Der Hamburger SPD-Chef Olaf Scholz sah das gewiss ähnlich, war aber nicht in Redelaune. Nur ganz am Ende bemerkte man seine Anwesenheit, als er den Grund für das Parteiordnungsverfahren offenlegte: Sarrazin sehe die Abstammung als Problem, nicht als Aufgabe. Dadurch verstoße er gegen das Grundprinzip der Sozialdemokratie, die immer für eine herkunftsunabhängige Teilhabe gekämpft habe. Sarrazins Konter war knapp: "Es wird nicht zu einem Rauswurf kommen."

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Was den Menschen Sarrazin antreibt, erfuhr auch der Fernsehjournalist Ranga Yogeshwar nicht. So diagnostizierte er, recht unscharf, das Woyzeck-Syndrom. Sarrazin jage einer Chimäre namens Heimat nach, dem großen und ewig bergenden Gefühl, wie weiland Büchners Woyzeck, der immer "I geh' heim" gesagt habe - was dieser aber gar nicht tat. Das Gegenteil sprach er mehrfach aus, "ich muss fort" war Woyzecks Motto. Nach diesem Bildungsunfall im Hause Yogeshwar lächelte Sarrazin. So verhedderte sich der Abend in der selbstgelegten Falle.

Beckmann rief übermotiviert "Herr Sarrazin, zuhören", "Sie sind gleich wieder dran, Herr Sarrazin", "bleiben wir bei dem Thema", ohne dass der Schlagabtausch eine Richtung bekommen hätte. Der Provokateur aus Leidenschaft wiederum erklärte, er sei "kein Zahlenfreak", er wolle "keine Zahlenhuberei" betreiben - und legte die nächste Statistik auf den Debattentisch.

Kurz vor Schluss hatte das Gerede doch seinen Augenblick der Erkenntnis: "Jetzt bin ich erst mal dabei, die Auflage zu steigern", sprach es aus Thilo Sarrazin. Die Mission hat er erfüllt. Die PR-Karawane zieht weiter. Morgen macht sie Station bei Plasberg.

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  1. "Jetzt bin ich erst mal dabei, die Auflage zu steigern"
  2. Pathetischer Sozialpädagoge vs. akademischer Oberrat
  3. Sie lesen jetzt "Herr Sarrazin, zuhören!"
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(sueddeutsche.de/cmb)