Während man für Kanzlerin Merkel den roten Teppich ausrollt, wird Guido Westerwelle mit schlechten Umfrageergebnissen gepiesackt. Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem der FDP-Chef vor der Kamera zu kämpfen hat.
Guido Westerwelle kann dem Zuschauer fast leidtun am Sonntagabend: Im ZDF-Sommerinterview stochert Journalist Peter Hahne ausgiebig und breit grinsend in der vielleicht größten Wunde des Parteichefs, Vizekanzlers und Außenministers - es geht um die miserablen Umfragewerte der FDP. Sie hatte bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr noch 14,6 Prozent bekommen und hätte Umfragen zufolge nun Mühe, die Fünfprozenthürde zu nehmen.
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Große Dialoge, kleiner Inhalt: Vizekanzler Guido Westerwelle und Kanzlerin Angela Merkel gaben sich in den Sommerinterviews die Ehre. (© Reuters)
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So gesehen müsste sich Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel - im Sommerinterview im Ersten - ebenfalls hartnäckige Fragen gefallen lassen, schließlich ist unter ihrer Führung die Regierungskoalition in den Augen der Wähler rasanter abgestiegen als jede andere zuvor - und das, obwohl die Wirtschaft trotz Krise wieder anzieht. Doch für Angela Merkel rollen beim Sommerinterview in der ARD Ulrich Deppendorf und Rainald Becker den roten Teppich aus.
Im Vorspann klingt das noch anders, da stellt die ARD sie vor als "die Frau, die seit fast einem Jahr versucht, die Streithähne in ihrer schwarz-gelben Wunschkoalition zu bändigen". Doch dann lassen die Journalisten es nach einer höflichen Nachfrage durchgehen, dass Angela Merkel kurz lieb lächelt und sagt, man müsse den Bürgern künftig genauer erklären, wie die Politik zu ihren Entscheidungen komme.
Dabei scheint es, als hätten im vergangenen Jahr die Wähler genauer als sonst mitbekommen, was hinter den Kulissen läuft. Schließlich wurde nicht in jeder Regierungskoalition schon zu Beginn der Legislaturperiode so offen geschimpft wie in dieser.
Im ZDF schlägt Guido Westerwelle seinerseits vor, die Lage durch mehr Reden zu verbessern, durch Reden über die Erfolge. Aber noch bevor er auch nur eine Handvoll davon aufzählen kann, erinnert ihn Hahne daran, dass selbst Leute aus der eigenen Partei nicht glauben, dass das reicht, sondern dass Westerwelle den FDP-Vorsitz aufgeben muss. Das will Westerwelle nicht. Aber den anderen im Interview den Mund verbieten und damit das Problem öffentlich zugeben, will er auch nicht.
"Das ist nur menschlich"
Westerwelle möchte stattdessen endlich aufhören, über Umfragen zu reden. "In Deutschland zählen immer noch Wahlen", sagt er. "In den letzten Interviews fanden Sie es ganz toll, über Umfragen zu reden", stichelt Hahne, weil seine Partei da noch oben gewesen sei. Da sagt Westerwelle etwas, das sympathisch und souverän wirken könnte, doch er klingt dabei äußerst frostig: "Da gebe ich Ihnen ohne weiteres recht. Das ist nur menschlich."
Das ist der große Unterschied zwischen Westerwelle und Merkel: Er zeigt seinen Ärger offen, wenn er provoziert wird. Am Sonntagabend fällt das umso mehr auf, als Peter Hahne beim Piesacken in Westerwelles Heimatstadt Bonn seine geradezu unerträglich gute Laune zur Schau trägt. Es wirkt wie eine Parodie auf Westerwelles früheres Dauergrinsen. Merkel dagegen lächelt hin und wieder fein über die Terrasse des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses in Berlin und zeigt sonst ihr Pokerface.
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Frauen in Saudi-Arabien
Schon die erste Frage in diesem Interview, die seine Meinung zu den Forderungen nach seinem Rücktritt vom Amt des FDP-Chefs betraf, hat er in bekannter Weise über- und fehlinterpretiert, indem er antwortete, dass er jetzt noch nicht aus der Politik ausscheiden möchte - als ob irgendjemand seinen völligen Rückzug aus der Politik gefordert hätte. Diese Art des Umgangs mit kritischen Fragen hat Westerwelle jetzt schon mehrfach seit der Bundestagswahl gezeigt und ich fände es endlich einmal an der Zeit, dass seine Gesprächspartner ihm diese Vernebelungstaktik nicht mehr durchgehen ließen.
.dass sie uns viel besser erklären wollen, wie wir in diesem Land zu Entscheidungen kommen. Endlich einmal jemand der uns nicht in unserer geistigen Umnachtung lässt. Wir die Trottel, die nur X'e auf Zettel machen ,wollten ja schon immer mal wissen was dahintersteckt.
Neue Regel für die SZ: Westerwelle Kommentare darf nur der Denkler schreiben. Westerwelle ist Satire, so hat man die Type dann auch zu kommentieren.
Die Sommerinterviews der staatlichen Propagandasender sind mMn so ziemlich das schlechteste Stück "Journalismus" welches seit langer Zeit dem Bürger präsentiert wird, Meinungsmache pur.
"nach der großen Finanzkrise hätten sich die Prioritäten verändert. An erster Stelle stehe jetzt die Konsolidierung des Haushalts."
Ah, ja? Sie tun gerade so, als sei die große Finanzkrise erst einen Tag nach der letzten Bundestagswahl gekommen. Da wollen wir doch die Kirche mal schön beim Dorf lassen, Herr Westerwelle. Ihre tollen Steuersenkungspläne waren nichts als ein billiges Wahlversprechen, von dem jeder, der einigermaßen klaren Verstandes war - und das waren damals beleibe nicht alle - wusste, dass das heiße Luft ist.
Jetzt zu sagen, die Prioritäten hätten sich verändert, ist Heuchelei. Die Prioritäten hatten sich schon lange vor der letzten Bundestagswahl verändert.
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