TV-Kritik: "Traumhochzeit" Kitsch ohne Herz

Neuauflage der legendären "Traumhochzeit". Vieles ist genau so, wie es auch vor zwanzig Jahren schon war.

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Linda de Mol und die Traumhochzeit: Das waren noch Zeiten. Große Gefühle, Kitsch und eine Champagner-Pyramide, aus der jeder mal einen Kelch ziehen wollte. Wenigstens die ist geblieben, in der blutleeren Neuauflage der einstigen Kultsendung.

Eine TV-Kritik von Verena Wolff

Schalke und der BVB - das geht eigentlich nicht zusammen. Paare, bei denen der eine Fan von Blau-Weiß und der andere von Schwarz-Gelb ist, sind eine echte Rarität. Und dass ein Mann in das Stadion des Erzrivalen geht, um der Geliebten einen Heiratsantrag zu machen - das muss wohl eine Premiere gewesen sein. Als "Vorhof zur Hölle" hat der Gelsenkirchener Krankenpfleger Karim den Eingangsbereich zur Veltins-Arena im Stadtteil Schalke bezeichnet. Nie hatte er das Stadion zuvor betreten, in dem seine langjährige Freundin Marina einen Stammplatz hat. Die wähnte sich bei einem Abendessen mit der Mama. Und bekam stattdessen einen Heiratsantrag.

So sieht sie aus, die Neuauflage der "Traumhochzeit". Headhunter Tobias seilt sich trotz Höhenangst von einem Frankfurter Hochhaus ab, um seiner Isabel die alles entscheidende Frage zu stellen. Und während Andrea aus Leipzig nichtsahnend im Studio-Publikum sitzt, flimmert ihr Dennis mit Liebesschwüren über die Monitore. Kaum hat sich das erste Staunen gelegt, kniet der 35-Jährige auch schon vor der Mutter seiner beiden Kinder und hält vor laufender Kamera um ihre Hand an.

Mit einem simplen Kniefall hätte Karim seiner Marina nicht kommen brauchen, wie er vor seinem Antrag der Moderatorin anvertraut. Ein bisschen pompöser durfte es schon sein für die Krankenpflegerin. Pompös ja, außergewöhnlich auch - aber vielleicht auch ein kleines bisschen übertrieben? Feuerwerke schon beim Antrag?

Die Traumhochzeit will sich modern geben, vier Jahre nach der gefloppten Neuauflage der Sendung im ZDF und zwölf Jahre nach ihrem Ende bei RTL. Das war noch was, damals - Schnulzenfernsehen par excellence. Vor allem die Damen ab 30 werden sich erinnern. Linda de Mol, die Moderatorin mit blonder Fönwelle und dem Charme von Frau Antje, die ziemlich viel ziemlich süß fand. Die ihre Kandidaten auch mal in den Arm nahm und gute Ratschläge gab. Die einfach aus einer anderen Zeit ist.

Zu glatt, zu einstudiert: Die Moderatoren Yared Dibaba und Susan Sideropoulos. 

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Damals mischte RTL, das Privatfernsehen, die Sehgewohnheiten des Publikums auf. Statt "Einer wird gewinnen" gab es plötzlich "Die 100.000 Mark Show", "Tutti Frutti", "Alles nichts oder" - Formate, die schriller, schneller, lauter und bunter waren als alles, was das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu bieten hatte. Und eben die Traumhochzeit. Linda de Mol, viel Kitsch, die Annahme, jeder Mann müsse vor seiner Zukünftigen auf die Knie fallen - und all diese Spiele, die dem Publikum das Paar ein bisschen näher bringen sollte.

Und jetzt? Ist vieles genau so, wie es auch vor zwanzig Jahren schon war. Allerdings: Das Studio erinnert an das Bühnenbild von "Wetten, dass..?", eine lange helle Couch dominiert das Bild. Die Moderatoren: Susan Sideropoulos (32) und Yared Dibaba (43). Sie: früher eines der Sternchen bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und Tänzerin bei der sendereigenen Show "Let's Dance". Er: Moderator beim NDR, unter anderem vor der Kamera für die Sendung "Land und Liebe" - so etwas wie die öffentlich-rechtliche Version von "Bauer sucht Frau".