Showdown bei Plasberg: Thilo Sarrazin räumt einen "Blackout" ein und drängt Michel Friedman in die Schmollecke. Ein munterer Abend zwischen Unfug, Goethe und einer überraschenden Rechnung.
Die Sarrazin-Festspiele dauern an. Deutschland redet sich die Köpfe heiß über das, was der Bundesbank-Vorstand geschrieben hat oder geschrieben haben soll, was er sagte, was er andeutete und was er eigentlich gemeint haben will.
In der TV-Arena von "Hart aber fair" setzte der streitbare SPD-Mann und Buchautor Thilo Sarrazin die Debatte um sein jüngst erschienenes Werk "Deutschland schafft sich ab" fort. Bei Frank Plasberg diskutierte er unter anderem mit Michel Friedman. (© Reuters)
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Für das Fernsehen ist Thilo Sarrazin ein Glücksfall. Er scheint in seiner spröden Umständlichkeit geradewegs einer anderen Welt entsprungen, einer Welt namens Wirklichkeit. Deshalb kann er dem Fernsehen jenes Quantum Unverstelltheit liefern, auf die das Medium versessen ist wie der Braunbär auf den Honig.
Aus demselben Grund aber gelang es Reinhold Beckmann am Montag nicht, den störrischen Sonderling mit fernsehtypischer Einkreisungstaktik mürbe zu reden. Die Empörung aus vielen Mündern perlte an Sarrazins gediegener Langsamkeit ab. "Alle gegen Thilo" war das falsche Motto. Würde Frank Plasberg es besser machen?
Plasberg hatte aus den Fehlern seines ARD-Kollegen gelernt. Auf das mit fünf Teilnehmern kleiner dimensionierte Podium von Hart aber fair war mit dem Historiker Arnulf Baring auch ein Sarrazin-Sympathisant geladen worden. Er durfte neben der Hauptperson Platz nehmen, die ganz außen am linken Rand positioniert war, und wirkte so als therapeutischer Puffer, als Bindeglied und Palliativ zugleich.
Baring lobte Sarrazins Buch Deutschland schafft sich ab in den höchsten Tönen. Zweimal war es ihm eine Gedankenkette aus vier Adjektiven wert: Das Buch sei ein "sehr seriöser, ernsthafter, nachdenklicher, gut belegter Essay". Die Debatte, die es anstoße, nannte Baring "vernünftig, wichtig, zukunftsfähig, dringend".
Wie nämlich halten es die muslimischen Migranten mit Deutschland, wie hält es Deutschland mit ihnen?
Flucht ins Technokratendeutsch
Am anderen Ende der gebogenen Tafel wartete Rudolf Dreßler auf seine Einsätze. Der Hart aber fair-Routinier sollte den klassischen Markenkern der SPD vertreten und dessen Unvereinbarkeit mit Sarrazins neuen Thesen darlegen. Als es aber zum Schwure kam, flüchtete Dreßler ins Technokratendeutsch.
Sarrazins Auffassungen, hob er an und spickte zum Zettel, seien "mit den statuarischen und ideologischen Grundsätzen der Partei nach Auffassung des Parteivorstandes nicht in Einklang zu bringen." Das Parteiordnungsverfahren gehe nun seinen "ordnungsgemäßen Gang".
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Etwas voreilih hatte ich triumphiert Sarrazin hätte Wandrers Nachtlied ganz falsch zitiert, jetzt musste ich lernen, dass tatsächlich zwei Gedichte von manchen Heruasgebern unter diesem Titel geführt werden. Eines trägt manchmal dann den Titel: Ein gleiches als Untertitel. Der wird manchmal auch weggelassen.
Trotzdem kann aber Sarrazin kein guter Kenner sein, sonst hätte er gefragt: Welches.
...wirklich ab. Wir sind tatsächlich nicht mehr in der Lage, bestimmte Sachfragen in der Öffentlichkeit mit Distanz und Gelassenheit zu diskutieren. Wir gehen sofort dazu über, Personen mundtot zu machen, die nicht konsensfähige Fakten präsentieren oder Meinungen äußern. Das steht im eklatanten Widerspruch zu dem Grundprinzip einer liberalen Demokratie.
Von der Berichterstattung der Sueddeutschen Zeitung über den Fall Sarrazin bin ich sehr enttäuscht. Mir fehlt die entschiedene Verurteilung der widerlichen, rechtsradikalen Thesen des Herrn Sarrazin. Bie diesem Artikel scheint mir sogar fast Sympathie für Herrn Sarrazin durschzuscheinen ("müde und enttäuscht(?)" nach den Fragen der deutschtürkischen Moderatorin). Ich hoffe dies ist nur ein Eindruck!!
Ich finde es immer wieder amüsant wie Populisten, nicht selten Rechtspopulisten, immer wieder auf ihr recht der Freien Meinungsäußerung, oder Demokratie pochen.
Ich gebe ihnen den Rat sich überhaupt über diese Themen gedanken zu machen. Einen Tipp habe ich für Sie noch:
Die Freiheit des einen hört da auf, wo die des anderen anfängt.
Interessant übrigens wie sie einen Rechtspopulisten mit einem Hang zur Rassentheorie mit einem Opfer des Nazideutschlands vergleichen.
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