TV-Kritik: "Traumhochzeit" Zu glatt, zu einstudiert

Unbeschriebene Blätter also, alle beide, irgendwie. Jeder mag seine Fans haben, aber die Mengen halten sich in Grenzen. Und weichgespült sind sie beide, irgendwie. Sie spulen die Vorstellungen ab, sprechen kurz mit den Kandidatenpaaren, huschen durch's Publikum. Aber so richtig springt der Funke nicht über. Zu glatt, zu einstudiert wirkt das alles. Und der gelegentliche Herrenwitz à la "Was liegt auf dem Nachttisch und vibriert - der Wecker" von Dibaba ist so alles andere als komisch

Spiele müssen die Paare miteinander durchstehen, die alle vorbei sind, ehe sie so richtig angefangen haben. Was bei Stefan Raab zu lange dauert, ist hier vorbei, ehe man zu wirklich Spannendem vorgedrungen ist. Ganz nett: Dibaba durchpflügt die Wohnungen der Kandidaten und stellt dabei verschiedene vermeintlich einfache Fragen, die die Kandidaten regelmäßig scheitern lassen: "Wie viele Steckdosen sind unter dem Spiegel im Bad". Oder: "Was ist in dem Behälter in der Küche ganz rechts unten?" Nicht so richtig schwierig, aber dennoch offenbar kniffelig für die Paare, die angetreten sind, am Ende der Sendung live im Studio getraut zu werden.

"Die Frauen haben die Hosen an und die Männer schauen Pornos", das ist die Erkenntnis des Paar-Checks, bei dem die Hochzeitsgesellschaften ihr Wissen über das Brautpaar zeigen müssen. Aha. Beim Tanzen müssen die Paare Hüften kreisen lassen und Taktgefühl beweisen, das Publikum stimmt ab. Und bei einem Spielchen namens Feuer und Flamme, bei dem die allesamt langhaarigen Damen wohl aus Feuerschutzgründen mit einem Beutel auf dem Kopf teilnehmen müssen, sollen brennende Herzen per Katapult in einen Bottich befördert werden. Auch das ist mäßig spannend und geht schnell vorbei.

Wirklich spannend und vergleichsweise ungeschnitten wirkt der Klassiker im neu aufgelegten Klassiker: Die Champagner-Pyramide. Abwechselnd müssen die Pärchen gefüllte Champagnergläser aus einer aufgestapelten Pyramide ziehen. Für das Paar, bei dem das wackelige Konstrukt einstürzt, ist der Traum in Weiß geplatzt. Lange sehen Isabel und Tobias, die blonde Studentin und der Headhunter, nach dem Paar aus, das die Standesbeamtin in den letzten zehn Minuten der Sendung trauen wird. Doch unter Isabels Hand bricht die Pyramide zusammen. Und der sehr ehrgeizig wirkende Bräutigam in spe, der seine "extreme Höhenangst" für einen Hollywood-Antrag überwindet, muss mit einem Gutschein für Flitterwochen statt einer Traumhochzeit das Studio verlassen. Glücklich sah er nicht aus.

Ganz anders Karim und seine Holde, der Schalke-Fan. Beide vollführen Luftsprünge, als die Pyramide zusammenbricht und wissen nicht so recht, wen sie zuerst umarmen und herzen sollten. Schnell werden beide hinter die Bühne verfrachtet, während ein kleiner Trau-Platz hergerichtet wird. Karim im schwarzen Anzug, seine Braut in einer voluminösen, schulterfreien Kreation mit Schleppe und Schleier. Beide offensichtlich glücklich und auf einmal ein bisschen schüchtern.

Aber gut. Das Ziel der Show ist erreicht, zwei Menschen heiraten. Linda de Mol ist jetzt schwarz, wie Moderator Dibaba zu Beginn der Sendung so eloquent bemerkte. Und der bewegendste Moment der Show passiert noch vor der ersten Werbeunterbrechung. Da nämlich kommt überraschend die offenbar aus Algerien eingeflogene Mutter des Deutsch-Algeriers Karim ins Studio, die das Brautpaar seit langem nicht gesehen hat. Die kleine Frau mit Kopftuch und Brille herzt ihren Sohn und dessen Verlobte, ganz ohne Rücksicht auf Kameras und Studio-Publikum. Ein echter Gänsehaut-Moment.