TV-Kritik: ARD-Geburtstagsshow Eine Fete für die ARD

Die ARD feiert sich selbst in einer Großen Geburtstagsshow - und die wiederum nutzt RTL-Mann Günther Jauch geschickt für sich.

Eine kleine Nachtkritik von Rupert Sommer

Vorsicht, Dauerwerbesendung: Deutschlands beliebtesten TV-Moderator, der 30 Jahre nach seinen Fernsehanfängen optisch noch immer wirkt wie ein ehrgeiziger Schülerzeitungs-Chefredakteur, die große Geburtstagsgala verantworten zu lassen, war eine Ehre für einen Mann, den man gerne in den eigenen Reihen hat. Nein, die Rede ist nicht von Reinhold Beckmann, der mit ergrauten Schläfen dem Nostalgieabend sein Gesicht lieh. Günther Jauch ist der Gratulant, den die ARD liebt - und der sich ihr in einer rund zweistündigen Sendung mal wieder selbst ans Herz legte.

Nicht nur, dass zu Beginn der Feierstunde die Kamera auf zwei Gesichter zoomte, die eigentlich irritieren müssten: Immerhin gilt der stern TV-Journalist ja als der wichtigste RTL-Protagonist und Wetten, dass..?-Dinosaurier Thomas Gottschalk als das personifizierte ZDF. Mehr noch: Der umtriebige TV-Unternehmer Jauch wickelte mit seiner eigenen Fernsehfirma i&u den Festauftrag ab und zog so bei Ablauf und Dramaturgie der Show die Strippen. Und das bedeutete, ohne gleich allzu sinistre Absichten zu unterstellen: prominente Kamera-Präsenz. Jauch war - als Gespann mit seinem alten Bayerischer-Rundfunk-Buddy Thomas Gottschalk wenigstens in den ersten zwei Dritteln der Show fast ununterbrochen im Bild.

Dabei kommentierte er als aus seiner Sicht naheliegender Zeitzeuge viele der eingespielten Rückblicksfilmchen vor laufender Kamera gleich selbst. Wie das aussehen muss, weiß er ja vom eigenen Heimatsender recht gut: Weite Teile der Archiveinlagen, mit der die ARD ihre historische Erfolgsbilanz von den grauen Gründertagen bis heute beleuchten wollte, sahen aus, wie die etwas hölzernen Star-sitzt-vor-Flimmerwand-Sequenzen in Oliver Geissens popkulturellen Zeitreiseshows.

Deutlich größeres Kino war dagegen eine Stunt-Einlage in bester Schlag den Raab-Manier. Nur dass hier Jauch gegen sich selbst antreten musste: In Erinnerung an eine im Rückblick haarsträubende Himmelfahrtsmission aus seiner früherem SDR-Sendung Rätselflug musste sich der heute 55-Jährige wie seinerzeit an die Kufen eines Helikopters hängen. In der Abenteuer-Gameshow galt es für Jauch damals, mit Hubschrauber-Hilfe einen "Schatz" hoch oben auf dem Loreley-Felsen zu bergen. Der tollkühne Twen verhinderte dabei 14 Sekunden lang mit bloßen Händen den eigenen Absturz. Diesmal bekam Jauch einen Sicherheitsgurt umgeschnallt ("Ich habe zuhause versprochen, dass ich so etwas nicht mehr mache") und wiederholte die Klammerübung verbissen. Fazit: Jauch hielt heute 69 Sekunden durch - die ARD ist ihm jede Kraftanstrengung wert.

Kollege Gottschalk war jedenfalls sehr angetan und zelebrierte den Moment, in dem er Jauch den von ihm während des Turn-Kunststücks verwahrten Ehering zurückgab: "Nimm diesen Ring zum Zeichen meiner Hochachtung", scherzte der ZDF-Mann. Der "Indiana Jones aus Potsdam" (Beckmann über Jauch) hatte sich selbst übertrumpft. Trotzdem brachte Gottschalk den Mut zum Kollegen-Spott auf. Wäre Jauch der erste tollkühne Helikopterflug misslungen, hätte sich vielleicht eine ganz andere spätere RTL-Karriere ergeben. "Das kann man sich gar nicht vorstellen", sagte Gottschalk. "Ich könnte heute Wer wird Millionär? moderieren."

Dass beim Marktführer RTL in Lohn, Brot und Rampenlicht zu stehen, offenbar nicht wirklich die Erfüllung eines Lebenstraums ist, erfuhr man von Jauch später aus einem unerwartet bissigen Seitenhieb auf den Deutschland sucht den Superstar-Moderator Dieter Bohlen. Den identifizierte Jauch für die ARD-Zuschauer nämlich als prominenten Kleindarsteller in einem alten Tatort mit Götz George. "Das wäre mal eine Karriere für Bohlen gewesen", urteilte er schnippisch über dessen Schauspielkünste. "Die hätte er weiter entwickeln sollen. Jetzt sitzt er bei RTL - Tragödie!"