteil von 38,5 Prozent. Das waren drei Mal so viele Zuschauer, wie die heute-Sendung im ZDF eine Stunde zuvor verzeichnen konnte.

Dort kamen ebenfalls viele Sondersendungen zum Einsatz. Doch dass gerade in der ARD diese Sendungen derart hohe Quoten vermelden, lag vermutlich nicht nur an dem hohen Informationsbedürfnis der Zuschauer allein, sondern auch an der ausgefallenen Musikantenstadl-Show. Dann auf die Sendung zum 30-jährigen Bestehen der Volksmusikschunkelsendung hatten sich anscheinend schon viele gefreut - und rechtzeitig eingeschaltet. Doch dann mussten Andy Borg und seine Mitmusikanten wie Hansi Hinterseer, DJ Özti und Stefanie Hertel den aktuellen Geschehnissen in Japan weichen. Die Zuschauer blieben also zunächst, wanderten später aber auch zu Deutschland sucht den Superstar auf RTL ab, das knapp sieben Millionen Zuschauer melden konnte.

Dennoch war und ist das Informationsinteresse ungewöhnlich hoch, weswegen etliche Sender weiterhin in Sondersendungen über die Katastrophe informieren.

Auch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, das regulär am Montag erscheint, stoppte seinen Druck und produziert angesichts der Ereignisse eine neue Titelgeschichte. Zumindest in einem Teil der Auflage kann somit auf die Nachrichtenlage reagiert werden.