TV-Kritik zu Gottschalk bei Lanz Gottschalk: "Ich bin eine Legende!"

Dieser Unterschied zwischen Lanz und Gottschalk wird im Laufe der Sendung immer wieder deutlich: Lanz setzt ein paar wohlplatzierte Zwischenbemerkungen zur rechten Zeit, die auch für Lacher sorgen - das Publikum auf seine Seite zieht aber immer wieder Gottschalk, weil er es schlichtweg zutextet mit wohlig klingenden Worthülsen und seinem sonnigen, verbindlichen Gemüt. Wer allerdings darauf gewartet hat, dass sich Lanz und Gottschalk hier irgendwie dazu äußern, wie sie nun wirklich zueinander stehen, der wird enttäuscht.

Auch das Interview im Focus, bei dem Lanz angeblich gesagt haben soll, Gottschalk wolle der Sendung schaden, indem er zeitgleich mit Das Supertalent bei RTL gegen Wetten, dass..? im ZDF antrete, wird mit keinem Wort erwähnt - und somit auch nicht aufgeklärt. Stattdessen sieht man zwei Entertainern dabei zu, wie sie sich im besten Lichte darstellen, in ihrem jeweiligen Image sonnen und selbstbestätigen: Lanz, der kritische aber charmante Nachhaker, Gottschalk, der unkritische aber auch angstfreie Entertainer. Dennoch schaffen sie es, ein durchaus amüsantes 75-minütiges Gespräch zustande zu bringen, obwohl sie fast nur über sich selbst reden. Beziehungsweise vor allem über Gottschalk.

Anstelle dieses eigentlich interessanten Punktes, der Rivalität der beiden Moderatoren, geht es um das Scheitern von Gottschalk im ARD-Vorabend (Gottschalk: "Wenn du Arzt bist und eine Operation versemmelst, richtest du großen Schaden an - aber nicht als TV-Moderator, der eine Sendung vergeigt"), um die Frage, warum er sich das überhaupt angetan habe nach 23 Jahren erfolgreicher Wetten, dass..?-Moderation (Gottschalk: "Glaubst du, dass irgendein Mensch Blümchen gestreut hätte, wenn ich irgendwo in Malibu sitze und angele? Wenn du weg bist, bist du weg!"), bis zu der Frage, warum er sich daraufhin auch noch die Ko-Moderation beim RTL-Supertalent neben Dieter Bohlen aufgebürdet habe (Gottschalk: "Da habe ich einen Fehler gemacht, über den ich mich ein bisschen ärgere: Das Ding macht Spaß, aber ich sitze da mit dieser bildungsbürgerlichen Haltung, von der ich glaube, dass man sie mir ein bisschen unterstellt. Aber jetzt kommen die Live-Shows, das kann ich besser, und danach werde ich mich mit RTL darüber unterhalten, wie es weitergeht. Wenn ich mich bei dir hinsetze und du sagst hinterher, den Gottschalk hätte ich mir auch schenken können, bin ich genauso unglücklich wie du.").

Unglücklich werden über diesen Abend aber weder Lanz noch Gottschalk sein, denn beide haben ihre Sache durchweg erstaunlich gut gemacht in einem teils erstaunlich offenen, teils erstaunlich kampfeslustigen und teils erstaunlich unterhaltsamen Gespräch. Sieht man einmal davon ab, dass es drängendere Themen gäbe, die die Welt bewegen dürften als die Befindlichkeiten eines alternden Showmoderators und den Rückblick auf sein öffentliches Leben (Lanz: "Du warst eine Legende." Gottschalk: "Nein: Ich bin eine."), abgesehen davon also darf man trotz gelegentlicher Zweifel attestieren, dass hier zwei Menschenkinder wohl einfach den passenden Beruf erwählt haben: Einigermaßen geistreich unterhalten und dem Publikum einen netten Abend bereiten, das können sie. Und zwar beide, auf ihre Art.

Dass der eine dabei ein bisschen wie ein schmieriger Banker wirkt (da hat Tom Hanks schon recht gehabt) und der andere manchmal wie ein krankhafter Schwatzonkel (Gottschalks eigene Worte, auch wenn er einen anderen Eindruck erwecken wollte): geschenkt. Das Fernsehen ist eben eine merkwürdige Angelegenheit. Aber bisweilen ziemlich unterhaltend.

Zwei Grinsekater im Wunderland, mitten in der Nacht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nur um sich selbst scharwenzelnd, das erreicht schon eine nahezu surreale Ebene, für die man den Machern der Sendung fast dankbar sein muss. Denn Plattitüden gänzlich ohne Inhalt gibt es ja andernorts schon genug im deutschen Fernsehen.

Und immerhin nutzte Gottschalk die Sendung, um öffentlich zu verkünden, dass er mit seiner neu geplanten Show in der ARD keinesfalls noch einmal gegen Lanz werde antreten wollen, zumindest nicht auf demselben Sendeplatz. Worüber der Jüngere dann doch recht dankbar war. Mit dieser Verbrüderungsgeste dürfte weiteren Spekulationen über Rivalitäten der beiden Entertainer fürs Erste ein Riegel vorgeschoben sein. Für wen auch immer das wichtig ist.