Staat oder Millionäre? Wer kann die Probleme des Landes besser lösen? Das wollte Anne Will wissen - doch ihr ARD-Talk geriet zum absurden Geschnatter. Angezettelt wurde ein "Klassenkampf von oben".
Über Anne Wills Strategien zur Stressbewältigung ist wenig bekannt. Insofern lässt sich nicht sagen, ob nach der Sendung am Sonntagabend eine Zigarette, ein steifer Drink oder einfach einmal tief Durchatmen bei ihr fällig waren. Dass sie irgendetwas davon brauchte, konnte sich der geneigte Zuschauer jedoch gut vorstellen.
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"Millionäre zur Kasse - mehr Spenden, mehr Steuern, mehr Gerechtigkeit?" - Über dieses Thema diskutierte Anne Will mit ihren Gästen, darunter der Unternehmer Arend Oetker, der Mittelstandspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Diether Dehm, und der PR-Berater Klaus Kocks. (© ddp)
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Die Herde von Besserverdienern, mit der sie über das Thema "Millionäre zur Kasse - mehr Spenden, mehr Steuern, mehr Gerechtigkeit" diskutieren wollte, war nämlich nicht gerade leicht im Zaum zu halten. Da half auch die ebenfalls eingeladene Journalistin Heather DeLisle als gute Fee der Millionäre nicht viel.
Die Idee der Redaktion war im Prinzip ja nett: Mitten im Sommerloch die Anfang August aufgekommene Diskussion um US-Milliardäre, die 100 Milliarden Dollar spenden wollen, als Aufhänger nehmen für die Frage, ob reiche Spender oder aber der Staat besser für soziale Gerechtigkeit sorgen können.
Dumm nur, wenn die geladenen Gäste da partout nicht mitmachen wollen.
"Die Frage war aber ..."
So bekam die ARD-Moderatorin Anne Will reichlich Gelegenheit, den Satz "Die Frage war aber ..." in verschiedenen Varianten zu wiederholen. Einmal sackte die Talkerin resigniert in ihrem Stuhl zusammen und war knapp davor, sich die Moderationskarten vors Gesicht zu halten. Die Debatte wogte währenddessen unbeeindruckt von ihrer Fragestellung hin und her.
Vom Start weg erhielt Anne Will nicht die Art von Antwort, auf die sie abzielte. Ob es mehr reiche Spender brauche, weil es der Staat nicht mehr allein hinbekomme, die Probleme zu lösen, wollte sie von Arend Oetker wissen. Stattdessen referierte der Unternehmer, der im Familienkonzern für die Marmeladensparte Schwartau zuständig ist, lieber Haushaltszahlen.
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Kanzlerin Merkel und die Macht
... falsche Gäste
Die Gesellschaft entwickelt sich zurück in alte Zustände. Im Groben: Es gab die Feudalen, die damaligen "Leistungsträger", auf der anderen Seite die Untergebenen, oft genug Leibeigene (die damaligen "Schmarotzer"). Das waren noch Zeiten und "sie werden sie wieder werden". Und alle sind dafür, auch diejenigen, die jetzt noch denken, sie gehörten nicht zu den "Schmarotzern", die meinen mit ihrer Zustimmung für solche Verhältnisse "entgeltet" zu werden.
Und dieses schon sehr lange nicht mehr. Sie holt sich die "falschen" Leute in ihrer Sendung. Hin und wieder gibt ein paar positive Ausnahmen. Aber wenn sie für die Seite der Millionäre den Oettgens zu sich einlädt, der sich gab, als würde er um seinen Arbeitsplatz zu fürchten haben. Wenn sie dann für die "andere Seite" einen Linken einlädt, dann ist von Grund auf diese Seite schwach besetzt, weil es heutzutage ein Leichtes ist, die Linken mit der DDR gleichzusetzen, die ja bekanntlicher weise sehr schlecht gewirtschaftet hat. Das ist Standard bei Will, das ist so gewollt.
Das das Argument des nicht wirtschaftkönnenden Staates immer noch in dieser altbekannten Form benutzt wird, ist geradezu lächerlich. Der Staat gibt sicherlich oft genug das Geld falsch aus, er gibt oft genug zuviel Geld aus. Das ist leider so, muss aber nicht sein. Um das zu vermeiden, ist die Bevölkerung da, sie hat dafür zu sorgen, dass so etwas eingeschränkt wird. Bei einem Wirtschafts-Unternehmen haben die Arbeitnehmer diese Möglichkeiten nur in Ausnahmefällen, sonst wüssten wir alle noch mehr, wo die unermesslichen "Abschöpfungen" bleiben.
Wenn man vom Staat verlangt, wie ein Unternehmen zu wirtschaften, dann müsste der Staat in Zeiten der Flauten "Menschen" entlassen, u.U. "Filialen", Land und Immobilien veräußern, die Infrastruktur einschränken oder verkaufen, was ja leider zum Schaden des Staats oft genug gemacht wurde (aber in einem Wirtschaftsunternehmen machen solche Maßnahmen Sinn). Weiterhin könnte er Einsparungen jeglicher Art machen, vor allem in den Sozial-"Abteilungen". Diese kann sich ein Unternehmen sowiso nicht leisten. Und so kann man das weiterführen, das Märchen vom "Guten Wirtschaften". Soziale Unruhen braucht ein Wirtschaftsunternehmen nicht zu befürchten. Dafür ist ja der Staat zuständig (wer bitte, ist dieser Staat?) Wenn die Flaute vorbei ist, und der staatliche "Rubel" wieder rollt, holt der Staat die Menschen wieder zurück und man kann sich wieder vergrößern. Oder so ungefähr stellen sich die Leute, die dieses Argument immer wieder ungestört vorbringen können, das vor?
... das hat mich zusaetzlich bestaetigt. :-)
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