Eine kleine Nachtkritik. Von T. Dorfer

Eine Wahlkämpferin sucht Aufmerksamkeit, eine Runde zankt um Gerechtigkeit - und ein Beispiel zeigt die Unfähigkeit der Politik. Frank Plasberg redet über Hartz IV. Über allem schwebt das Phantom Sarrazin.

Wer ist eigentlich Hannelore Kraft? Diese Frage haben sich bis vor wenigen Tage viele Bürger außerhalb Nordrhein-Westfalens gestellt - und selbst in dem Bundesland, in dem die SPD-Frau am 9. Mai Ministerpräsidentin werden möchte, dürften viele Wähler ratlos dreingeschaut haben: Hannelore ... wer?

Frank Plasberg, Hannelore Kraft, Fotos: dpa, ddp, Grafik: sueddeutsche.de

"Jung, arm, chancenlos - Wie aus Kindern Hartzer werden!" - Hannelore Kraft bei Frank Plasberg. (© Fotos: dpa, ddp, Grafik: sueddeutsche.de)

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Hannelore Kraft hat das wohl auch registriert, sie hat darauf vermutlich ein wenig im Handbüchlein für verzweifelte Wahlkämpfer geblättert, sich ein "Oha-Thema" gesucht und dieses mit der Hartz-IV-Debatte auch gefunden.

Es folgte ein Interview mit dem Spiegel, der bekannte Vorstoß zur wohltätigen Arbeit für Langzeitarbeitslose, ein Missverständnis, zahlreiche Guido-Westerwelle-Vergleiche und viel öffentliche Empörung.

Und weil dort, wo öffentliche Empörung ist, das Fernsehen stets interessiert an der Bande steht, redet Frank Plasberg an diesem Mittwochabend in Hart aber fair eben über Hartz IV. Mal wieder. Stern-Autor Walter Wüllenweber unkt schon, eigentlich könnte die Sendung inzwischen auch Hartz aber fair heißen.

Wahrscheinlich wurde in deutschen Talkshows dieses Thema schon so oft rauf und runter diskutiert, dass den Autoren langsam die Sendungs-Titel ausgehen. Plasberg probiert es mit "Jung, arm, chancenlos - Wie aus Kindern Hartzer werden!".

Hartz IV, zwei Teenie-Töchter und Frust auf der Seele

Neben Hannelore Kraft und Walter Wüllenweber tummeln sich noch die Unternehmerin Claudia Sturm, FDP-Mann Martin Lindner und der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, am Plasberg'schen Talktisch.

Und dann ist da noch Christiane Weimar, eine alleinerziehende Mutter mit zwei Teenie-Töchtern, einem 75-Prozent-Job und jeder Menge Frust auf der Seele.

Zunächst geht es jedoch nicht um "Jung, arm, chancenlos", sondern um "Sozialdemokratisch, engagiert, kämpferisch" - um Hannelore Kraft also.

Die SPD-Frau darf sagen, dass sie sich eigentlich doch eine "Versachlichung der Hartz-IV-Debatte" wünsche, sie natürlich "überrascht" über die heftigen Reaktionen auf ihren Vorschlag sei - und dass es ihr vor allem um die Menschenwürde ging.

Als Kraft von Argen murmelt

Schließlich suchten viele Langzeitarbeitslose das Gefühl, gebraucht zu werden. Wie diese freiwillige, wohltätige Arbeit konkret organisiert werden könnte, sagt Hannelore Kraft allerdings auch auf Nachfrage von Stern-Autor Wüllenweber nicht - stattdessen murmelt sie etwas von Gewerkschaften, Argen, Kommunen und Unternehmen.

Von Nikolaus Schneider, der kürzlich als Interimschef den EKD-Vorsitz von Margot Käßmann übernommen hat, erfährt man lediglich, dass er die Idee von Hannelore Kraft grundsätzlich gar nicht so schlecht findet und dass ihm sein Vater eine Botschaft mit auf dem Weg gegeben hat: Bildung sei der einzige Weg, um in der Gesellschaft aufzusteigen. Also: "Junge, lern was!"

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