Eine kleine Nachtkritik von Katharina Riehl

"Alkohol - bester Freund oder schlimmster Feind?", fragt Sandra Maischberger und hat einen Gast geladen, der etwas zu offen über seine Vorliebe für Hochprozentiges spricht.

Schon als Wolfgang Völz mit dem Fahrsimulator das kleine Mädchen überfährt, ist man nicht mehr ganz sicher, ob die Wahl dieses Gastes ein besonders gelungener Griff war. Wolfgang Völz, 79 Jahre alt, berühmt geworden als Teil der Besatzung der Raumpatrouille Orion und in einer Vielzahl von Edgar-Wallace-Filmen, soll zu Beginn von Sandra Maischbergers Diskussionsrunde zum Thema "Alkohol - bester Freund oder schlimmster Feind?" die Auswirkungen von Alkoholkonsum auf die Fahrtüchtigkeit demonstrieren.

Menschen bei Maischberger, Sandra Maischberger, Foto: dpa

Ließ ihre Gäste über Alkohol und seine Gefahren diskutieren: ARD-Moderatorin Sandra Maischberger. (© Foto: dpa)

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Also setzt man ihn hinter ein großes Plastiklenkrad, lässt ihn eine virtuelle Straße hinunterfahren, ein paar virtuelle Gehsteige mitnehmen, ein virtuelles Kind über den Haufen fahren - und ein bisschen davon erzählen, wie er auch auf echten Straßen gerne betrunken sein Auto steuert.

Einer liefert die Vorlagen

So lässt ihn Sandra Maischberger für ihre weiteren Gäste (zwei ehemalige Alkoholiker, ein erwachsener Sohn eines alkoholkranken Vaters, ein Suchttherapeut, ein Bierbrauer) die Vorlage für den ersten Teil der Diskussion liefern. Thema: Mit wie viel Bier im Blut sollte man noch ein Auto bedienen?

Die nicht ganz von der Hand zu weisende Frage, ob die Überforderung des Herrn Völz vielleicht neben der vom Computer simulierten verlangsamten Reaktionszeit und dem eingeschränkten Sichtfeld auch daher rührt, dass Computerspiele und Fahrsimulatoren wahrscheinlich nicht zu den üblichen Spielzeugen des Schauspielers gehören, wird ausgespart.

Ja, Vorlagen liefert Wolfgang Völz an diesem Abend so einige: Zum Beispiel als er erzählt, dass er in der Früh schon mal ein Gläschen Wein trinke, weil das Leben dann so schön viel schummriger aussieht. Oder als er fragt, ob es ein schlechtes Zeichen sei, dass er sich seit neuestem manchmal nachts auf dem Weg aufs Klo verläuft. Oder Geschichten, wie er mit 13 Jahren zum ersten Mal Alkohol getrunken hat und wie er schon sehr oft betrunken auf der Bühne stand.

Bis einen irgendwann das ungute Gefühl beschleicht, dass Herr Völz die Wirkung solcher Sätze auf das Fernsehpublikum einer ARD-Talkshow nicht ganz so vollständig einschätzen kann - und sein vielleicht etwas zu offener Umgang mit seinen Trinkgewohnheiten dem Versuch enspricht, eine gelungene Sendedramaturgie hinzubekommen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die Gesprächsrunde neben Klischees wenig neue Erkenntnisse zum Thema hervorbringt.

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  1. Sie lesen jetzt Das Gläschen am Morgen
  2. Erschreckende Erlebnisse, erschreckende Statistiken
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