Mit Heidi Klum aufs Gepäckband oder mit Stefan Raab in die Eisröhre: Im deutschen Fernsehen führen immer mehr Bildungswege zum Berufsziel D-Promi.
Eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) hat ergeben, dass für viele Jugendliche der Berufswunsch vor dem Fernseher entschieden wird. 63 Prozent der Befragten etwa sagen, dass sie sich, seitdem sie Germany's Next Topmodel sehen, vorstellen können, Model zu werden.
Rodel-Legende Georg Hackl bleibt Sieger in der Wok WM von Stefan Raab. (© Foto: dpa)
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Auch für die Berufsausbildung spielen neue Sendeformate eine entscheidende Rolle: Viele glauben, bei Heidi Klum lernen zu können, wie man sich erfolgreich anpasst und einen statushohen Beruf erlangen kann. Der D-Promi (korrekt: Diplom-Promi) ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Bei Pro Sieben wurde nun an gleich zwei Abenden hintereinander um qualifizierende Titel gekämpft: am Donnerstag um das "Modeldiplom" bei Heidi Klum, am Freitag bei der achten "Wok WM 2010" von Stefan Raab - der größten, die es jemals gegeben hat - mit ebenso hartem Körpereinsatz um ein "Rodeldiplom". Denn eins ist klar: Ohne anerkannten Abschluss kann man sich heutzutage seine Träume abschminken.
Das Modeln, also das Diplommodeln, unterscheidet sich nämlich vom Modeln ohne Modeldiplom. Ebenso ist das Diplomrodeln nicht zu vergleichen mit dem Normalrodeln ohne Diplom. (Ähnliches gilt übrigens für das Jodeldiplom: Das gibt es allerdings nur bei Dieter Bohlen auf RTL.)
Natürlich ist die Entwicklung zu begrüßen. Der Privatsender Pro Sieben springt ein, wo die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihren Bildungsauftrag vernachlässigen. Doch was bringen die heiß begehrten Diplome wirklich? Qualifizieren sie für den harten Berufsalltag als D-Promi? Im Faktencheck von sueddeutsche.de erfahren Sie alles, was Sie in Zukunft wissen müssen.
Numerus Clausus: Germany's Next Topmodel (GNTM): 90-60-90 oder alles, was nicht zu sehr von diesem Universalmaß, das den idealen Brust-, Taillen- und Hüftumfang definiert, abweicht. Bei der Verteilung dieser Richtwerte gibt es keinen Spielraum: Bei Proportionen von 90-90-60 (Figurtyp "Silo") oder 60-90-60 (Figurtyp "Python, die ein mittelgroßes Schwein verschlungen hat") drückt die Jury kein Auge zu. Als Faustregel gilt: Lange dünne Langhaarige sind eindeutig im Vorteil.
Wok-WM: Diplomanden vom Figurtyp "Silo" oder "Python, die ein mittelgroßes Schwein verschlungen hat", müssen sich nicht verstecken. Teilnehmer Elton (geschätzte Maße: 110-110-110) bringt, inklusive Ausrüstung, 137 Kilo auf die Waage. Als Faustregel gilt: Lange dicke Kurzhaarige sind eindeutig im Vorteil.
Sonstige Zulassungsvoraussetzungen: GNTM: kein Schulabschluss erforderlich. Beine, die noch länger sind als die Haare auf Heidis Zähnen und ein unverbrauchtes, formbares Ego sind jedoch Voraussetzung.
Wok-WM: Wer nicht gerade die Wildcard ergattert hat, muss für die Teilnahme mindestens Promi der Kategorie E bis Z sein. Das hört sich schwieriger an, als es ist. So waren am vergangenen Freitagabend auch Teilnehmer mit eigentlich bürgerlichen Berufen, S(chrottplatzbesitzer)-Promi Manni Ludolf, R(ichter)-Promi Alexander Hold oder W(eltmeister-Fußballer)-Promi Guido Buchwald am Start.
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