TV-Kritik: Autoball-WM Crash Boom Bang

Totalschäden und rauchende Motoren: Wäre Stefan Raabs Autoball-WM repräsentativ für die kommende Fußball-WM, würde die halbe Mannschaft nach dem Spiel im Sterben liegen - und ein deutscher Albtraum würde sich wiederholen.

Eine kleine Nachtkritik von P. Barbera

Am Ende des rund fünfstündigen Autoball-WM-Marathons auf Pro 7 freut man sich fast, dass es die Realität so gut meint mit der deutschen Mannschaft. Daniel Aminati, bei Stefan Raabs Vor-WM-Aufwärm-Show-Variante für Ghana wetteifernd, rast mit dem Auto ungebremst und aggressiv auf seinen deutschen Gegner Stefan Raab zu. "Rrrrrrrrrrrrums!", kommentiert Sportmoderator Frank Buschmann. Er untertreibt.

Wäre dies wirklich ein "Omen für die kommende Fußballweltmeisterschaft in einer Woche", wie Moderator Matthias Opdenhövel zu Beginn der Sendung prophezeit, können wir froh sein, dass Ballack verletzt, aber immerhin noch lebendig im Publikum sitzen wird. Würde man Autoschicksale auf Spielerschicksale übertragen, wären die Worte "Blutbad" und "Massaker" noch sehr schmeichelhaft.

Die Idee, ein Fußballturnier mit Kleinwagen und überdimensional großem Ball nachzuspielen, hat Raab sich selbst geklaut - aus seiner Show "Schlag den Raab". In acht Mannschaften tritt die um den Pro-7-Moderator gescharte Männerrunde (mit den üblichen Raab-Verdächtigen wie Joey Kelly, Ross Antony und Giovanni Zarrella) gegeneinander an. Deutschland, Brasilien, Italien, die Niederlande, Frankreich, England, Ghana und Irland sind im Rennen. Klingt ein bisschen nach wahr gewordenem Autoscooter-Traum.

Wahr gewordener Crashtest-Albtraum

Schon im ersten Vorrundenspiel wird klar: Dies ist mehr ein wahr gewordener Crashtest-Albtraum. Zwischen Joey Kelly, einst Mitglied der Kelly Family, der für Irland fährt, und Giovanni Zarrella, Ex-Popstars-Gewinner, der für Italien an den Start geht, kracht es so oft, dass Kelly mehrmals die weiße Fahne schwenkt - für technische Notfälle. Gleich zu Beginn des fünfminütigen Spiels sind die beiden Kontrahenten frontal aufeinander zugerast. Ergebnis: ein platter Reifen. Kurz darauf drückt Zarrella wild entschlossen das Gaspedal durch und seinen Gegner gegen die Bande.

Die Stoßstange fällt ab, das erste Auto des Abends ist zu Schrott gefahren. Beinahe jedes Spiel wird mehrmals unterbrochen: qualmende Motoren, auslaufendes Öl, Totalschaden. "Die nachfolgenden Sendungen beginnen 24 bis 25 Stunden später, meine Damen und Herren", scherzt Buschmann leicht genervt und fügt an: "Hoffentlich sind wir hier bis zum Start der echten WM fertig."

Stoßstangen fallen fast öfter als Tore

Im nächsten Vorrundenspiel die selbe Prozedur - diesmal zwischen Daniel Aminati für Ghana und Stefan Raab für Deutschland. Stoßstangen fallen fast öfter als Tore. Wäre die stoßdämpfende Wirkung des Balls nicht, der stolze 15 Kilo wiegt und zwei Meter Durchmesser besitzt und immer wieder zwischen den Autos steckenbleibt, hätte man ob der heftigen Frontalzusammenstöße zwischen den beiden Autos fast Angst um Raab. Doch der TV-Total-Moderator lächelt nur immer milde. Wieder ein Auto zu Schrott gefahren. "Naja, man kann's ja kleben."

Keine Witze unter der Gürtellinie, keine Späßchen auf Kosten seiner Gäste. Stefan Raab scheint heute nicht in Form zu sein. Vielleicht sind es aber auch nur die beflügelnden Nachwirkungen des Eurovision Song Contests. Nicht einmal als Moderator Opdenhövel den Notfallkandidaten Jorge Gonzalez vorstellt, sonst nur auf glitzernden High Heels als Laufstegcoach zu sehen bei Germany's Next Topmodel und typisches Raab-Humor-Opfer, lächelt der sonst um keinen schlechten Witz verlegene Moderator nur selig und sagt: "Jorge kann gut fahren, ich hab ihn mir vorher angeschaut."

"Ich kann nicht immer gewinnen, das macht unsympathisch"

Das Ende des Raab'schen Fieslinghumors? Als er zum dritten Mal während der Show aus seinem ramponierten Auto steigt und Moderator Elton erklären will, was diesmal kaputt gegangen ist kommt er nur bis zu "Der erste Gang war...", den Rest übertönt der tosende Applaus des Publikums. Das Publikum klatscht und pfeift hysterisch. Raab, das ist nicht mehr der minder lustige TV-Total-Moderator. Raab, das ist der Gewinnerinmacher. Der Lenamacher. Um kurz vor Mitternacht ist es dann auch soweit: Lena Meyer-Landrut tritt endlich auf, singt ihren Oslo-Song "Satellite". "Ihr seid der Wahnsinn", frohlockt Lena ins Mikrofon. Die ganze Arena klatscht. Raab strahlt stolz in die Kamera.

Nicht einmal als die Spannung im Finale zwischen Italien und Deutschland nach einem Unentschieden ins Unermessliche steigt und immer wieder verlängert werden muss, verliert Raab seine gute Laune. Zarrella lässt den Ball wiederholt zielsicher und sanft ins deutsche Ziel hopsen. Raab setzt zurück, fährt mit einem kräftigen Stoß auf den Ball zu - und schießt daneben. Der deutsche Fußballalbtraum wiederholt sich - Deutschland verliert gegen Italien. Und was sagt Raab? "Ich kann nicht immer gewinnen, das würde mich unsympathisch machen."

"Das ist lenastisch"

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