Integrieren, assimilieren, vereinigen - oder doch aneinander vorbeireden? Bei Illner diskutieren Wowereit, Broder und Dobrindt über Kruzifixe, Kopftücher und türkische Ministerinnen.
Selten hat es sich weniger gelohnt, bei einer Talkrunde auf das von einer wortspielverliebten Redaktion eigentlich vorgegebene Ausgangsthema zurückzukommen als in der hitzigen, aber viel zu sprunghaften Runde von Maybrit Illner.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit zu Gast bei Maybrit Illner. (© Foto: dpa)
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Mit dem platten Motto "Kruzitürken" konnte mitten im Berliner Hauptstadtstudio am ehesten noch der christsoziale Spree-Bayer Alexander Dobrindt, Anwalt der freistaatlichen Schul-Kruzifixe, etwas anfangen. "Unsere christlichen Symbole sollten wir nicht verstecken", mahnte er eifrig an. Die im Titel nachgeschobene Frage "Sind wir offen für muslimische Minister?", die sich auf die Vereidigung der niedersächsischen CDU-Sozialministerin Aygül Özkan bezog, nahmen die Anwesenden zum Anlass über vieles, vor allem aber über ihre Lieblingsthemen zu reden.
Nicht in die Betten hineinregieren
Für die Frauenrechtlerin Seyran Ates, die schon häufiger bei Illner zu Gast war, lief die Frage letztlich auf ihre wiederholt gestellte Forderung nach einer sexuellen Revolution in den islamischen Gesellschaften hinaus. Nur wenn nicht unter dem Vorwand einer Religion in die Betten hineinregiert werde, könnten auch Auswüchse wie Zwangsverheiratungen in Parallelgesellschaften verhindert werden - und Sex unter muslimischen Jugendlichen zur selbstbestimmten Selbstverständlichkeit werden.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit nutzte die Gelegenheit, recht pauschal mit allen auch in Berlin vertretenen intoleranten Glaubensgemeinschaften ins Gericht zu gehen und etwa das Frauenbild orthodoxer Juden ebenso zu rüffeln wie die Haltung von Erzkatholiken gegenüber homosexuellen Lebensgemeinschaften. Dass in Dobrindts CSU-Heimat Bayern trotz eines nicht ganz unumstrittenen Verfassungsurteils die Kreuze weiterhin hängen, quittierte er mit Spott und warf der CSU vor, "dauernd zum Verfassungsaufbruch" aufzurufen. "Der Freistaat hat die Klage verloren", blaffte er den Generalsekretär an. "Nehmen Sie doch mal als Demokrat zur Kenntnis, dass Sie eine schallende Ohrfeige erhalten haben."
Überraschung: Broder explodiert nicht
Ali Kizilkaya, Vorsitzender des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland, kritisierte die "Doppelmoral" in der Debatte. "Ich als Muslim fühle mich von Kruzifixen nicht gestört", erklärte er freimütig. Politiker, die Özkans ursprüngliche Kritik an christlichen Symbolen in staatlichen Schulen beklagten, machten sich gleichzeitig für eine Einhaltung des Kopftuchverbots stark. So weit, so verworren.
Die einzige Überraschung: Henryk M. Broder explodierte nicht. Dem wortgewandten Provokateur traut man eigentlich die Rolle des Zündlers zu. Wenigstens zu Beginn einer zunehmend verfahrenen Diskussion hielt er sich merklich zurück, gab sich fast staatsmännisch milde. "Die Menschheit hat schon Schlimmeres erlebt", sagte er zur Debatte um die erste muslimische Ministerin und erwähnte in einem Atemzug den ersten schwarzen Präsidenten Obama, die "Ossi-Frau" als Kanzlerin und den "offen homosexuellen Außenminister". Mit Statements wie "Migranten sind in der Pflicht, sich um ihre Integration zu kümmern" goss er sogar Wasser auf die Mühlen des CSU-Manns Dobrindt.
Lesen Sie weiter, wie die Comedy-Einlage des "Integrators" alle Anwesenden im Studio verwirrte.
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Werter@ ewazzy,
Der Inhalt ihres Kommentares ist begrüssentswert. Nur beinhaltet er einen Wunschtraum, da der Michel sau dumm ist. Denken sie mal an das Konkordat zwischen den Nazis und der KKirche.
Und zur Erinnerung, wer hat den schlimmsten Verbrechern der
Neuzeit die Flucht und das Entziehen vor einer gerechten Strafe
ermöglicht - die Kurie in Rom.
Obwohl eine Trennung zwischen Kirche und Staat besteht wird
dieses täglich vom deutschen Michel geleugnet. z.B Kruzefixe in
staatlichen Schulen, Ministern, die beim Amtseid den Gott um
Hilfe anrufen, um ihre Unfähigkeiten besser kaschieren zu können und keiner zieht sie zur Rechenschaft, man zeichnet sie noch aus und stellt sie als Vorbild hin. Armer,armer Michel. Nun können Rotdrücker wieder tätig werden oder der Zensor.
Trotzdem danke für ihren Kommentar, ein schönes Wochenende ohne die K.
Es waere wuenschenswert wenn Deutschland das erste Land waere, das Religion eine Privatangelegenheit erklaeren wuerden und erklaere, dass Religion keinen Platz im Staatsbetrieb hat.
Deutschland sollte dem 'erzreligioesem Amerika' zeigen, was Trennung von Religion und Staat bedeutet.
... wenn man die ursprüngliche Bedeutung des Wortes zugrunde legt: vom französischen rasant - niedrig, schleifend, flach bzw. von lateinisch radere - darüber streichen, den Erdboden streifend.
Die Zensur ist die jüngere
von zwei schändlichen Schwestern,
die ältere heißt Inquisition.
Johann Nepomuk Nestroy
österreichischer Dramatiker, Satiriker und Schauspieler
(1801 - 1862)
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